Chronik/Rückblick

Die Akademie hat im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Impulse gesetzt, öffentliche Diskussionen in Gang gebracht und medienübergreifend nach hervorragenden künstlerischen Leistungen gefragt. Die über die Zeit entwickelten Veranstaltungen und Preisvergaben setzen Akzente und bieten den darstellenden Künsten ein Forum in Rundfunk, Fernsehen und Theater.

1956      Gründung der Akademie, einer „Vereinigung von Künstlern und künstlerisch interessierten Personen des Theaters, des Films, des Funks und des Fernsehens“ in Hamburg mit dem Ziel, „das Kulturbewusstsein der Öffentlichkeit zu fördern, Stellung zu nehmen zu grundsätzlichen Fragen, soweit sie das kulturelle Leben betreffen, das Gefühl für allgemeine Werte zu verstärken...“
Gründungsmitglieder: Willy Haas, Elisabeth Flickenschildt, Dore Hoyer, Günther Weisenborn, Hans Rehfisch, Wolfgang Weyrauch, Werner Hinz.
Unter den ca. 80 Mitgliedern sind Autoren/ Komponisten: Werner Egk, Hans Henny Jahnn, Walter Jens, Carl Zuckmayer; Schauspieler: Ernst Deutsch, Käthe Gold, Ewald Balser, Will Quadflieg, Joana-Maria Gorvin; Regisseure /Dirigenten/ Bühnenbildner: Boleslav Barlog, Karl Böhm, Caspar Neher, O.F. Schuh, Helmuth Käutner, Heinz Hilpert, Joseph Keilberth, Leopold Lindtberg, Ernst Ginsberg, Wolfgang Staudte und Erwin Piscator.
1957 Tagungen, u.a.: „Kampf gegen den Apparat – Fernsehen im Wettbewerb mit Bühne und Film“. Pläne für ein akademisches Lehrinstitut von H.D. Kenter, Piscator, Weisenborn und Tietjen: Schaffung eines Seminars für Bühne, Film, Funk und Fernsehen für den Dramatiker- und Künstlernachwuchs aus der Erfahrung von Piscators „dramatic workshop“ in New York.
1958 Tagung „Brauchen wir ein Bundeskultusministerium“. Entwurf einer Charta. Im „Vorläufigen Arbeitsprogramm“ von Piscator wird die „Systematische Beobachtung der Original-Fernsehspiele deutscher Autoren und aller Klassiker-Inszenierungen im Fernsehen“ gefordert.
1960 Günther Weisenborn schlägt nach einem Gespräch mit dem Frankfurter Intendanten Harry Buckwitz die Verlegung der Akademie nach Frankfurt vor, das ein reges geistiges Leben und die nötige wirtschaftliche Grundlage habe. Oberbürgermeister Bockelmann ist bereit, die Akademie zu unterstützen. Buckwitz plant eine „Theaterolympiade“.
1962 Die Akademie zieht nach Frankfurt.
1963 Die Berliner planen im Rahmen ihrer Festspiele einen Theaterwettbewerb nach dem Entwurf der Akademie, ohne diese mit einbeziehen zu wollen. Die Bemühungen um die eigene „Olympiade“ werden eingestellt, mit Berlin will man nicht konkurrieren. Einige Mitglieder drängen darauf, sich dem experimentellen Theater zu widmen. Eine alte Idee Piscators, der mit „Experimente des europäischen Theaters“ neue ästhetische und interpretatorische Möglichkeiten zeigen wollte. Die „Experimenta“ wird vorbereitet.
Buckwitzens Idee realisieren die Berliner mit dem „Theatertreffen“ 1964. Hans Gottschalk und Helmut Krapp stellen den Antrag auf Einführung eines Fernseh-Akademiepreises für eine schöpferische Leistung auf dem Gebiet des Fernsehens. Auszuzeichnen sind Produktionen, die neue ästhetische Möglichkeiten aufzeigen. Die Juroren sollen vom Senat der Akademie gewählt werden. Die Vorschläge sollen von der ARD, dem ZDF und der Akademie kommen. Jedes Mitglied habe das Recht, auf Sendungen für die Vorschlagsliste hinzuweisen. Die Entscheidung der Jury soll bis zur Preisverleihung geheim bleiben. Die Statuten werden von Helmut Krapp, Hans Gottschalk und Franz Peter Wirth erarbeitet.
1964 Erster Fernsehpreis der Akademie an Heinar Kipphardt.
Von 1964 bis 1988 muss die Akademie die öffentlich-rechtlichen Sender bitten, der Jury in den Sendeanstalten Gastrecht zu gewähren. Die Verleihungen finden bis 1978 an verschiedenen Orten, von 1979 bis 1989 im Kommunalen Kino des Frankfurter Filmmuseums statt. Hin und wieder sind die Kopien von schlechter Qualität, die Sender wenig kooperativ oder Unstimmigkeiten über die Kriterien der Preisverleihung führen dazu, dass kein Preis verliehen wird.
1966 Experimenta 1, Leitung Karlheinz Braun und Peter Iden. UA Handke „Publikumsbeschimpfung“.
1969 Experimenta 3, UA von Titus/Iphigenie. Beuys/Goethe/ Pey-mann/Shakespeare/Wiens, Bread and Puppet Theatre
1971 Experimenta 4, Ernst Jandl, Giorgio Strehler, Bazon Brock, Mauricio Kagel, Konrad Wünsche, Wolf Vostell, u.a.
1972 Internationale Hörspieltagung, veranstaltet vom Hessischen Rundfunk und der Akademie.
1973 Die Jury für den Fernsehpreis wird von fünf auf elf Juroren erweitert, damit eine „Beurteilung unter möglichst vielfältigen Gesichtspunkten gewährleistet wird.“ Fünf Fernsehkritiker, jeweils ein Autor, Regisseur, Schauspieler, Lektor/ Dramaturg/ Redakteur, Wissenschaftler, Akademiemitglied. Mit 7 Juroren ist man beschlussfähig. ARD und ZDF, Akademie und Jury können jeweils bis zu drei Titel benennen. Der Preis besteht aus vier Auszeichnungen (ab 1976 „bis zu vier“) für das beste Manuskript, die beste Inszenierung, die beste darstellerische Leistung und die beste Teamleistung.
1975 Experimenta 5, Europäisches Kindertheater
1977 Erstes „Hörspiel des Monats“ auf Initiative von Ulrich Lauterbach, Leiter der Hörspielabteilung des Hessischen Rundfunks. Im Turnus sind die Rundfunkanstalten der ARD jeweils für ein Jahr Gastgeber der unabhängigen Jury. Die Jury-Mitglieder sind Medienkritiker aus dem jeweiligen Sendegebiet und wählen aus den Ursendungen das „Hörspiel des Monats“ aus. Die Wahl und die Begründung der Jury gehen monatlich an die Presse. Die Sender beteiligen sich finanziell an der Unternehmung.
1979 Neufassung der Statuten des Fernsehpreises. Es werden nicht mehr „bis zu vier“ Preise verliehen, sondern der Preis wird für eine herausragende Produktion verliehen. Es liegt im Ermessen der Jury, einen zweiten Preis zu vergeben, außerdem besondere Leistungen auf den Gebieten Buch, Regie, Darstellung oder auf anderen künstlerischen Gebieten auszuzeichnen. Die Jury besteht weiterhin aus elf Personen. Änderung: der Wissenschaftler entfällt, statt eines Schauspielers werden zwei berufen. Die Fernsehsysteme, die Akademie und die Jury haben das Recht, jeweils zwei Titel (statt 3) zu nennen.
1986 Der Fernsehpreis findet trotz ausführlicher Berichterstattung in der Presse nicht die erhoffte Resonanz in Frankfurt. Die Akademie ist auf der Suche nach einem geeigneten Forum. Der Preis soll durch Anbindung an eine Stadt attraktiver gemacht und ihm durch einen festivalartigen Rahmen eine größere inhaltliche und publizistische Bedeutung gegeben werden. Baden-Baden wird auf Anraten von Hermann Naber ins Auge gefasst. Wichtig sei auch der Sitz des SWF, von dem man sich technische und organisatorische Hilfe erhofft.
„Gertrud-Eysoldt-Ring“: Der Theaterkritiker Wilhelm Ringelband, Freund der Max Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt, verfügte in seinem Testament, dass ein Preis zum Gedächtnis an die Eysoldt gestiftet werden solle. Die Stadt Bensheim, Wohnort von Ringelband, trat das Erbe an. Über die Preisvergabe entscheidet die Akademie bzw. Dietmar N. Schmidt als ständiger Vertreter der Akademie im Kuratorium der Ringelbandstiftung und zwei weitere von ihm ernannte Juroren. Ring und Preisgeld (DM 20000.-) sind für die beste Rollengestaltung einer Spielzeit bestimmt. Am Vorabend der Preisverleihung findet eine öffentliche Diskussion mit Theaterleuten und Kritikern statt.
Erstes „ Hörspiel des Jahres“, von der Jury aus den zwölf Hörspielen des vergangenen Jahres ausgewählt. Christoph Buggert, der Hörspielleiter beim Hessischen Rundfunk (und seit 1977 Schatzmeister der Akademie), ist Motor und Mentor. Preisübergabe und Präsentation finden seitdem jährlich zwischen Februar und April zunächst im Frankfurter Theater am Turm, dann im Literaturhaus Frankfurt statt.
1988 Die Stadt Baden-Baden, vertreten durch Bürgermeister Jörg Zwosta, befürwortet einen Zuschuss für die Verleihung des Fernsehpreises 1989 und bittet die Bäder- und Kurverwaltung, ebenfalls einen Zuschuss bereitzustellen. Der Kulturausschuss ist der Auffassung, dass diese Veranstaltung einen Festivalcharakter erhalten soll, der den Bekanntheitsgrad der Stadt steigert und mit einem bedeutenden Medienereignis verbindet. Die Akademie legt im Oktober ein Exposé vor.
1989 Erste Baden-Badener Tage des Fernsehspiels. Die Verhandlungen von Hermann und Lore Naber, Gertraud Linz und Hans Abich sowie Dietmar N. Schmidt als Beauftragter der Akademie mit der Stadt und der Bäder- und Kurverwaltung Baden-Baden sind erfolgreich. Die Akademie, die Stadt Baden-Baden und die Bäder- und Kurverwaltung zeichnen als Veranstalter. Die Leitung obliegt Gertraud Linz, Hans Abich ist Vorsitzender der Jury. Die Vorführung der Fernsehspiele und die Jury-Diskussion sind erstmals öffentlich.
1990 Experimenta 6, dem Werk Heiner Müllers gewidmet. Programm: Rainer Mennicken und Tom Stromberg.
1991 Erster „Förderpreis für Regie“ (DM 10000.-) der Bensheimer Ringelband-Stiftung. Hans Lietzau schlägt den Preisträger vor, ab 1992 Kurt Hübner.
1992 Günther Rühle löst Jürgen Flimm als Präsident der Akademie ab.
1994 Stephan Abarbanell ist neuer Festivalleiter für Baden-Baden.
1995 Erstmalig nehmen auch Pro7, RTL und Sat.1 an den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels teil.
1996 Erste „Woche junger Schauspieler“. H.J. Weitz und Günther Rühle hatten 1993 vorgeschlagen, zusätzlich zum Eysoldt- und zum Regiepreis den Nachwuchs durch eine „Woche junger Schauspieler“ zu fördern. Günther Rühle wählt die Inszenierungen aus.
1998 Ein weiterer Partner der Baden-Badener Tage des Fernsehspiels ist die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer mit dem „Young Fiction Forum“ und „Baden-Baden Pitch“, wo junge Autoren und Filmemacher Produzenten und Redakteuren ihre Projekte vorstellen können.
1999 Die Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten München wird Partner der Baden-Badener Tage des Fernsehspiels.
2000 Karl-Otto Saur übernimmt die Festivalleitung, Martin Wiebel den Juryvorsitz. Das Festival wird auch von der DLM (Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten) gefördert. Die MFG-Filmförderung Baden-Württemberg stiftet eine Prämie über DM 100'000.- für den talentierten Film-und Fernsehnachwuchs, den „Shooting-Star-Baden-Baden“. Walter Konrad löst Günther Rühle als Präsident ab.
2003 Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, der Deutscher Bühnenverein, die Dramaturgische Gesellschaft, die Kulturpolitische Gesellschaft und das Internationale Theaterinstitut (ITI) veranstalten eine große Protestaktion gegen die Schließung des Berliner Schillertheaters. Alle Theater sind aufgefordert, in ihren Vorstellungen am 3. Oktober gegen den Abbau der Theaterlandschaft zu protestieren.
2004 Die Sparmaßnahmen der Stadt Frankfurt haben zur Folge, dass der jährliche Zuschuss für die Geschäftsstelle der Akademie ab dem Jahre 2004 in Gänze gestrichen wurde. Die Stadt Bensheim an der Bergstraße, in welcher bereits gemeinsam mit der Akademie der „Gertrud-Eysoldt-Ring“ und der „Preis für junge Regisseure“ verliehen wird und die „Woche junger Schauspieler“ stattfindet, bot der Akademie eine neue Heimstatt. Seit Sommer 2004 ist der Sitz der Akademie in Bensheim.
2006 Feier zum 50. Jahrestag der Akademie in Bensheim.
Erste Verleihung des FAUST Theaterpreises im Aalto-Theater in Essen.
2009 Klaus Pierwoß löst Walter Konrad als Präsident ab, tritt aber bereits nach einem halben Jahr zurück. Hermann Beil wird neuer Präsident der Akademie.
Der Bensheimer Theaterpreis wird in Günther-Rühle-Preis umbenannt.