Woche junger Schauspieler 2013

im Parktheater Bensheim, vom 04. - 23. Mai 2013

Zum 18. Mal fand 2013 die "Woche junger Schauspieler" statt, veranstaltet vom Magistrat der Stadt Bensheim, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Bensheim. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützte auch dieses Jahr wieder die Woche junger Schauspieler. Weitere Förderer sind der Bergsträßer Anzeiger und das Light-House Hotel.

Am 23.5. wurde die Entscheidung des Publikums und der Jury bekannt gegeben."Der Junge im Bus" vom Landestheater Coburg erhielt 100% Zustimmung vom Publikum. Die Jury hat den mit 3.000,- EUR dotierten "Günther-Rühle-Preis" an "Desirevolution" von der Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg vergeben.

 

Die Begründung der Jury: 

In den sechs Inszenierungen sahen wir ganz verschiedene Ansätze, Konzeptionen und theatralische Absichten. Die Spannweite ging vom Jugendtheater, über das Projekt einer Schauspielschule, die erste Regiearbeit einer jungen Regisseurin, bis hin zur Inszenierung eines Shakespeareklassikers mit einem Ensemble aus verschiedenen Altersklassen. Was aber bewertet die Jury?

Sicherlich gehören das Inszenierungskonzept, die Dramaturgie sowie auch das Stück als solches zu einem gelungenen Theaterabend und es ist sehr wichtig, dass dies durch die Abstimmung des Publikums gewürdigt wird. Wir als Jury haben uns aber auf die darstellerische Leistung des Einzelnen, wie auf die des Ensembles konzentriert und festgestellt, dass sich in den Diskussionen eine Produktion immer wieder als beeindruckend und besonders herausgekämpft hat: Dies ist das Projekt „Desirevolution“ des 3. Studienjahres Schauspiel der Akademie der Darstellenden Kunst Baden-Württemberg.Dieser Theaterabend hat provoziert, zweifellos. Aber nicht zum Selbstzweck, sondern um dem Zuschauer den schonungslosen, die Grenzen des Erträglichen bewusst verletzenden Einblick in die Perspektivlosigkeit einer Generation zu bieten.

Die jungen Theatermacher haben den Angriff nach vorne gewagt. Die Wut und Aggression, welche wir auf der Bühne sehen konnten, ist als ein generationsspezifsches Problem deutlich geworden, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Die Figuren leben in einer Welt, in der sie von der Gesellschaft absolut im Stich gelassen werden. Keiner kümmert sich um sie, weil es weh tut, dort hinzuschauen und zuzuhören. Der Beifall an diesem Abend war sehr lang und intensiv, damit hatten wir nicht gerechnet. Die Ereignisse sind ganz schön tief gegangen, körperlich geworden, auch wenn sie manch Einem zu tief gingen. Es war auch vom Publikum sehr mutig, sich diesem Theaterabend zu stellen und ihn anzuschauen/mitzuerleben. Es ist gewiss nicht leicht, den eigenen Vorurteilen nachzugeben, sondern trotz gelegentlicher Überforderung etwas zu riskieren. Aus Ludwigsburg kam ein Aufruf, der uns alle angeht.

Aktuell passiert etwas in unserer Gesellschaft, das gesagt werden muss. Die Schauspielschulgruppe geht dafür an die Aktionsfront, kreiert eine Collage von Impressionen, Interpretationen und Erfahrungen, die sich im bürgerlichen Inszenierungstheater so nicht finden. Das Denken im Team, das Reden miteinander, das Entwickeln in der Gruppe steht im Vordergrund und lässt Eitelkeiten uninteressant werden. Es geht nicht darum, ein perfekt
ausgearbeitetes Konzept mit geschlossener Dramaturgie zu zeigen, sondern um den Versuch, noch weiter zu gehen. Theater lässt sich auch als Prozess auffassen, an dem man weiterarbeitet, der nicht abgeschlossen ist. Die Not wird nicht nur bloß zur Sprache gebracht, sondern das Publikum erlebt mit, wie die Figuren über sich nachdenken. Die Ratlosigkeit, die Sprachlosigkeit, die Hilflosigkeit und auch die Maßlosigkeit wird dem Zuschauer schmerzhaft mitgebracht.

Wir finden, dass man als Zuschauer auch etwas aushalten muss. Es geht darum, sich den schwierigen Themen der Gesellschaft zu stellen und in ihre Abgründe hineinzuschauen, weil diese eben Teil unserer Gesellschaft sind.

Die Jury des Günther-Rühle-Preises 2013 verleiht diese Auszeichnung bewusst an ein Kollektiv, ohne einzelne Namen hervorzuheben. Angesichts leerer kommunaler Kassen ist es leider vorstellbar geworden, dass nicht alle Mitglieder der Abschluss-Jahrgänge unserer Schauspielschulen im etablierten Theaterbetrieb unterkommen. Der Preis ist als Ermutigung gedacht, ähnlich wie in „Desirevolution“ Theater-Formen zu entwickeln, die das Zielpublikum auf flexiblere und direktere Weise erreichen können. Theater wird auf Dauer nur dann unentbehrlich bleiben, wenn es nicht auf überholten Traditionen
beharrt, sondern auf immer wieder neuen Wegen die Gesellschaft mit sich selber konfrontiert.

„Desirevolution“ ist junges Theater im besten Sinn.

 

Samstag, 04. Mai,  18.00
Auftakt - Theaterfest
Die Kuratoren der Woche junger Schauspieler stellen das Programm mit Filmeinspielern vor.
Im Anschluss: musikalisches Programm im Foyer des Parktheaters Bensheim. Für Getränke ist gesorgt!

Ort:  Parktheater Bensheim

20.00 Uhr
theaterperipherie Frankfurt a.M.
DIE STUNDE DER WAHRHEIT
Von und mit Hadi Khanjanpour

Dienstag, 07. Mai,  20.00 Uhr
Stadttheater Gießen
OTHELLO
Schauspiel von William Shakespeare
Deutsch von Frank Günther

Dienstag, 14. Mai,  20.00 Uhr
Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg, in Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
DESIREVOLUTION
nach Matias Faldbakken und Thomas Mann

22.00 Uhr
Akademie Late Night

Die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg, stellt sich vor
Mittwoch, 15. Mai,  20.00 Uhr
Staatstheater Kassel
NORWAY TODAY
Von Igor Bauersima
Dienstag, 21. Mai,  20.00 Uhr;
Mittwoch, 22. Mai, 9.00 und 11.30 Uhr
Landestheater Coburg
DER JUNGE IM BUS
Ein Stück im Bus von Suzanne van Lohuizen
Ort: Im Bus auf dem Beauner Platz neben dem Parktheater
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn: Einführung im Foyer des Parktheaters Bensheim

Donnerstag, 23. Mai, 20.00 Uhr
Badisches Staatstheater Karlsruhe
VERRÜCKTES BLUT
von Nurkan Erpulat und Jens Hillje

 

Im Anschluss an die Aufführungen werden die Beteiligten für ein Gespräch mit dem Publikum zur Verfügung stehen.

Die Eysoldt-Preisträgerin Constanze Becker hat die Schirmherrschaft für die 18. Woche junger Schauspieler übernommen.