Woche junger Schauspieler 2017

im Parktheater Bensheim, vom 06. - 28. März 2017

Im März ist es wieder soweit: Fünf Mal junges Theater in Bensheim!

Die Woche junger Schauspieler wird veranstaltet vom Magistrat der Stadt Bensheim, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Bensheim. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützte auch dieses Jahr wieder die Woche junger Schauspieler.

Montag, 6. März 19 Uhr

Foto Uwe Lewandowski

Auftakt

• Hermann Beil und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit Regisseuren, Dramaturgen und Schauspielern die Gastspiele und das Programm vor.
• Raphael Kassner stellt das Schulprojekt „Theaterkritik“ vor.
• Bekanntgabe der Juroren für den begehrten „Günther-Rühle-Preis“.

Im Anschluss (ca. 20.15 Uhr)

Theater Osnabrück
DIE VERWANDLUNG / nach Franz Kafka

Gregor Samsa verachtet seinen Job als Handelsreisender. Bloß für die Familie schleppt er sich jeden Morgen zu diesem drögen Geschäft und setzt sich mit seinem unleidlichen Chef auseinander. Und nun das: Als Samsa an diesem gewöhnlichen Morgen erwacht, fühlt er sich äußerst ungewöhnlich. Der junge Mann ist zu einem riesigen Käfer geworden. Mit Panzerrücken, Insektenbeinchen und kräftigem Kiefer scheitert er daran, seine Eltern und die Schwester weiterhin zu ernähren. Niemand scheint ihn mehr zu verstehen, sodass er der Wandlung seines Körpers völlig allein ausgesetzt ist. Es dauert nicht lange, bis die Familie sich abwendet und Gregor Samsa in seiner Insektenhülle mehr und mehr vergisst.
Mithilfe des absurden Prozesses der Verwandlung in einen Käfer beleuchtet Franz Kafka in seiner 1912 entstandenen Erzählung Abhängigkeiten und Sehnsüchte innerhalb eines Familienbundes und untersucht die stumme Einsamkeit eines sich verändernden Körpers. Seine Sprache formt vorbehaltlos und direkt eine Realität, deren Rätsel sich wie beiläufig und dadurch umso vehementer aufdrangen. Die Verwandlung ist ein poetischer Text, der vielfaltigste Deutungsmöglichkeiten eröffnet und Lust auf die Entdeckung des Verborgenen in Kafkas einzigartigem Werk macht.

 "Dem Format ‚Klassenzimmerstück‘ gemäß, strafften Regisseurin Nina de la Parra und Dramaturg Sven Kleine die Handlung der 1912 erstmals erschienene Story um den zum „Ungeziefer“ mutierten Handlungsreisenden Gregor Samsa auf ein 50-minütiges Stück. Herausgekommen ist eine rasante Mischung aus Vortrag, Erzählung und Theater, in der Schauspielerin Marie Bauer darstellerisch wie sprechtechnisch aus dem Vollen schöpfen konnte." Neue Osnabrücker Zeitung

Mit: Marie Bauer
Inszenierung: Nina de la Parra
Ausstattung: Jutta Bornemann
Dramaturgie: Sven Kleine

Dauer 50 Minuten

 

Mittwoch, 15. März 20 Uhr

Foto © Tobias Heitz und HBK Saar
Einführung 19:15 Uhr
Hochschule für Musik Saar, Saarbrücken
NACHT MIT GÄSTEN - EINE MORITAT / Musiktheater von Stefan Litwin nach dem gleichnamigen Roman von Peter Weiss

Nacht mit Gästen«  ist »ein grausames Spiel über eine Welt, in der jeder des anderen Wolf ist, in der jeder um den Gewinn tötet«. Nacheinander sterben die Mutter, der Vater, der Gast und der Warner, nur die beiden Kinder bleiben übrig. Von Anbeginn dachte Peter Weiss an eine musikalische Umsetzung des Dramas und favorisierte »eine durchgehende Komposition mit jahrmarkthaften Instrumenten«. Denn »Nacht mit Gästen« war der erste Schritt in seinem Bestreben, die Theaterform der Schaubude, wo es pointiert und scheinbar lustig zugeht, wieder einzuführen. Jeder ist »ein Typ, leicht zu erkennen, mit greller Maske und groben Gebärden. 10 Fotos © Tobias Heitz und HBK Saar Mittwoch, 15. März 20.00 Uhr Einführung 19.15 Uhr Alle hintergehen alle. Und sie sind alle nur krachendes Holz und stehen gleich wieder auf und grinsen mit ihren geschnitzten Gesichtern «. Eine Produktion der Hochschule für Musik Saar mit Unterstützung der Vereinigung der Freunde und Förderer der HfM Saar (FuF) und des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes.

Mit:
Gast – Johannes Kruse; Mutter – Lisa Stroeckens; Vater – Antonio di Martino; Warner – Patrick Bullinger; Kinder – Lisa Bebelaar, Natalie Jurk; Kiril Tsanevski – Violine, Bratsche; Marie Puzzuoli – Piccolo Flöte, Bassflöte; Frederik Versik –
Es-, B- und Bassklarinette; Stephan Goldbach – Kontrabass; Ender Rangel – Gitarre, Banjo; Bokyon Chang – Klavier;
Patrick Kraus; Wolfram Stifel – Schlagzeug
Komposition und musikalische Leitung: Stefan Litwin
Inszenierung: Frank Wörner
Bühne u. Kostüme: Annette Wolf
Dramaturgie: Eva Behr
Dauer: 70 Minuten ohne Pause

 

Dienstag 21. März 20 Uhr

Foto Monika Rittershaus
Einführung 19:15 Uhr
Berliner Ensemble
Krankheit der Jugend
Von Ferdinand Bruckner

Liebe, Sex, Macht Tod, Leidenschaft, Manie. Grausam und gnadenlos dreht sich das Emotionskarussell um Marie, Desiree, Irene, Lucy, Freder, Petrell und Alt. Eine ménage à sept, jeder mit jedem und am Ende jeder für sich allein. Sie sind Medizinstudenten im Wien der 20-er Jahre. Doch statt zu heilen, verletzen und zerstören sie ihre Seelen. Haltsuchende junge Menschen, in einer haltlosen Zeit – „einer Zeit, die Meere von ineinandergestürzten Gefühlen gegeneinander schwenkte.“ Ein Psychospiel, indem keiner mehr Mensch, sondern alle Dynamit sind.

Mit KRANKHEIT DER M JUGEND wurde Ferdinand Bruckner schlagartig berühmt. Zum Zeitpunkt der Uraufführung 1926 wusste jedoch noch niemand, dass sich hinter dem Namen des Autors der Gründer und Leiter des Berliner Renaissance-Theaters Theodor Tagger verbarg. Die junge Regisseurin Catharina May inszeniert, nach Fassbinders BREMER FREIHEIT, einen weiteren abgründigen Text der modernen Klassik.

» Bruckner hat sieben Hauptfiguren geschrieben: Jede durchlebt ihr eigenes Drama. Für mich ist ein zentrales Thema des Stücks Manipulation. Freder, zum Beispiel, manipuliert immer und jeden, nur das „Sonntagskind“ Marie versucht verzweifelt, ihm zu widerstehen. Doch dabei verliert sie den Boden unter den Füßen. Ihre Freunde sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie helfend eingreifen könnten... Einmal heißt es in dem Stück ganz richtig ‚Jugend ist latente Todesnähe‘ – und das galt zu Bruckners Zeiten in den 20er- Jahren genauso wie heute und sicherlich auch noch morgen«. Catharina May, Regisseurin, im Gespräch mit dem RBB Kulturradio

Mit: Celina Rongen (Marie)
Larissa Fuchs (Desiree)
Marina Senckel (Irene)
Sven Scheele (Freder)
Felix Strobel (Petrell)
Felix Tittel (Alt)
Karla Sengteller (Lucy)
Regie: Catharina May 13
Bühne und Kostüme:
Maria-Elena Amos
Dramaturgie: Steffen Sünkel

Dauer: 100 Minuten, keine Pause

 

Donnerstag 23. März 20 Uhr

Foto Felix Grünschloß / Badisches Staatstheater KA
Einführung 19: 15 Uhr
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Ich rufe meine Brüder
Von Jonas Hassen Khemiri
 

Eine Autobombe explodiert – mitten in der Stadt. Wir verbringen die 24 Stunden nach dem Anschlag mit Amor, einem jungen Erwachsenen mit migrantischem Hintergrund. Er irrt durch die Straßen und telefoniert mit seinem besten Freund Shavi, mit seiner großen Liebe Valeria und mit Ahlem, seiner Cousine. Wir spüren seine Verunsicherung und seine Angst. Wird er observiert? Oder fühlt er sich nur verfolgt?

Jonas Hassen Khemiri, Sohn eines Tunesiers und einer Schwedin, verarbeitet in „Ich rufe meine Brüder” ein Autobombenattentat in Stockholm im Jahr 2012. Feinfühlig zeichnet er das Psychogramm eines jungen Menschen mit Migrationshintergrund zwischen Integration und Fremdheit. Mit dem Protagonisten erleben die Zuschauer, wie nah dieser daran gerät, selbst zum Terroristen zu werden, obwohl er eigentlich in der Mitte der Gesellschaft steht. Die Grenzen zwischen Täter- und Opferzuschreibungen verschwimmen. Gleichzeitig beschäftigt sich das Stück mit der Frage, wie sich eine Gesellschaft verändert, die geprägt ist durch eine Atmosphäre der Angst. Khemiri nimmt gewohnte Wahrnehmungsmuster auseinander und beschäftigt sich mit der Frage nach dem scheinbar „Fremden“ in unserer Mitte. „Starkes Stück, toll gespielt… Spannende Geschichte“ BNN

Mit: Marthe Lola Deutschmann, Florentine Krafft, Sven Daniel Bühler, Jonathan Bruckmeier

Regie: Marie Bues
Bühne & Kostüme: Indra Nauck
Musik: Martin Donner
Dramaturgie: Marlies Kink
Regieassistenz: Daniel Kozian

Dauer: 75 Minuten, keine Pause

 

Dienstag 28. März 20 Uhr

Foto Kaufhold
Einführung 19: 15 Uhr
ETA Hoffmann Theater Bamberg
europa verteidigen
von Konstantin Küspert
Uraufführung
 

Nach „rechtes denken” wurde mit „europa verteidigen” ein weiteres Werk des vielfach ausgezeichneten Dramatikers Konstantin Küspert am 9. Oktober um 20 Uhr im Studio des ETA Hoffmann Theaters uraufgeführt. Entstanden im Auftrag des Bamberger Theaters, stellt Küspert in seinem Werk die Frage nach der Idee Europas, was diese heute für uns bedeutet und welche Verantwortung man als „Europäer” für das Ganze hat. Im Wechselspiel zwischen Mythologie, zeitgenössischen Monologen und Schlaglichtern aus einer bewegten europäischen Historie wird ein gedanklicher Raum um die europäische Idee eröffnet.

 „Mischung aus Sketch-Show und politischem Leserbrief.“ nachtkritik
„Bierernst und wahnsinnig witzig.“ nachtkritik
„Lässig inszeniert. (...) Man möchte brüllen vor Lachen.“ Bayerischer Rundfunk  

Mit: Bertram Maxim Gärtner, Nicolas Garin, Stefan Hartmann, Ronja Losert, Marie Nest

Regie: Cilli Drexel
Bühne und Kostüme: Christina Mrosek
Dramaturgie: Olivier Garofalo

Dauer: 90 Minuten, keine Pause

 

Schülerprojekt Theaterkritik

Zum zweiten Mal wird die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste im Rahmen der Woche junger Schauspieler ein Schülerprojekt Theaterkritik veranstalten. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden sollen. Ein Kurs der Jahrgangsstufe 11 an der Geschwister-Scholl-Schule wird die Kernprojektgruppe bilden, die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen wird. Begleitet wird die Gruppe dabei neben ihrer Lehrerin von Profis aus Theaterpädagogik und Journalismus. Die SchülerInnen werden eigene Bewertungskriterien entwickeln, über die Gastspiele diskutieren und ihre Kritiken mit schlüssigen Argumenten formulieren. In Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger werden einzelne Kritiken veröffentlicht.

Daneben wird es eine Jurygruppe geben, in der SchülerInnen verschiedener Schulen vertreten sein sollen. Am Ende der Woche junger Schauspieler entscheiden die SchülerInnen dann in einer Diskussion, welches Gastspiel eine lobende Erwähnung von ihnen bekommt. Über ihre Entscheidung informieren sie das Publikum und die Theaterschaffenden nach dem letzten Gastspiel im Rahmen der Bekanntgabe der Preisträger für den Günther- Rühle-Preis und des Publikumsvotums und verlesen ihre Begründung.