Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Gertrud-Eysoldt-Ring

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Aktuelles  Verleihung des Eysoldtrings 2019

Sandra Hüller erhält den Gertrud-Eysoldt-Ring 2019 für ihre Rolle als Hamlet am Schauspielhaus Bochum

Wie die Jury am 16.12.2019 bekannt gab, ist die Trägerin des Eysoldtrings 2019 Sandra Hüller. Die Jury unter dem Vorsitz von Barbara Frey mit Lisa-Katrina Mayer und Wolfram Koch, hat am 16. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben. 

Die Preisverleihung musste pandemiebedingt abgesagt werden und wird am 11.12.2021 im Parktheater Bensheim nachgeholt.

die Begründung der Jury

„Was ist der Mensch?“ fragt Sandra Hüller als Hamlet auf der Bühne des Schauspielhaus Bochum in der Regie von Johan Simons. In ihr kühles Bewusstsein, dass es im menschlichen Dasein um mehr gehen müsse als um Schlafen und Essen, mischt sich eine Spur Trotz dagegen, sich diese Frage überhaupt stellen zu müssen.

Der Trotz entstammt aber nicht einer infantilen Protesthaltung, sondern einer tiefen Melancholie: wie oft musste sie sich diese Frage schon stellen? Wie oft hat sie die ganze Menschheit gestellt? Warum ist die Frage unbeantwortet geblieben? In allem, was Sandra Hüller als Hamlet spielt, ist der Schmerz darüber spürbar, dass wir uns nicht selbst DENKEN können, unsern Beweggründen niemals verlässlich auf die Spur kommen. Wir können uns nur SPIELEN. Oder werden wir gespielt? Sandra Hüllers spielerische Virtuosität steckt in dem Umstand, dass sie den Hamlet - sowohl die Figur als auch das gesamte Stück - durch sich hindurchgehen lässt, als stünde sie zum ersten Mal auf einer Bühne und wisse gar nicht, wie man „spielt“. Damit berührt sie einen zentralen Punkt der elisabethanischen Lebens- und Weltauffassung: wir spielen, was wir sind, und wir sind, was wir spielen. Der Authentizitätsbegriff unserer geheimnislosen heutigen Welt ist nur eine Krücke, ein Trostpflaster auf die Wunde unserer Unfähigkeit, zu begreifen, dass es keine klare Grenze gibt zwischen Schein und Sein, zwischen Spiel und Ernst.

Gertrud-Eysoldt-Ring 2019

Sandra Hüller (Foto ©JU Bochum)

Sandra Hüllers leidenschaftliche und entschiedene Auseinandersetzung mit der Hamletfigur ist auch eine Auseinandersetzung mit der Bühnenkunst als solcher. Hüller bleibt sie selbst, indem sie den Hamlet spielt, und sie spielt sich selbst, indem sie Hamlet ist. Sie folgt den Spuren von Shakespeares Stoff, ohne jemals mit dem Staunen darüber aufzuhören, dass es gerade sie ist, die auserwählt wurde, sich mit uns und für uns auf die Suche zu begeben nach dem Komplex von Gewalt, Liebe, Zweifel, Traum und Tod. Ihre Verstrickung in das Drama ist eine wahrhaftige, keine hergestellte, und ihre Kunst besteht genau darin, diese im landläufigen Sinne zu verweigern. Sandra Hüller wendet keine Mittel an, ergreift keine Maßnahmen, sondern lässt sich gefangen nehmen. Und wir? Sind mitgefangen. Diese Komplizenschaft, die es so nur in der Jetzt-Zeit des gemeinsamen Erlebens von Theater gibt, zeigt das Ur-Paradox der Kunst: wirklich frei sind wir in ihr nur dort, wo wir uns gefangen nehmen lassen.

Sandra Hüllers großartiger Hamlet gibt uns die Möglichkeit, dies zu begreifen und es zuzulassen. Wir sind gerne ihre Mitgefangenen - denn sie ist eine von uns.

Getrud-Eysoldtring 2019

(Foto ©JU Bochum)

About 

Seit 1986 vergibt die Ringelbandstiftung mit der Stadt Bensheim und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste den Gertrud-Eysoldt-Ring.

Der Preis ist ein Vermächtnis des 1981 in Bensheim verstorbenen Theaterkritikers Wilhelm Ringelband, der den Namen der von ihm verehrten Max-Reinhardt-Schauspielerin (1870-1955) mit einer Auszeichnung verbunden sehen wollte. Der Preis, der mit 10.000 EUR dotiert ist, wird für eine herausragende schauspielerische Leistung im Theater vergeben.

Gertrud-Eysoldt-Ring

Ein Vermächtnis des Theaterkritikers Wilhelm Ringelband

Er wird alljährlich bei einem Festakt im Bensheimer Parktheater verliehen, bei dem neben der Jurybegründung bis 2006 Festvorträge zu Themen des Theaters gehalten wurden. Seit 2007 findet die Preisverleihung als Abendveranstaltung statt, an die sich ein Fest im nahegelegenen Bürgerhaus anschließt.

Archiv

Vergangene Gertrud-Eysoldt-Ring

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Preisverleihung 2019 

Der Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings ist André Jung und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Robert Icke.

Wie die Jury am 21.12.2018 bekannt gab, ist der Träger des Eysoldtrings 2018 André Jung. Die Jury unter dem Vorsitz von Barbara Frey mit Rita Thiele und Wolfram Koch, hat am 21. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben. Der Gertrud-Eysoldt-Ring 2018 geht an André Jung.

Peter Kümmel, Kritiker der ZEIT und Juror des Kurt-Hübner-Regiepreises, zeichnet Robert Icke für seine Inszenierung der „Orestie“ am Schauspiel Stuttgart aus.

Die Preise werden am 16.03.2019 im Bensheimer Parktheater im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen.

Begründung (Gertrud-Eysoldt-Ring) 

Der luxemburgische Schauspieler André Jung, der zuletzt in Werner Düggelins Zürcher Inszenierung von „Lenz“ als Erzähler mit grösster Sensibilität den unendlichen Kosmos von Georg Büchners Sprache auslotete, ist einer der feinsinnigsten, radikalsten und erstaunlichsten Bühnenkünstler unserer Zeit.

Seine Gesamtleistung als Protagonist und als überzeugter Ensemblespieler über mehrere Jahrzehnte an grossen Häusern und in freien Produktionen ist unvergleichlich. Er ist ein Zauberer des Wortes und der Gesten, ein Meister der Unmittelbarkeit. Er kennt keinerlei Eitelkeit, ist immer Spieler und Jongleur, aber auch Wanderer am Abgrund.

Gewinner des Gertrud-Eysoldt-Rings 2019

André Jung (Foto ©Yves Binet)

Begründung (Gertrud-Eysoldt-Ring) 

Es ist das Jahr des Brexit. Man rückt auseinander, man errichtet wieder, was Europa schon mal in Überfluss hatte – Grenzen, Widerstände, Sichtblenden.

Auch der kulturelle Verkehr zwischen Großbritannien und dem sogenannten Kontinent, also der Europäischen Union, wird unangenehm werden. Dagegen müssen die Künste sich wehren. Dagegen setzt diese Preisvergabe auch ein Zeichen.

Es hat aber nur zum kleinsten Teil einen politischen Grund, dass der Kurt-Hübner-Regiepreis in diesem Jahr an einen Engländer geht. Der wesentliche Grund ist, dass Robert Icke, von dem ich hier spreche, ein junger, hochbegabter Regisseur und Autor ist. Dieser Künstler hat es kürzlich gewagt, seine bereits ziemlich in Schwung gekommene heimische Karriere für ein paar Wochen ruhen zu lassen, um in Deutschland zu inszenieren. Icke, 32 Jahre alt, leitet in London ein wichtiges Theater, das Almeida Theatre, aber im Herbst 2018 hat er in Stuttgart am Staatstheater inszeniert – mit deutschen Darstellern, in deutscher Sprache. 

Kurt-Hübner-Regiepreis 2019

Orestie (Regie: Robert Icke) (Foto ©Matthias Horn)

Robert Icke hat die Orestie des Aischylos als Autor so bearbeitet und als Regisseur so inszeniert, dass die Macht heutiger Welterklärungssysteme (Medien, Justiz, Wissenschaften) einerseits und die Angst vor den Göttern der Antike andererseits einander nicht ausschließen, sondern im Gegenteil komplementär erscheinen. Orest und Agamemnon werden nicht nur von den Göttern bedrängt, sondern auch von Therapeuten, Journalisten und Juristen.

... Icke vergisst also in keinem Moment, uns darauf hinzuweisen, wie viel Zeit vergangen ist, seitdem Aischylos seine Trilogie schrieb. Aber er macht uns auch klar, dass nichts an unserer Welt so wäre, wie es ist, wenn es Aischylos nicht gegeben hätte. Robert Ickes Orestie hat eine unheimliche Wirkung: als sähen Vergangenheit und Gegenwart einander an – auf misstrauischer Augenhöhe. Und es ist fraglich, wer sich mehr fürchtet vor dem, was er da sieht. Icke ist, als Überbrücker von Schalt- und von Kulturkreisen, fürs deutsche Theater eine Entdeckung.

Preisverleihung 2018 

Die Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Sophie Rois und die Trägerin des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Nora Abdel-Maksoud.

Wie die Jury am 04.12.2017 bekannt gab, ist die Trägerin des Eysoldtrings 2017 Sophie Rois. Die Jury unter dem Vorsitz von Barbara Frey mit Juliane Köhler und Ulrich Khuon, hat am 4. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben. Der Gertrud-Eysoldt-Ring 2017 geht an Sophie Rois.

Peter Kümmel, Kritiker der ZEIT und Juror des Kurt-Hübner-Regiepreises, zeichnet Nora Abdel-Maksoud für ihre Inszenierung „THE MAKING-OF“ am Berliner Maxim Gorki Theater aus.

Die Preise werden am 17.03.2018 im Bensheimer Parktheater im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen.

Begründung (Gertrud-Eysoldt-Ring) 

„Wunderlicher Alter! / Soll ich mit dir geh‘n? / Willst zu meinen Liedern / Deine Leier dreh‘n?“ Der letzte grosse Auftritt von Sophie Rois an der Berliner Volksbühne unter der Intendanz von Frank Castorf ist so kraftvoll wie denkwürdig.

Als Hexe in Castorfs „Faust“-Inszenierung steht sie, flankiert vom Akkordeon spielenden Sir Henry, vor einem weit geöffneten Höllenschlund und intoniert Schuberts „Leiermann“. Dem radikalsten, dunkelsten Lied aus dem „Winterreise“-Zyklus verpasst sie ihren typischen, ureigenen Sound. Eine Mischung aus Rauhbeinigkeit, Verletzlichkeit und metaphysischer Heiterkeit - trotz der besungenen Todeshähe.

Innerhalb einer Monumentalspieldauer von sieben Stunden mag Rois‘ Hexen-Episode im „Faust“ zu ihren kürzeren Auftritten gehören; das ändert freilich nichts an der Intensität ihres Spiels, an ihrer wunderbaren Präsenz und Hingabe.

Sophie Rois spielte ein Vierteljahrhundert als festes Ensemblemitglied an der Berliner Volksbühne und arbeitete dort mit den prägenden Regisseuren Frank Castorf, René Pollesch, Christoph Schlingensief, Christoph Marthaler und Herbert Fritsch. Ihre unbedingte Treue - auch in schwierigen Zeiten - zum Haus und zu ihren Kolleginnen und Kollegen ist unvergleichlich. Sie gestaltete als Bühnenkünstlerin mit ihrer Professionalität, ihrer inhaltlichen Unbestechlichkeit und ihrem ungeheuren Spielwitz eine ganze Epoche am Rosa-Luxemburg-Platz mit.

Ausgehend von Ihrem zauberhaften Auftritt als Hexe im „Faust“, mit dem sie zum Ausklang einer beispiellosen Theater-Ära im deutschsprachigen Raum beitrug - und als ausdrückliche Würdigung für ihr langjähriges Bekenntnis zum Ensembletheater - hat sich die Jury für Sophie Rois als Preisträgerin des Eysoldt-Rings entschieden.

Begründung (Kurt-Hübner-Regiepreis) 

Nora Abdel-Maksoud, geboren 1983 in München, kann viel.

Wenn man nachschaut, was ihre Schauspielagentur über sie schreibt, so erfährt man: sie spricht englisch, französisch, berlin-brandenburgerisch, österreichisch und sehr gutes Schwäbisch, sie spielt hervorragend E-Gitarre, kann fechten, steptanzen, jonglieren, und sie überlebt aufrecht in der Halfpipe.Vor allem aber ist sie im Theater zuhause. Sie ist eine furiose und komische Schauspielerin, zur Zeit vor allem im Berliner Gorki-Theater. Sie schreibt eigene Stücke, und sie führt auch Regie. Am Gorki-Theater wurde in diesem Jahr ihr Stück THE MAKING-OF uraufgeführt, Nora Abdel-Maksoud hat es selbst inszeniert. Dafür soll sie den Preis erhalten.

Wie der Titel sagt, geht es im Stück um das Machen von etwas: Man sieht, wie Personen etwas machen – und wie sie sich und den anderen etwas vormachen. Es sind vier Schauspieler auf der Bühne. Sie spielen auch Schauspieler. THE MAKING-OF ist ein selbstreferenzielles Bühnenwerk. Es handelt von den Dreharbeiten zu einem Film. Die Figuren berichten davon, wie sie ihre Arbeit gemacht haben. Sie produzieren ein „Making-of“.Das „Format“ des Werkstattberichts gehört zu den allerverlogensten. Leute sprechen darüber, wie ein Film entstanden ist, wie großartig ihre Rolle, das Drehbuch, die Zusammenarbeit mit den anderen begnadeten Künstlern war. Ein Film, also eine Lüge, wird mit einem beschönigenden Film, einer zweiten Lüge, beworben.

„The Making-of“ hat nichts mit bürgerlichem Theater, psychologischem Realismus, nichts mit der Kunst der Einfühlung zu tun. Es fehlt alle Tiefe, es ist den Figuren ihr Charakter wie auftätowiert. Aber gerade deshalb kann man den Befunden, die es präsentiert, so schwer ausweichen. Das Stück geht davon aus, dass im Theater, der Kunst des Spielens, der Verstellung, grundsätzlich ein Problem verborgen ist: dass der Schauspieler nämlich die Konkurrenz, die wir im wirklichen Leben gegeneinander ausfechten, im Rahmen der Kunst noch gesteigert erlebt, dass es für ihn also anstelle von spielerischer Freiheit nur die Unfreiheit eines relativ gut geheizten, mit Bier ausgestatteten Begabtengefangenenlagers zu holen gibt.

Die Aufführung platzt schier vor Künstlichkeit, sie verhandelt Abgründe an der äußersten Oberfläche, man könnte an Commedia dell'arte denken – THE MAKING-OF ist eine Commedia dell Arte fürs Serienzeitalter, zum Platzen affektiert, eitel, verlogen, selbstverliebt, selbstmitleidig, verlegen, betreten, kindlich. Aber vermutlich wahr. Und auf eine Art dann doch übermütig und Mut machend, die im deutschen Theater sehr selten ist. Vielleicht hat Nora Abdel-Maksoud diese Komödie geschrieben und inszeniert, um es in diesem Habitat auszuhalten. Man kann ihr nur weiterhin alles Gute wünschen.

Preisverleihung 2017 

Die Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Jana Schulz und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Alexander Eisenach.

Wie die Jury am 07.12.2016 bekannt gab, ist die Trägerin des Eysoldtrings 2016 Jana Schulz. Die Jury unter dem Vorsitz von Wilfried Schulz mit Marion Tiedtke und Stefan Bachmann, hat am 7. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben. Der Gertrud-Eysoldt-Ring 2016 geht an Jana Schulz.

Peter Kümmel, Kritiker der ZEIT und Juror des Kurt-Hübner-Regiepreises, zeichnet Alexander Eisenach für seine Inszenierung „Der kalte Hauch des Geldes“ am Schauspiel Frankfurt aus.

Die Preise werden am 18.03.2017 im Bensheimer Parktheater im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen.

Begründung (Gertrud-Eysoldt-Ring) 

Jana Schulz sucht mit aller Radikalität, mit kämpferischem Elan und größter Leidenschaft die je eigene Menschlichkeit ihrer Figuren.

Sie sprengt in den vielen weiblichen und männlichen Hauptrollen, die sie in den letzten Jahren in Hamburg, München und Bochum gespielt hat, die Grenzen jedes gendergebundenen Spiels und präsentiert den Zuschauern nicht das Vertraute, leicht Wiedererkennbare sondern das Fremde, das Geheimnis, den Ausnahmezustand des Seins. Wenn sie sich ganz ihren Rollen ausliefert, sind Produktivität und Destruktivität als Widersprüche in der Darstellung der Charaktere aufgehoben. Sie verschreibt sich mit ihrer vollen Kraft und Energie ganz dem Theater und ist in den letzten Jahren zu einer der ausdrücklichsten, wandelbarsten und wahrhaftigsten Schauspielerinnen geworden, die wir auf den Bühnen des deutschsprachigen Theaters sehen.

In einem Interview wird deutlich wie ihre Liebe zum Theater und ihr absoluter, schonungsloser Anspruch einander bedingen. Sie sagt: 'Spielen hilft. Dinge durchspielen, auch in der Reflexion, die durch den Zuschauer erfolgt. Die Bühne als Raum ist geschützt. In ihm hat alles seine Zeit. Unter diesem Schutz kann ich über Grenzen gehen.'

Jana Schulz ist jenseits vom Mainstream. Sie wählt nicht das gerade Angesagte sondern unbeirrbar und ganz eigenverantwortlich die Theaterarbeiten, die sie interessieren. Bei aller Konsequenz und Unbestechlichkeit ihres Tuns ist sie zugleich eine großartige Ensemblespielerin, die immer für das Ganze denkt. Sie bedient keine Moden, keine Klischees und keine Erwartungen außer die: immer wieder das Einzigartige und Unverwechselbare einer Rolle zu suchen...

Im letzten Jahr hat Jana Schulz in Roger Vontobels Bochumer Inszenierung  von „Rose Bernd“ der Hauptfigur bis hin zur Selbstaufgabe ein kämpferisch, trotziges Menschsein abgerungen. Dies war außergewöhnlich und tief eindrucksvoll. In Lisa Nielebocks „Hiob“, in der sie den verlorenen Sohn spielte, gab sie der Figur eine eigene Schönheit voller Kindlichkeit und Zerbrechlichkeit und in Jan Klatas „Verbrechen und Strafe“ bildete sie in der Bilderflut des Abends als Raskolnikow das absolute Zentrum. Sie zeigt uns als Schauspielerin, daß Identität und Vielfalt, Eigenart und Wandelbarkeit, das Kämpferische und das Spielerische einander nicht ausschließen. Wir denken, daß Jana Schulz eine würdige Trägerin des Eysoldt-Ringes sein wird.

2017 — 2019 wird Barbara Frey (Zürich) den Juryvorsitz übernehmen. Als Cojuroren hat sie Juliane Köhler und Ulrich Khuon benannt.

Begründung (Kurt-Hübner-Regiepreis) 

Alexander Eisenach, geboren 1984 in Ost-Berlin, hat am Frankfurter Schauspielhaus, genau gegenüber der europäischen Zentralbank, die ökonomische Weltlage aufs Format eines Western gebracht – oder eigentlich: aufs Format einer Westernparodie.

Das Stück heißt „Der kalte Hauch des Geldes“; Eisenach hat es nicht nur inszeniert, sondern auch selbst geschrieben. Es gibt darin einen Sheriff, einen Kopfgeldjäger, einen Goldminenbesitzer, eine verruchte Barbesitzerin, und sie alle haben die bemerkenswerten rhetorischen Fähigkeiten und die starken Mordgelüste, die man von den Figuren aus Quentin Tarantinos Western kennt. Es wird in den verwinkelten Kulissen dieses wunderbar ausgestatteten Stücks viel geschossen, Kautabak landet in Spucknäpfen, es wird gepokert und geblufft, jedoch, das eigentliche Ziel der unterschwellig schwermütigen Figuren ist nicht die aggressive Selbstbehauptung, sondern die Durchdringung der Gesetze, die uns alle beherrschen. Deshalb wird auf der Bühne „Das Kapital“ gelesen, das hier allerdings nicht von Marx, sondern von May stammt. Eisenachs Inszenierung badet in Zitaten und Stilanleihen, wer seine Figuren reden hört, denkt an René Pollesch, wer die Videoaufnahmen sieht, die das Bühnengeschehen ins Wuchtige vergrößern, wird an Frank Castorf erinnert, und dennoch ist dies mehr als eine Genreparodie: Wie Eisenach aus all dem popkulturellen Strandgut seinen eigenen Western-Saloon zimmert, in dem zudem ein unverwechselbares Diskursklima herrscht, das verrät den stilsicheren Jungkünstler, der auch die gängigen Theatermittel, indem er sie mit Aplomb verwendet, zum Material seiner Belustigung macht: Er läuft den aktuellen Trends der Darstellung also nicht blind nach, sondern er verwendet sie wie etwas potenziell „Historisches“ - wie etwas, woran man in einigen Jahren eine versunkene Theaterepoche, die „Zehnerjahre“ des deutschen Theaters, erkennen wird. Und: er weiß ein Ensemble zu führen. Die Schauspieler von „Der kalte Hauch des Geldes“ ragen in ihrem knorrigen Eigensinn über die Textflächenconferenciers des postdramatischen Theaters hinaus, ihnen allen ist zuzutrauen, dass sie eine Geschichte und ein dunkles Geheimnis haben, welches sie zwingt, ihre Revolver in eigenem Namen abzufeuern.

Preisverleihung 2016 

Der Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Charly Hübner und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Gernot Grünewald.

Wie die Jury am 01.12.2015 bekannt gab, ist der Träger des Eysoldtrings 2015 Charly Hübner. Die Jury unter dem Vorsitz von Wilfried Schulz mit Marion Tiedtke und Anselm Weber, hat am 1. Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben. Der Gertrud-Eysoldt-Ring 2015 geht an Charly Hübner. Er gehört zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und wird für seine Rollen in „Onkel Wanja“ und „Schuld und Sühne“ ausgezeichnet.

Peter Kümmel, Kritiker der ZEIT und dieses Jahr zum ersten Mal Juror des Kurt-Hübner-Regiepreises, zeichnet Gernot Grünewald  für seine Inszenierung  „'anˌ kɔmən – Unbegleitet in Hamburg“ am Thalia Theater Hamburg aus.

Begründung (Gertrud-Eysoldt-Ring) 

Charly Hübner bewegt sich wie viele Schauspieler seiner, der mittleren Generation zwischen dem Theater, dem Film und dem Fernsehen.

Er gehört zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und prägt durch seine künstlerische Authentizität, seinen immer gegenwärtigen Bezug zu unserer Realität und seine spielerische Virtuosität die Arbeit des größten deutschen Sprechtheaters. Seine Leichtigkeit in einem schweren Körper, das Gegeneinanderstellen großer Zärtlichkeit und Sanftheit auf der einen Seite zu Entgrenzung, ja sogar Grobheit auf der anderen Seite, die Lust an Brüchen, Einbrüchen und Ausbrüchen, sein großer Humor und seine feine Melancholie, all dies ist greifbar, wenn er den Ermittlungsrichter Porfiriy Petrowitsch  in Karin Henkels „Schuld und Sühne“-Inszenierung oder den Onkel Wanja in Karin Beiers Tschechow-Inszenierung spielt.

 Charly Hübner ist ein Schauspieler, der nahe beim Publikum ist, ohne sich anzubiedern. Er schafft es, immer in unserem Leben, unserer Alltäglichkeit verortet zu bleiben, dennoch aber mit großen Theatermitteln zu spielen. Auch wenn ihm jegliches Pathos fremd ist, scheut er  die Deutlichkeit, die Groteske, die kraftvolle Überzeichnung nicht.  Die Kategorien Protagonist und Ensemblespieler scheinen in seiner starken Persönlichkeit aufgehoben zu sein. Er muss auf der Bühne nicht um Kenntlichkeit ringen, denn seine Individualität, seine Haltung zur Welt und zur Kunst, bleibt stets kenntlich ohne die Rollen ins allzu  Subjektive oder gar Privatistische zu führen. Daraus erwächst eine spielerische Gelassenheit, die uns ihm gerne zuschauen lässt.

In einem Interview hat Charly Hübner einmal geäußert, dass es der Selbstzweck seines Berufes sei, sich anzumaßen, ‘anderen Menschen etwas Nicht-Materielles schenken zu können – ein Lachen, eine Lebensidee, eine Erkenntnis. ‘ Er erzählt, wie Menschen, die im Theater eben noch weinten,  einem danach glücklich um den Hals fallen. Und sagt: ‚Das kann so nur das Theater.‘ Und das können nur große Spieler wie Charly Hübner.

Begründung (Kurt-Hübner-Regiepreis) 

Das sogenannte Flüchtlingsdrama ist ein Massenstück: Wir sehen, wie Tausende das Meer überqueren, Grenzzäune überwinden, Erstaufnahmestellen belagern.

Die Fliehenden wiederum sehen uns, die Deutschen, als vorbeiziehende Masse der Eingesessenen, die beobachten, helfen oder brüllen. Der Regisseur Gernot Grünewald hat auf einer Probebühne des Hamburger Thalia Theaters dieses Schema unterlaufen: Aus der Konfrontation der Massen wird eine Konfrontation von Einzelnen. Bei ihm steht jeweils ein Theaterzuschauer einem Flüchtling gegenüber. Man sieht sich ins Auge, wie man es bei einem Kampf, bei einem Verhör, bei ärztlicher Anamnese tut. Man tritt durch einen Vorhang in einen 2 mal 3 Meter großen Raum. Und es steht einem ein einzelner Mann gegenüber. Wird man angesprochen? Soll man selbst sprechen? Augenkontakt ja oder nein? Die Spielregeln sind jedesmal andere. Aus 12 solcher Begegnungen besteht ‚'anˌ kɔmən‘ – nach jeweils fünf Minuten ertönt ein Gong, dann huscht man durch einen Spalt in der Zeltwand davon in den nächsten Raum.

Im Titel steckt der Schlüssel zum Stück. Es ist ein Verb im Infinitiv und bezeichnet eine andauernde Tätigkeit: „Ankommen“. Geschrieben ist es im Globalsystem der Lautschrift: 'anˌ kɔmən. So geschrieben, wirkt das deutsche Wort wie eine Lebensaufgabe von allen – nicht bloß der Flüchtenden, sondern auch der Sesshaften.  Alle Flüchtenden an diesem Abend sind übrigens Minderjährige, die sich allein auf den Weg gemacht haben.

Regisseur Gernot Grünewald, 1978 in Hildesheim geboren, war als Schauspieler am Staatstheater Stuttgart und dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert, bevor er 2007 ein Regiestudium an der Hamburger Theaterakademie begann. 2011 wurde er mit dem Hauptpreis des Körber Studios Junge Regie ausgezeichnet und 2015 für seine für seine Inszenierung "Palmer - Zur Liebe verdammt fürs Schwabenland" am Landestheater Tübingen in der Kategorie "Regie Schauspiel" für den Deutschen Theaterpreis "Der Faust" nominiert Grünewald inszeniert unter anderem am Jungen Theater Göttingen, am Schauspielhaus Wien sowie am Theater Heidelberg.

Preisverleihung 2015 

Die Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings ist das Schauspielerpaar Wolfram Koch und Samuel Finzi und die Trägerin des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Julia Wissert.

Am Samstag, 21.03.2015 wurde zum 29. Mal der Gertrud-Eysoldt-Ring im Parktheater verliehen. Preisträger ist  das Schauspielerpaar Wolfram Koch und Samuel Finzi. ZDF-Nachrichtenfrau Petra Gerster moderierte den Festakt.

Die Juroren Willfried Schulz, Marion Tiedtke und Anselm Weber haben als Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings 2015 das Schauspielerpaar Wolfram Koch und Samuel Finzi ausgewählt. Sie erhalten den mit 10.000,- EUR dotierten Preis für ihre hervorragenden Leistungen in den Rollen als „Wladimir“ und „Estragon“ in Samuel Becketts Lebensdrama „Warten auf Godot“ unter der Regie von Ivan Panteleev in einer Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin und der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Die Laudatio hielt Harald Richter.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ging an Julia Wissert für ihre hervorragende Inszenierung „Der Junge in der Tür“ von Juan Mayorga am Staatstheater Wiesbaden.

Bereits am Vorabend der Verleihung des Gertrud-Eysoldt-Rings las Hermann Beil,  aus „Alte Meister“, eine Komödie von Thomas Bernhard. „Alte Meister" aus dem Jahr 1985 ist ein typischer Thomas Bernhard Roman. Zeitlebens provozierte er und wurde vor allem in seiner österreichischen Heimat immer wieder heftig kritisiert. Und doch gehört er zweifelsfrei zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des letzten Jahrhunderts. Die „Alten Meister“ sind einerseits eine Abrechnung mit der Kunst und einem Menschenschlag, den Bernhard zutiefst verabscheute, und andererseits ein stilistisches Feuerwerk ersten Ranges à la Bernhard.

Am Sonntag endete das „Eysoldt-Wochenende“ mit der Matinee im Parkhotel Krone in Bensheim-Auerbach. Im Rahmen der Matinee führte Akademie-Präsident Herrmann Beil ein Gespräch mit den Preisträgern.

Preisverleihung 2014 

Der Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Steven Scharf und die Trägerin des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Daniela Löffner.

Am Samstag, 22.03.2014 wurde zum 28. Mal der Gertrud-Eysoldt-Ring im Parktheater verliehen. Preisträger ist Steven Scharf. ZDF-Nachrichtenfrau Petra Gerster moderierte den Festakt.

Die Juroren Frank Baumbauer, Barbara Mundel und Matthias Lilienthal haben als Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings 2013 Steven Scharf ausgewählt. Er erhält den mit 10.000,- EUR dotierten Preis für seine herausragende Leistung als Judas in dem gleichnamigen Stück von ELot Vekemans, in einer Inszenierung von Johan Simons an Münchner Kammerspielen. Die Laudatio hielt Johan Simons.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ging an Daniela Löffner für ihre hervorragenden Inszenierungen „Der Sturm“ von William Shakespeare am Staatstheater Braunschweig und „Kinder der Sonne“ von Maxim Gorki am Schauspielhaus Zürich.

Bereits am Freitag veranstaltet die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste das Bensheimer Theatergespräch ab 20 Uhr im Foyer des Parktheaters. Hermann Beil, Präsident der Akademie, sprach mit Günther Rühle über seinen zweiten Band der deutschen Theatergeschichte „Theater in Deutschland 1945 – 1966“ (S. Fischer Verlag).

Günther Rühle, ist einer der angesehensten deutschen Theaterkritiker und Theaterschriftsteller. Geboren 1924 in Gießen, 1960–1985 Redakteur im Feuilleton der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹ – seit 1974 sein Leiter –, 1985–1990 Intendant des Frankfurter Schauspiels, danach Feuilletonchef des Berliner ›Tagesspiegel‹. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise, u.a. Theodor-Wolff-Preis (1963), Johann-Heinrich-Merck-Preis (2007), Rahel-Varnhagen-von-Ense-Medaille (2013), Ehrenbürgerwürde der Stadt Bensheim und Ehrenpräsidentschaft der Akademie.

Nach seinem ersten Band „Theater in Deutschland 1887-1945. Seine Ereignisse - seine Menschen“, von 2007, erscheint nun diesen Sommer der zweite Band.

Am Sonntag endete das „Eysoldt-Wochenende“ mit der Matinee im Parkhotel Krone in Bensheim-Auerbach. Im Rahmen der Matinee führte Akademie-Präsident Herrmann Beil ein Gespräch mit den Preisträgern.

Preisverleihung 2013 

Die Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Constanze Becker und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Rudolf Frey.

Am Samstag, 16.03.2013 wurde zum 27. Mal der Gertrud-Eysoldt-Ring im Parktheater verliehen. Preisträger ist Constanze Becker. ZDF-Nachrichtenfrau Petra Gerster moderierte den Festakt.

Die Juroren Frank Baumbauer, Barbara Mundel und Matthias Lilienthal haben als Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings 2012 Constanze Becker ausgewählt. Sie erhält den mit 10.000,- EUR dotierten Preis für ihre herausragende Leistung als Medeia in dem gleichnamigen Stück von Euripides, in einer Inszenierung von Michael Thalheimer am Schauspiel Frankfurt. Die Laudatio hielt Michael Thalheimer.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ging an Rudolf Frey für seine hervorragenden Inszenierungen „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth am Schauspielhaus Salzburg und „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán am Südthüringischen Staatstheater Meiningen.

Bereits am Freitag veranstaltet die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste das Bensheimer Theatergespräch ab 20 Uhr im Foyer des Parktheaters. Unter dem Titel „Schieß doch, Theater!“ wird es um die Frage gehen, ob das Theater heute noch in hinreichender Weise in den aktuellen Diskurs eingreift und sich als Ort der gesellschaftlichen, moralischen und politischen Orientierung versteht.

Teilnehmer der Gesprächsrunde sind Peter Michalzik (Theaterkritiker FR), Frank Baumbauer (Juryvorsitzender des Gertrud-Eysoldt-Rings), Hermann Beil (Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste), Prof. Hans-Jürgen Drescher (Künstlerischer Direktor & Geschäftsführer, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg GmbH), Shermin Langhoff (Intendantin des Ballhaus Naunynstraße, designierte Leiterin der Wiener Festwochen) und Rita Thiele (Chefdramaturgin, Stellvertretende Intendantin des Schauspiel Köln). Hubert Spiegel (Theaterkritiker FAZ) wird den Abend moderieren.

Am Sonntag endete das „Eysoldt-Wochenende“ mit der Matinee im Parkhotel Krone in Bensheim-Auerbach. Im Rahmen der Matinee führte Akademie-Präsident Herrmann Beil ein Gespräch mit den Preisträgern.

Preisverleihung 2012 

Der Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Nickolas Ofczarek und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Antú Romero Nunes.

Die Theaterwelt blickte am Wochenende wieder nach Bensheim: Am Samstag, 24. 03. 2012 wurde zum 26. Mal der Gertrud-Eysoldt-Ring im Parktheater verliehen. Preisträger ist Nicholas Ofczarek. ZDF-Nachrichtenfrau Petra Gerster moderierte den Festakt. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.

Die Juroren Frank Baumbauer, Barbara Mundel und Matthias Lilienthal haben als Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings 2011 Nickolas Ofczarek ausgewählt. Er erhält den mit 10.000,- EUR dotierten Preis für seine herausragende Leistung als Kasimir in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline", in einer Inszenierung von Frank Castorf am Münchner Residenztheater. Die Laudatio hielt Martin Kusej.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ging an Antú Romero Nunes für seine Inszenierung von „Rocco und seine Brüder“ am Maxim Gorki Theater in Berlin.

Bereits am Freitag veranstaltet die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste das Bensheimer Theatergespräch ab 20 Uhr im Foyer des Parktheaters. Unter dem Titel „Schieß doch, Theater!“ wird es um die Frage gehen, ob das Theater heute noch in hinreichender Weise in den aktuellen Diskurs eingreift und sich als Ort der gesellschaftlichen, moralischen und politischen Orientierung versteht.

Teilnehmer der Gesprächsrunde sind Peter Michalzik (Theaterkritiker FR), Frank Baumbauer (Juryvorsitzender des Gertrud-Eysoldt-Rings), Hermann Beil (Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste), Prof. Hans-Jürgen Drescher (Künstlerischer Direktor & Geschäftsführer, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg GmbH), Shermin Langhoff (Intendantin des Ballhaus Naunynstraße, designierte Leiterin der Wiener Festwochen) und Rita Thiele (Chefdramaturgin, Stellvertretende Intendantin des Schauspiel Köln). Hubert Spiegel (Theaterkritiker FAZ) wird den Abend moderieren.

Am Sonntag endete das „Eysoldt-Wochenende“ mit der Matinee im Parkhotel Krone in Bensheim-Auerbach. Im Rahmen der Matinee führte Akademie-Präsident Herrmann Beil ein Gespräch mit den Preisträgern.

Preisverleihung 2011 

Die Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings sind Kirsten Dene und Alexander Khuon. Der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Kevin Rittberger.

Anlässlich des 25jährigen Jubiläums hat die Stadt Bensheim am 12. März den Getrud-Eysoldt-Ring gleich zweimal, an eine Schauspielerin und einen Schauspieler, vergeben.

Die Juroren Peter Iden, Hans-Dieter Jendreyko und Burkhard C. Kosminski haben den Gertrud-Eysoldt-Ring 2010 Kirsten Dene sowohl für ihr Lebenswerk als auch für ihre herausragende Leistung in zwei aktuell laufenden Aufführungen zuerkannt: An der Schaubühne Berlin ist sie in der Rolle der Gunhild in Ibsens „John Gabriel Borkmann“ (Regie: Thomas Ostermeier, 2008) zu sehen und am Burgtheater Wien in der Rolle der Violet Weston in Tracy Letts „Eine Familie“ (Regie: Alvis Harmanis, 2009). Für diese Arbeit wurde sie in diesem Jahr mit dem „Nestroy“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Die Laudatio für Kirsten Dene hielt Hermann Beil.

Alexander Khuon ist der zweite Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings. Der Preis wird ihm für die Gestaltung der Rolle des Schriftstellers Trigorin in Tschechows Stück „Die Möwe“, das derzeit im Berliner Deutschen Theater zu sehen ist, zuerkannt. Großen Erfolg hatte er auch an der Seite von Corinna Harfouch und Ulrich Matthes in „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“ und in der Verfilmung von Marcel Reich Ranicki „Mein Leben“ hinterließ er ebenfalls nachhaltigen Eindruck. Die Laudatio für Alexander Khuon, hielt Burkhard C. Kosminski.

Den Kurt Hübner-Preis 2010 erhält der Autor und Regisseur Kevin Rittberger für seine Bühneneinrichtung von Dietmar Daths Roman „Die Abschaffung der Arten“, bei der es ihm überzeugend gelungen ist, das Groteske und das Lehrstück, die spekulative, phantastische Evolutionstheorie der Vorlage szenisch zuzuspitzen und sehr spielerisch auf die Bühne zu bringen. Die Aufführung, die am 8. 11. 2009 Premiere gehabt hat, steht weiterhin auf dem Spielplan des Deutschen Theaters in Berlin. Und eine ebenso überzeugende szenische Form hat Rittberger für die „Nachrichten aus der ideologischen Antike“ von Alexander Kluge gefunden. Dem Lehrstückhaften, der politischen Aussagekraft der Texte geben die turbulenten Grand Guignol- Szenen und die grotesken Clownsspiele, die Rittberger mit seiner Bühneninszenierung zu entfesseln versteht, die nötige szenische Energie. Diese im Januar 2010 am Hamburger Schauspielhaus gestartete Produktion soll dort im März 2011 wieder gespielt werden und für Herbst 2011 ist ein Gastspiel in Düsseldorf geplant.

Preisverleihung 2010 

Die Trägerin des Gertrud-Eysoldt-Rings ist Barbara Nüsse und der Träger des Kurt-Hübner-Regiepreises ist Tilmann Köhler.

Im Parktheater wurde zum 24. Male der mit 10.000 Euro dotierte Gertrud-Eysoldt-Preis an die Schauspielerin Barbara Nüsse verliehen. Der Eysoldt-Preis gilt als der bedeutendste Theaterpreis im deutschsprachigen Raum.

Laudator Professor Dr. Peter Iden verwies auf die Fähigkeit Nüsses, auf den Grund der von ihr verkörperten Person zu stoßen. Dabei gehe sie an die Grenze der körperlichen Anstrengung, wie es vor allem in der erstaunlichen, nur mit Frauen besetzten Inszenierung von Karin Beier des Shakespeare-Stückes „König Lear“ am Schauspielhaus Köln zu sehen war. Iden sprach aber auch von der Lebensleistung der Schauspielerin und zahlreichen unvergessenen Rollen auf bedeutenden Bühnen, dem Ort, der ihr Lebensplatz sei.

Die Auszeichnung nannte die 67 Jahre alte Schauspielerin eine große Ehre und erwähnte die Reihe großartiger Kollegen, in die sie jetzt aufgenommen sei. Sie las zum Dank ein Kapitel aus dem im vorigen Jahr erschienenen Roman „Zwei schwarze Jäger“ der Büchnerpreisträgerin Brigitte Kronauer und zeigte einmal mehr, wie durch Einfühlungsvermögen und Ausdrucksstärke Literatur lebendig wird.

Der mit 5.000 Euro ausgestattete Preis für junge Regisseure ging an Tilmann Köhler. Die Laudatio auf den Preisträger des Förderpreises für junge Regisseure hielt Klaus Völker, der den 30 Jahre alten Tilmann Köhler schon als Student der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ kannte, die er von 1993 bis 2005 geleitet hatte. Mit seiner Inszenierung von Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ am Staatsschauspiel Dresden sei ihm eine großartige Arbeit mit beängstigender Wucht und Intensität als aktuelles Drama zur Finanzkrise gelungen.

Eysoldt-Matinee 

Früher waren es die Werkstatt-Gespräche am Vorabend der Preisverleihung, heute ist es die sonntägliche Matinee am Vormittag nach der Preisverleihung, wo im lockeren Gespräch – in diesem Jahr erstmals von Akademie-Präsident Hermann Beil geführt – Einblicke in die Arbeit der aktuellen Preisträger gegeben werden.

Verbunden war die Matinee in diesem Jahr mit der Ehrung des langjährigen Präsidenten der Akademie der Darstellenden Künste, Dr. Walter Konrad. Mit der Verleihung der Ehrenspange dankte die Stadt Bensheim Dr. Konrad für sein Engagement bei der Gestaltung des kulturellen Lebens der Stadt. Von 2000 bis 2009 war Konrad Akademie-Präsident und in diese Zeit fielen der Umzug der Akademie von Frankfurt nach Bensheim und die Neustrukturierung der Eysoldtpreisverleihung.

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