Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Kurt-Hübner-Regiepreis

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Leonie Böhm erhält den Kurt-Hübner-Regiepreis 2021 für "Medea" am Schauspielhaus Zürich

Der Kurt-Hübner-Regiepreis 2021 geht an Leonie Böhm für ihre am Schauspielhaus Zürich entstandene Inszenierung "Medea". In der Jurybegründung heißt es: "Leonie Böhm gelingt es, durch ihre klugen, mutigen Zugriffe und in radikaler Kollaboration mit ihren Spieler*innen Texte des klassischen Theaterkanons verblüffend zeitgenössisch erfahrbar zu machen." Jurorin Rita Thiele, ehemals Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, schreibt: "Wie auch in ihren anderen Inszenierungen, ermutigt Leonie Böhm ihre Spieler:innen zu einer radikalen persönlichen Aneignung, auch in Improvisationen. Dadurch blühen sie auf eine Art und Weise, die man schlichtweg nur sensationell nennen kann, und der antike Mythos wird extrem gegenwartsdurchlässig."

Ab Februar 2022 wird die "Medea" wieder am Schauspielhaus Zürich zu sehen sein. Im Mai 2021 wurde die Inszenierung zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Maja Beckmann wurde für ihre Darstellung in "Medea" von den Theater heute-Kritiker:innen als Schauspielerin des Jahres 2021 ausgezeichnet.

Maja Beckmann in "Medea", Schauspielhaus Zürich
Foto Schauspielhaus Zürich, Gina Folly

Begründung der Jurorin Rita Thiele

Leonie Böhm gelingt es, durch ihre klugen, mutigen Zugriffe und in radikaler Kollaboration mit ihren Spieler*innen Texte des klassischen Theaterkanons verblüffend zeitgenössisch erfahrbar zu machen. Besonders eindrücklich zeigt das ihre am Schauspiel Zürich entstandene, zum Berliner Theatertreffen 2021 eingeladene Inszenierung „Medea*“, atemberaubend entwickelt mit Maja Beckmann als Medea und dem Musiker Johannes Rieder, der die Darstellerin auch als Spielpartner begleitet. Dem Original von Euripides  nähert sich Leonie Böhm in für sie typischer Methodik: Gemeinsam mit ihrem Ensemble destilliert sie aus dem Text, eigene Fragen, Ideen und Haltungen, ohne den Wortlaut  des Stückes zu ändern. So wird die Tragödie entschieden auf Medeas Ringen um Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Empathie reduziert, ihr Handeln bestimmt keine rasende Rache, sondern fragt auch in Wut und größtem Schmerz nach der Möglichkeit, ein verständnisvolles Miteinander zu erschaffen. Wie auch in ihren anderen Inszenierungen ermutigt Leonie Böhm ihre Spieler*innen zu einer radikalen persönlichen Aneignung, auch in Improvisationen. Dadurch blühen sie auf eine Art und Weise, die man schlichtweg nur sensationell nennen kann, und der antike Mythos wird extrem gegenwartsdurchlässig.

Leonie Böhm
Foto Schauspielhaus Zürich, Blommers & Schumm

Leonie Böhm wurde bereits mit ihrer ersten Arbeit an einem Stadttheater, „Nathan die Weise“ in der Garage des Hamburger Thalia Theaters, nach München zum renommierten Festival Radikal Jung 2017 eingeladen. Davor hatte sie drei Studien abgeschlossen: Nach dem Examen für das Lehramt der Germanistik und Kunst studierte sie Bildende Kunst in Kassel und schloss als Meisterschülerin bei Urs Lüthi ab. Zudem hospitierte und assistierte sie während dieser Zeit immer wieder am Staatstheater Kassel. Es folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Ihre Arbeit für das Schauspiel speist sich laut eigener Aussage aus dem unbedingten Wollen, dass man „im Theater gelingende Kommunikation zeigen kann.“ Ihre gleichermaßen berührenden wie fordernden Inszenierungen sind von fragiler Poetik und an vielen exponierten Häuser gefragt. Zuletzt arbeitete sie als Hausregisseurin des Schauspiel Zürich, jetzt wieder als freie Regisseurin wie zu Beginn der Saison 21-22 am Berliner Gorki Theater mit der Produktion „NOORRRRAAAAAAAA“ nach Ibsen.

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Vergangene Kurt-Hübner-Regiepreis

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Florian Fischer erhält den Kurt-Hübner-Regiepreis 2019 für "Operation Kamen" am Staatsschauspiel Dresden

Rita Thiele, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, hat als Jurorin des Kurt-Hübner-Regiepreises, Florian Fischer für seine Inszenierung „Operation Kamen“ am Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag (Uraufführung am 20.10.2018) ausgezeichnet.
Pandemiebedingt konnte die Preisverleihung nicht wie geplant im Frühjahr 2020 stattfinden; leider musste die für den 11.12.2021 im Bürgerhaus Bensheim geplante Veranstaltung kurzfristig durch sie sich erneut verschärfenden Bestimmungen ausfallen.

„Operation Kamen“ thematisiert eine gleichnamige Aktion des tschechoslowakischen Geheimdienstes zwischen 1948 und 1951.

Angebliche Schleuser animierten unter Verdacht stehende Oppositionelle zur Flucht und führten sie zu einem vermeintlich schon hinter der deutschen Grenze liegenden Posten, wo sie von Soldaten, die sich als Angehörige der US-Besatzungsmacht ausgaben, befragt wurden. Die Betroffenen denunzierten so unwissentlich sich selbst und ihr Umfeld – mit anschließender Verhaftung und zum Teil tödlichen Folgen.

Die Begründung der Jurorin Rita Thiele 

Florian Fischers multidisziplinäre Arbeit dokumentiert nicht nur diese fatale, wenig bekannte Aktion des tschechoslowakischen Geheimdienstes in Zeiten des Kalten Krieges, sondern schafft es durch ihre eindrückliche und raffinierte Erzählform den Bogen zu unserer Gegenwart zu schlagen: So benutzt der Abend das historische Material, um auch bestürzend gegenwärtige Fragen nach der Manipulierbarkeit von Wahrnehmung, verschwimmenden Grenzen von Fakten und Fiktion, Wahrheit und Lüge zu stellen. Film, Sounddesign, professionelles Schauspiel und Arbeit mit Laiendarsteller*Innen werden in einer hochkomplexen Montage zusammengefügt, die auch das Publikum in einer immersiven akustischen Installation miteinbezieht. Die Inszenierung berührt durch die tragischen, sehr realen Lebensgeschichten und stellt gleichzeitig überaus kluge, aktuelle Fragen zum Thema Fake News und deren toxische Auswirkungen.

Kurt-Hübner-Regiepreis 2019

Florian Fischer (Foto ©W. Rappel)

Florian Fischer wurde in Altötting geboren. Er studierte nach einem Studium der Philologie Theaterregie an der Otto-Falckenberg- Schule in München. Mit seinem Diplomprojekt „Der Fall M – Eine Psychatriegeschichte“ gewann er den Preis für junge Regie im Rahmen des europäischen Fast Forward Festivals. Sein Beschäftigungsfeld ist multidisziplinär und erweitert sich ständig: Dazu gehören Soundarbeiten wie Hörspiele, Installationen, Audiowalks, Lecture Performances sowie komplexe Inszenierungen.

Seit 2014 arbeitete er u.a. in Basel bei Andreas Beck, in München, am NT Gent und am Schauspielhaus Bochum bei Johan Simons, in Braunschweig, Mannheim und dem Wiener Schauspielhaus. Seine Inszenierungen waren auch auf Festivals in Salzburg, Sarajewo und Moskau zu sehen. 2019 wurde er mit „Operation Kamen“ zum dritten Mal zum Festival „Radikal Jung“ am Münchner Volkstheater eingeladen.

Trailer

Operation Kamen (Regie: Florian Fischer), Staatsschauspiel Dresden

Die PreisträgerInnen des Kurt-Hübner-Regiepreises, 1991 bis heute 

Florian Fischer (2019)
für „Operation Kamen“, Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag

Robert Icke (2018)
für „Orestie“ nach Aischylos, Schauspiel Stuttgart

Nora Abdel-Maksoud(2017)
für „The Making-Off“, Maxim Gorki Theater Berlin

Alexander Eisenach (2016)
für „Der kalte Hauch des Geldes“, Schauspiel Frankfurt

Gernot Grünewald (2015)
für „'anˌ kɔmən – Unbegleitet in Hamburg“, Thalia Theater Hamburg

Julia Wissert (2014)
für „Der Junge in der Tür“ von Juan Mayorga, Staatstheater Wiesbaden

Daniela Löffner (2013)
für  „Der Sturm“ von William Shakepeare, Staatstheater Braunschweig und „Kinder der Sonne“ von Maxim Gorki, Schauspielhaus Zürich

Rudolf Frey (2012)
für „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth, Schauspielhaus Salzburg und „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán, Südthüringischen Staatstheater Meiningen

Antú Romero Nunes (2011)
für „Rocco und seine Brüder“ nach dem Film von Luchino Visconti, Maxim Gorki Theater Berlin

Kevin Rittberger (2010)
für „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath, Deutschen Theater Berlin

Tilmann Köhler (2009)
für "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht, Staatsschauspiel Dresden

Maik Priebe (2008)
für "Blick zurück im Zorn" von John Osborne, Staatstheater Kassel

Jette Steckel (2007)
für "Gerettet" von Edward Bond, Thalia Theater Hamburg

Roger Vontobel (2006)
für "Das goldene Vliess" von Franz Grillparzer, Schauspiel Essen

Sebastian Schug (2005)
für "Sobald fünf Jahre vergehen" von Federico Garcia Lorca, bat Studiotheater Berlin

Schirin Khodadadian (2004)
für "So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr" von Theresia Walser, Staatstheater Kassel

Daniela Kranz (2004)
für "Mein junges idiotisches Herz" von Anja Hilling an den Münchner Kammerspielen

Florian Fiedler (2003)
für "Nieder Bayern!" nach Martin Sperrs Stück "Jagdszenen in Niederbayern", Volkstheater München

Tina Lanik (2002)
für „Tropfen auf heiße Steine" von Rainer Werner Fassbinder, Bayerisches Staatsschauspiel München

Monika Gintersdorfer (2001)
für „bedbound“ von Edna Walsh, Münchner Kammerspielen

Christiane Pohle (2000)
für "sitzen in Hamburg" nach Anton Tschechows "Drei Schwestern", Freien Theater Laborlavache in Hamburg

Sandra Strunz (1999)
für "Frost" nach Thomas Bernhards gleichnamigen Roman, Luzerner Theater

Elias Perrig (1998)
für "Das Wehr" von Conor McPherson, Staatstheater Stuttgart und für das Theaterprojekt "Der letzte Henker", eine Coprouktion des Theaters an der Winkelwiese Zürich, des Theaters Tuchlaube Aarau und des Schlachthaus-Theaters Bern

Armin Holz (1997)
für "Die falsche Zofe" von Pierre Carlet de Marivaux, Staatsschauspiel Hannover

Leonhard Koppelmann (1996)
für "Die Juden" von Gotthold Ephraim Lessing, Thalia Theater Hamburg

Erich Sidler (1996)
für "Marquise von O " von Heinrich von Kleist, Staatschauspiel Hannover

Pit Holzwarth (1995)
für William Shakespeares "Perikles", "Wie es Euch gefällt" und "Die lustigen Weiber von Windsor", Bremer Shakespeare Company

Elmar Goerden (1995)
für "Blunt oder der Gast" von Karl Philipp Moritz, Staatstheater Stuttgart

Peer Boysen (1994)
für "Grindkopf" von Tankred Dorst, Schauburg in München

Martin Kusej (1993)
für "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller, Staatsschauspiel Stuttgart

Crescentia Dünßer und Otto Kukla (1992)
für "Fegefeuer in Ingolstadt" von Marieluise Fleißer, Landestheater Tübingen

Anselm Weber (1991)
für "Die Minderleister" von Peter Turrini, Münchner Kammerspiele

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