Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Kurt-Hübner-Regiepreis

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Marie Schleef erhält den Kurt-Hübner-Regiepreis 2022 für ihre Inszenierung "Once I lived with a stranger" am Schauspiel Köln

Rita Thiele (Dramaturgin) hat als Jurorin des Kurt-Hübner-Regiepreises, Marie Schleef für ihre Inszenierung „Once I lived with a stranger“ am Schauspiel Köln (Uraufführung am 09.09.2022) ausgezeichnet.
Die Preisverleihung wird gemeinsam mit der Gertud-Eysoldt-Ring-Verleihung am 18. März 2023 im Parktheater Bensheim stattfinden.

Clip zur Preisverleihung

Woods of Birnam - Behind-the-Scenes

(c) Woods of Birnman, Benedikt Kauff

Marie Schleef
Foto Hendrik Lietmann

Marie Schleef, 1990 in Göttingen geboren, inszeniert vorwiegend Texte von Autor:innen, darunter viele Ausgrabungen, die noch nie aufgeführt wurden, und arbeitet so, wie sie selbst formuliert, an einem eigenen weiblichen Theaterkanon. Entschieden und originell sind aber nicht nur ihre inhaltlichen Setzungen. In ihrer inszenatorischen Arbeit entwickelt sie klar strukturierte, eigenwillige Präsentationsformen und übersetzt die Innenwelten ihrer Protagonist:innen in magisch betörende, emotional dichte Bilder.

Die Begründung der Jurorin Rita Thiele

Für ihr gedankenreiches, eigenwilliges, mutiges und bildmächtiges Theater wird Marie Schleef mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis 2022 ausgezeichnet.

In der Spielzeit 2020/21 überrascht Marie...

In der Spielzeit 2020/21 überrascht Marie Schleef im Berliner Ballhaus Ost mit der von ihr inszenierten sechsstündigen Performance Name her, in der Anne Tismer 150 von der Geschichtsschreibung vergessene und verdrängte Frauen präsentiert. Gemeinsam haben Marie Schleef und Anne Tismer dafür umfassend recherchiert und geschrieben.

Es ist Marie Schleefs erste Inszenierung nach Abschluss ihres Regiestudiums an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Schon ihre Diplominszenierung Die Fahrt zum Leuchtturm nach dem Roman von Virginia Woolf fällt auf: Sie wird zum Körber Studio für Junge Regie nach Hamburg eingeladen, während Name her im Frühjahr 21 die Kritiker:innen Jury des Berliner Theatertreffens als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison 2020-21 auszeichnet.

Mit diesem fulminanten professionellen Start ist Marie Schleef gar nicht zu übersehen. Ihre Zusammenarbeit mit dem Ballhaus Ost und Anne Tismer setzt sie im Januar 2022 fort: In The story of an hour beschäftigt sie sich mit zwei „Urtexten“ des amerikanischen Feminismus, der gleichnamigen Kurzgeschichte von Kate Chopin, einer bei uns wenig bekannten amerikanischen Autorin, veröffentlicht 1894, und der Erzählung „Die gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins Gilman von 1892. Auch ihre neueste Arbeit am Schauspiel Köln Once I lived with a stranger, mit der die diesjährige Spielzeit im Depot eröffnet wurde, basiert auf dem Text einer Autorin, in diesem Fall der lebenden, Mitte 40-jährigen Kanadierin Amber Dawn, eine kleine Geschichte, erschienen in „The Guardian“, in der die Schriftstellerin erzählt, wie sie sich einst in ihrer Wohnung von einem unsichtbaren Mitbewohner bedroht gefühlt hat.

Es sind also deutlich Texte von Autor:innen, auf die sich Marie Schleef in ihrer Theaterarbeit konzentriert. Wie sie selbst programmatisch formuliert, arbeitet sie an einem eigenen weiblichen Theaterkanon. Dabei überrascht sie vor allem mit Ausgrabungen, die noch nie aufgeführt wurden. Entschieden, innovativ und originell sind aber nicht nur ihre inhaltlichen Setzungen. In ihrer inszenatorischen Arbeit entwickelt sie klar strukturierte, eigenwillige Präsentationsformen, die Aufführungsdauer, Spieltempo, visuelle und virtuelle Effekte, Stille und Geräusche präzise kalkulieren.

Ihre letzten beiden Arbeiten sind „Silent Pieces“. Übertitel zitieren aus den Erzählungen und vermitteln die Grundsituation. Die Schauspielerinnen Anne Tismer und in Köln Kristin Steffen bleiben stumm, illustrieren nicht den Plot, sondern übersetzen den beklemmenden inneren Zustand ihrer Figuren in magisch betörende, emotional dichte Bilder. Beide Inszenierungen kreieren eine surreale spookige Atmosphäre, zeigen aber auch feinen Witz. Beispielsweise konterkarieren lustige comicartige Animationen auf einem künstlichen Mond (Animation und Bühne: Seong Ji Jang) in Once I lived with a stranger die düsteren Phantasien der namenlosen Protagonistin, kollabieren plötzlich alle Kakteen in und vor ihrer Wohnung (Bühne und Kostüme: Lina Oanh Ngyen), kommt es zu sprachlosen, dennoch vielsagenden, sehr skurrilen Begegnungen zwischen ihr und Passant:innen, die die Bühne queren. „Ein Phantombild“ nennt Marie Schleef die Produktion im Untertitel und vermischt bewusst ernsthafte Anzeichen einer pathologischen Angststörung mit trivialen Humor- und Horror-Elementen.

Kristin Steffen in "Once I lived with a stranger", Schauspiel Köln, Regie Marie Schleef
Foto Annemone Taake

Kristin Steffen in "Once I lived with a stranger", Schauspiel Köln, Regie Marie Schleef
Foto Annemone Taake

Trailer zu "Once I lived with a stranger" von Marie Schleef am Schauspiel Köln

Programm  18.03. bis 19.03.2023

18

März

2023

Verleihung des Kurt-Hübner-Regiepreises 2022 an Marie Schleef

Parktheater Bensheim
18.00 Uhr:

Im Rahmen eines Festaktes im Parktheater Bensheim wird der Kurt-Hübner-Regie-Preis 2022 an die Regisseurin MARIE SCHLEEF für ihre Inszenierung „Once I lived with a stranger“ am Schauspiel Köln verliehen.
Der Gertrud-Eysoldt-Ring für das Jahr 2022 geht an die Schauspielerinnen ALICIA AUMÜLLER & PATRYCIA ZIÓLKOWSKA für ihre Rollen in „Ödipus Tyrann“ von Sophokles am Schauspielhaus Zürich.
Künstlerische Gestaltung des Abends: Christian Friedel mit seiner Band Woods of Birnam

Die anschließende Gala beginnt ab circa 20 Uhr im Bürgerhaus.
Für Preisverleihung und Gala ist eine Einladung erforderlich.

19

März

2023

Matinee

Rita Thiele (Dramaturgin) und Nicolas Stemann (Regisseur, Intendant) im Gespräch mit den Preisträgerinnen

Alicia Aumüller & Patrycia Ziólkowska, Gertrud-Eysoldt-Ring 2022
Marie Schleef, Kurt-Hübner-Regiepreis 2022

Freier Eintritt!

Parkhotel Krone, Bensheim-Auerbach, 11.00 Uhr

Seit 1991 wird der Kurt-Hübner-Regiepreis jährlich vergeben durch die Ringelbandstiftung mit der Stadt Bensheim und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ist ein an junge Regisseur:innen vergebener Theaterpreis. Er wird seit 1991 jährlich anlässlich der Vergabe des Gerturd-Eysoldt-Rings von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Bensheim vergeben. Dotiert ist er mit 5.000 Euro. Benannt ist der Regiepreis nach dem deutschen Schauspieler, Regisseur und Theaterintendanten Kurt Hübner (1916-2007).
Juror:innen waren:
Hans Lietzau (1991), Kurt Hübner (1992 bis 2006), Klaus Völker (2007 bis 2014), Peter Kümmel (2015 bis 2018), RIta Tiehle (seit 2019)

Archiv

Vergangene Kurt-Hübner-Regiepreis

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v.l.n.r.: Maik Solbach, Lina Beckmann, Leonie Böhm mit Tochter Ruth, Hans-Jürgen Drescher, Rita Thiele, Christine Klein
Foto Gregor Ott / GVO Media

Festliche Preisverleihung mit anschließender Gala in Bensheim 

Leonie Böhm erhielt den Kurt-Hübner-Regiepreis!

Am Samstag, den 21.5.2022, wurde die junge Regisseurin Leonie Böhm mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis für ihre bedeutende Inszenierung "Medea" am Schauspiel Zürich geehrt. Am gleichen Abend erhielt Lina Beckmann für ihre herausragende Leistung als Richard in "Richard the Kid & the King" am Deutschen Schauspielhaus Hamburg den Gertrud-Eysoldt-Ring 2021.
Das Bensheimer Parktheater war gefüllt mit Theaterliebhabern aus nah und fern, die gekommen waren, um die großartige Schauspielerin und die junge Regisseurin zu feiern. Durch den Abend führte mit Charme, Witz und messerscharfer Satire Michael Quast. Reden wurden gehalten, so vielseitig interessant wie unterhaltend:

  • von tiefer Begeisterung für das Theater sprach Bürgermeisterin Christine Klein,

  • eindruckvoll rief Akademie-Präsident Hans-Jürgen Drescher die Biografie der namensgebenden und infolge des Nationalsozialismus vergessenen Schauspielerin Gertrud Eysoldt in Erinnerung,

  • die Dramaturgin Rita Thiele beschrieb in ihrer Laudatio auf Leonie Böhm deren bemerkenswerte Regiearbeit und das ergreifende Ergebnis ihrer "Medea"-Inszenierung,

  • der Schauspieler Maik Solbach hielt eine sehr persönliche Laudatio auf die einzigartige Ausstrahlung, die Kraft und den Humor seiner Kollegin Lina Beckmann, die gerührt von seinen Worte die Bühne betrat, um den Eysoldt-Ring entgegegen zu nehmen.

Nicht nur den Preisträgerinnen und Redner:innen war Freude und viel Emotion anzumerken - das Publikum war voll der Empathie für die beiden sympathischen Preisträgerinnen. Man feierte die beiden von Herzen.
In besonderem Maße trug die Musik des Paranormal String Quartet zur intensiven Atmosphäre im Parktheater bei. Die Kompositionen von Gustavo Strauß, nuancierend zwischen Klassik, zeitgenössischer Musik und improvisierendem Jazz, beeindruckten das Publikum.

Bei der anschließenden Gala im festlich geschmückten Bürgerhaus setzte sich der gelungene Abend mit Gesprächen bei Getränken und Speisen fort. Live-Musik forderte zum Tanz auf.

Die Matinee im Parkhotel Krone am darauffolgenden Sonntag bot den Gästen Einblick in die Arbeitsweisen und die Persönlichkeiten der beiden Preisträgerinnen. Rita Thiele führte mit Leonie Böhm und Lina Beckmann ein angeregtes Gespräch. Die zahlreichen Zuhörer:innen konnten klugen Gedanken folgen, eine Idee vom Dasein als Regisseurin bzw. Schauspielerin erhalten; auch wurde viel gelacht.

Was für ein schönes Festwochenende!

Die Preisträgerin Leonie Böhm mit dem Präsidenten der Akademie Hans-Jürgen Drescher und Bürgermeisterin Christine Klein
Foto Gregor Ott / GVO Media

Leonie Böhm, Christine Klein, Hans-Jürgen Drescher
Foto Gregor Ott / GVO Media

Die Preisträgerinnen Leonie Böhm und Lina Beckmann
Foto Gregor Ott / GVO Media

Maja Beckmann in "Medea", Schauspielhaus Zürich
Foto Schauspielhaus Zürich, Gina Folly

Jury 

Begründung der Jurorin Rita Thiele

Leonie Böhm gelingt es, durch ihre...

Leonie Böhm gelingt es, durch ihre klugen, mutigen Zugriffe und in radikaler Kollaboration mit ihren Spieler*innen Texte des klassischen Theaterkanons verblüffend zeitgenössisch erfahrbar zu machen. Besonders eindrücklich zeigt das ihre am Schauspiel Zürich entstandene, zum Berliner Theatertreffen 2021 eingeladene Inszenierung „Medea*“, atemberaubend entwickelt mit Maja Beckmann als Medea und dem Musiker Johannes Rieder, der die Darstellerin auch als Spielpartner begleitet. Dem Original von Euripides  nähert sich Leonie Böhm in für sie typischer Methodik: Gemeinsam mit ihrem Ensemble destilliert sie aus dem Text, eigene Fragen, Ideen und Haltungen, ohne den Wortlaut  des Stückes zu ändern. So wird die Tragödie entschieden auf Medeas Ringen um Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Empathie reduziert, ihr Handeln bestimmt keine rasende Rache, sondern fragt auch in Wut und größtem Schmerz nach der Möglichkeit, ein verständnisvolles Miteinander zu erschaffen. Wie auch in ihren anderen Inszenierungen ermutigt Leonie Böhm ihre Spieler*innen zu einer radikalen persönlichen Aneignung, auch in Improvisationen. Dadurch blühen sie auf eine Art und Weise, die man schlichtweg nur sensationell nennen kann, und der antike Mythos wird extrem gegenwartsdurchlässig.

Rita Thiele

Leonie Böhm
Foto Schauspielhaus Zürich, Blommers & Schumm

zur Person 

über Leonie Böhm

Leonie Böhm wurde bereits mit ihrer...

Leonie Böhm wurde bereits mit ihrer ersten Arbeit an einem Stadttheater, „Nathan die Weise“ in der Garage des Hamburger Thalia Theaters, nach München zum renommierten Festival Radikal Jung 2017 eingeladen. Davor hatte sie drei Studien abgeschlossen: Nach dem Examen für das Lehramt der Germanistik und Kunst studierte sie Bildende Kunst in Kassel und schloss als Meisterschülerin bei Urs Lüthi ab. Zudem hospitierte und assistierte sie während dieser Zeit immer wieder am Staatstheater Kassel. Es folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Ihre Arbeit für das Schauspiel speist sich laut eigener Aussage aus dem unbedingten Wollen, dass man „im Theater gelingende Kommunikation zeigen kann.“ Ihre gleichermaßen berührenden wie fordernden Inszenierungen sind von fragiler Poetik und an vielen exponierten Häuser gefragt. Zuletzt arbeitete sie als Hausregisseurin des Schauspiel Zürich, jetzt wieder als freie Regisseurin wie zu Beginn der Saison 21-22 am Berliner Gorki Theater mit der Produktion „NOORRRRAAAAAAAA“ nach Ibsen.

Programm  21.05. bis 22.05.2022

21

Mai

2022

Verleihung des Kurt-Hübner-Regie-Preis 2021 an Leonie Böhm

Parktheater Bensheim, 18.00 Uhr

Im Rahmen eines Festaktes im Parktheater Bensheim wird der Kurt-Hübner-Regie-Preis 2021 an die Regisseurin LEONIE BÖHM für ihre Inszenierung „Medea“ am Schauspielhaus Zürich verliehen.

Der Gertrud-Eysoldt-Ring für das Jahr 2021 geht an die Schauspielerin LINA BECKMANN für ihre Rolle als "Richard" in „Richard the Kid & the King” nach William Shakespeare, Deutsches Schauspielhaus Hamburg in Koproduktion der Salzburger Festspiele

Eine Einladung ist erforderlich.

22

Mai

2022

Matinee

Die Jurorinnen Karin Henkel und Rita Thiele sind im Gespräch mit den Preisträgerinnen

Leonie Böhm, Kurt-Hübner-Regiepreis 2021
Lina Beckmann, Gertrud-Eysoldt-Ring 2021

Freier Eintritt!

Parkhotel Krone, Bensheim, 11.00 Uhr

Florian Fischer erhält den Kurt-Hübner-Regiepreis 2019 für "Operation Kamen" am Staatsschauspiel Dresden

Rita Thiele, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, hat als Jurorin des Kurt-Hübner-Regiepreises, Florian Fischer für seine Inszenierung „Operation Kamen“ am Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag (Uraufführung am 20.10.2018) ausgezeichnet.

Pandemiebedingt konnte die Preisverleihung nicht wie geplant im Frühjahr 2020 stattfinden. Sie wird nun in kleinerem Rahmen zum Auftakt der Woche junger Schauspieler*innen am 11.3.2022 im Parktheater Bensheim nachgeholt.

„Operation Kamen“ thematisiert eine gleichnamige Aktion des tschechoslowakischen Geheimdienstes zwischen 1948 und 1951.

Angebliche Schleuser animierten unter Verdacht stehende Oppositionelle zur Flucht und führten sie zu einem vermeintlich schon hinter der deutschen Grenze liegenden Posten, wo sie von Soldaten, die sich als Angehörige der US-Besatzungsmacht ausgaben, befragt wurden. Die Betroffenen denunzierten so unwissentlich sich selbst und ihr Umfeld – mit anschließender Verhaftung und zum Teil tödlichen Folgen.

Die Begründung der Jurorin Rita Thiele 

Florian Fischers multidisziplinäre Arbeit dokumentiert nicht nur diese fatale, wenig bekannte Aktion des tschechoslowakischen Geheimdienstes in Zeiten des Kalten Krieges, sondern schafft es durch ihre eindrückliche und raffinierte Erzählform den Bogen zu unserer Gegenwart zu schlagen: So benutzt der Abend das historische Material, um auch bestürzend gegenwärtige Fragen nach der Manipulierbarkeit von Wahrnehmung, verschwimmenden Grenzen von Fakten und Fiktion, Wahrheit und Lüge zu stellen. Film, Sounddesign, professionelles Schauspiel und Arbeit mit Laiendarsteller*Innen werden in einer hochkomplexen Montage zusammengefügt, die auch das Publikum in einer immersiven akustischen Installation miteinbezieht. Die Inszenierung berührt durch die tragischen, sehr realen Lebensgeschichten und stellt gleichzeitig überaus kluge, aktuelle Fragen zum Thema Fake News und deren toxische Auswirkungen.

Kurt-Hübner-Regiepreis 2019

Florian Fischer (Foto ©W. Rappel)

Florian Fischer wurde in Altötting geboren. Er studierte nach einem Studium der Philologie Theaterregie an der Otto-Falckenberg- Schule in München. Mit seinem Diplomprojekt „Der Fall M – Eine Psychatriegeschichte“ gewann er den Preis für junge Regie im Rahmen des europäischen Fast Forward Festivals. Sein Beschäftigungsfeld ist multidisziplinär und erweitert sich ständig: Dazu gehören Soundarbeiten wie Hörspiele, Installationen, Audiowalks, Lecture Performances sowie komplexe Inszenierungen.

Seit 2014 arbeitete er u.a. in Basel bei Andreas Beck, in München, am NT Gent und am Schauspielhaus Bochum bei Johan Simons, in Braunschweig, Mannheim und dem Wiener Schauspielhaus. Seine Inszenierungen waren auch auf Festivals in Salzburg, Sarajewo und Moskau zu sehen. 2019 wurde er mit „Operation Kamen“ zum dritten Mal zum Festival „Radikal Jung“ am Münchner Volkstheater eingeladen.

Florian Fischer zum Kurt-Hübner-Regiepreis:
"Kurt Hübner - der in meinem Alter noch Mitglied der Kriegsberichterstatter-Kompanie war, die direkt dem Oberkommando der Wehrmacht und Joseph Goebbels unterstellt war - hat einen beeindruckenden Lebensweg als ungemütlicher Intendant und Theatermacher. In der Abschiedsrede aus seiner legendären Bremer Intendanz, die so viele unglaubliche Talente vereint, zu einander wie zu sich selbst geführt hat, sagte er: "Wir können eigentlich nur eines: gefährlich sein durch unsere Imagination".
Darin offenbart sich die Kraft des Theaters, in dessen Tradition wir deutschen Theatermacher stehen. Diese Verantwortung anzunehmen und mit einem Preis geehrt zu werden freut mich sehr."

Trailer

Operation Kamen (Regie: Florian Fischer), Staatsschauspiel Dresden

Die PreisträgerInnen des Kurt-Hübner-Regiepreises, 1991 bis heute 

Florian Fischer (2019)
für „Operation Kamen“, Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag

Robert Icke (2018)
für „Orestie“ nach Aischylos, Schauspiel Stuttgart

Nora Abdel-Maksoud(2017)
für „The Making-Off“, Maxim Gorki Theater Berlin

Alexander Eisenach (2016)
für „Der kalte Hauch des Geldes“, Schauspiel Frankfurt

Gernot Grünewald (2015)
für „'anˌ kɔmən – Unbegleitet in Hamburg“, Thalia Theater Hamburg

Julia Wissert (2014)
für „Der Junge in der Tür“ von Juan Mayorga, Staatstheater Wiesbaden

Daniela Löffner (2013)
für  „Der Sturm“ von William Shakepeare, Staatstheater Braunschweig und „Kinder der Sonne“ von Maxim Gorki, Schauspielhaus Zürich

Rudolf Frey (2012)
für „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth, Schauspielhaus Salzburg und „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán, Südthüringischen Staatstheater Meiningen

Antú Romero Nunes (2011)
für „Rocco und seine Brüder“ nach dem Film von Luchino Visconti, Maxim Gorki Theater Berlin

Kevin Rittberger (2010)
für „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath, Deutschen Theater Berlin

Tilmann Köhler (2009)
für "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht, Staatsschauspiel Dresden

Maik Priebe (2008)
für "Blick zurück im Zorn" von John Osborne, Staatstheater Kassel

Jette Steckel (2007)
für "Gerettet" von Edward Bond, Thalia Theater Hamburg

Roger Vontobel (2006)
für "Das goldene Vliess" von Franz Grillparzer, Schauspiel Essen

Sebastian Schug (2005)
für "Sobald fünf Jahre vergehen" von Federico Garcia Lorca, bat Studiotheater Berlin

Schirin Khodadadian (2004)
für "So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr" von Theresia Walser, Staatstheater Kassel

Daniela Kranz (2004)
für "Mein junges idiotisches Herz" von Anja Hilling an den Münchner Kammerspielen

Florian Fiedler (2003)
für "Nieder Bayern!" nach Martin Sperrs Stück "Jagdszenen in Niederbayern", Volkstheater München

Tina Lanik (2002)
für „Tropfen auf heiße Steine" von Rainer Werner Fassbinder, Bayerisches Staatsschauspiel München

Monika Gintersdorfer (2001)
für „bedbound“ von Edna Walsh, Münchner Kammerspielen

Christiane Pohle (2000)
für "sitzen in Hamburg" nach Anton Tschechows "Drei Schwestern", Freien Theater Laborlavache in Hamburg

Sandra Strunz (1999)
für "Frost" nach Thomas Bernhards gleichnamigen Roman, Luzerner Theater

Elias Perrig (1998)
für "Das Wehr" von Conor McPherson, Staatstheater Stuttgart und für das Theaterprojekt "Der letzte Henker", eine Coprouktion des Theaters an der Winkelwiese Zürich, des Theaters Tuchlaube Aarau und des Schlachthaus-Theaters Bern

Armin Holz (1997)
für "Die falsche Zofe" von Pierre Carlet de Marivaux, Staatsschauspiel Hannover

Leonhard Koppelmann (1996)
für "Die Juden" von Gotthold Ephraim Lessing, Thalia Theater Hamburg

Erich Sidler (1996)
für "Marquise von O " von Heinrich von Kleist, Staatschauspiel Hannover

Pit Holzwarth (1995)
für William Shakespeares "Perikles", "Wie es Euch gefällt" und "Die lustigen Weiber von Windsor", Bremer Shakespeare Company

Elmar Goerden (1995)
für "Blunt oder der Gast" von Karl Philipp Moritz, Staatstheater Stuttgart

Peer Boysen (1994)
für "Grindkopf" von Tankred Dorst, Schauburg in München

Martin Kusej (1993)
für "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller, Staatsschauspiel Stuttgart

Crescentia Dünßer und Otto Kukla (1992)
für "Fegefeuer in Ingolstadt" von Marieluise Fleißer, Landestheater Tübingen

Anselm Weber (1991)
für "Die Minderleister" von Peter Turrini, Münchner Kammerspiele

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