Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler

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About 

Förderung der jungen Schauspielkunst

Eine der vornehmsten Aufgaben der Akademie ist die Förderung des Theaternachwuchses. Mit der "Woche junger Schauspieler und Schauspielerinnen", die seit 1996 in Bensheim stattfindet, bietet die Akademie - gemeinsam mit der Stadt Bensheim, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim, dem Land Hessen und weiteren Förderern - dem schauspielerischen Nachwuchs ein inzwischen begehrtes und vielbeachtetes Forum.

Vier bis sechs Inszenierungen sind im März im Parktheater Bensheim zu sehen. Die jeweiligen Gertrud-Eysoldt-Preisträger*innen übernehmen die Schirmherrschaft über die Veranstaltungsreihe. Seit 2003 wird der "Bensheimer Theaterpreis für junge SchauspielerInnen", dotiert mit € 3000.-, für herausragende schauspielerische Leistungen, an einen einzelnen Darsteller*in oder ein ganzes Ensemble, verliehen. Die dreiköpfige Jury setzt sich zusammen aus einem Mitglied der Akademie, einem/r jungen, freien Theaterschaffenden und einer von der Stadt Bensheim berufenen Persönlichkeit. Zu Ehren des langjährigen Kurators der „Woche junger Schauspieler“ und Ehrenpräsidenten der Akademie wurde der Preis 2009 in „Günther-Rühle-Preis“ umbenannt.
Auch das Bensheimer Publikum stimmt nach jeder Vorstellung über das Gesehene ab. Nach der letzten Vorstellung werden die Stimmzettel ausgewertet und das Stück, das die größte Zustimmung erhielt, bekannt gegeben.

Für 2022 wird das Programm zusammengestellt von einer Jury unter dem Vorsitz von Dagmar Borrmann (Dramaturgin und Hochschullehrerin), Antonia Leitgeb (stellv. Leiterin Studiengang Dramaturgie Theaterakademie August Everding) und Florian Fischer (Regisseur und Künstler).

VERANSTALTER

  • Stadt Bensheim

  • Deutsche Akademie der Darstellende Künste

  • Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

  • Sparkasse Bensheim

Mit freundlicher UNTERSTÜTZUNG von

  • Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

  • Bergsträßer Anzeiger

Wir danken der Streamingplattform SPECTYOU für die freundliche Unterstützung.

Archiv

Vergangene Wochen junger Schauspielerinnen und Schauspieler

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Ausschreibung  

Im März 2022 findet zum 27sten Mal die „Woche junger Schauspieler*innen“ im südhessischen Bensheim statt. Das 1996 gegründete Festival legt den Fokus auf das Können der jungen Darsteller*innen. Am Ende der „Woche junger Schauspieler*innen“ wird der mit 3.000 € dotierte „Günter-Rühle-Preis“ und der undotierte Publikumspreis verliehen.

Es ist das Anliegen der “Woche junger Schauspieler*innen”, fünf repräsentative Beispiele über gegenwärtige Spielweisen und Entwicklungen junger Schauspielkunst aufzuspüren.  Dagmar Borrmann (ehem. Ausbildungsdirektorin Schauspiel HfMDK,  Frankfurt), Florian Fischer (freier Regisseur) und Antonia Leitgeb (stellv. Studiengangleiterin Dramaturgie Theaterakademie August Everding) stellen das Festivalprogramm zusammen und sichten dafür ab sofort bis Mitte November 2021 mögliche Vorschläge von Theatern, Schauspielschulen und der freien Szene.

Sollten Sie also in Ihrem Spielplan eine Inszenierung haben,

-         in der die tragenden Rollen mit jungen Schauspieler*innen unter 30 Jahren besetzt sind,

-         das sich an Erwachsene und Jugendliche richtet (kein Kindertheater),

-         wo die Gesamtkosten für ein Gastspiel 5.000,- EUR (inkl. Übernachtungen, Transporte etc.) nicht überschreiten,

-         die im März 2022 (außer 5. März) ins Parktheater Bensheim kommen könnte

-         und die mit den technischen Gegebenheiten vor Ort realisiert werden kann: http://www.stadtkultur-bensheim.de/parktheater/sitzplan-hinweise-buehnenplaene/hinweise-fuer-veranstalter-buehnenplaene/plaene/,

dann freuen wir uns auf Ihre Vorschläge/ Einreichungen mit folgenden Unterlagen:

-         Besetzungsliste

-         kurze Erläuterung zu Konzept und Idee

-         Presseberichte (falls vorhanden)

-         evtl. Aufführungstermine für Sichtungen (ab sofort bis 15. November) und/oder

-         eine Aufzeichnung der Inszenierung per download/Link oder auf CD-ROM/DVD (4 Ex.)

-         sowie eine Aufstellung möglicher Gastspieltermine im März 2022

Bewerbungschluss ist der 15. November 2021

entweder per Mail an: [email protected] oder
per Post an: Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, Holzstr. 2, 64283 Darmstadt

Veranstalter der „Woche junger Schauspieler*innen“ ist die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste gemeinsam mit der Stadt Bensheim, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim und dem Land Hessen.

Resümee 

26. Woche junger Schauspieler*innen (13.-18.6.2021) – es wurde gestreamt, gelikt und gechattet was das Zeug hielt

Erstmals fand das Festival digital mit einem Live-Stream im Netz statt. Trotz Terminverschiebung vom Frühjahr in den Sommer war es corona-bedingt nicht möglich, die 5 ausgewählten Inszenierungen mit Live-Gastspielen nach Bensheim zu holen.
In Kooperation mit der Plattform Spectyou wurden die Stücke gestreamt und konnten 24h on Demand dem Publikum zur Verfügung gestellt werden. Alle eingeladenen Inszenierungen hatten aus diesem Anlass in eine filmische Fassung investiert, die z.T. von herausragender Qualität war. Nachgespräche mit den Teams führten die Jurymitglieder per Zoom, an denen sich Zuschauer über einen Chat beteiligen konnten. Es war ein konzentrierter und inhaltlich intensiver Austausch, trotz digitaler Distanz.

Aufgrund der mangelnden Vergleichbarkeit der digitalen Produktionen und der schwierigen Situation der Schauspieler*innen im Pandemiejahr, entschieden sich die Veranstalter, den diesjährigen „Günther-Rühle-Preis“ in einen Solidarpreis umzuwandeln, der an alle Schauspieler*innen zu gleichen Teilen geht. Dies wurde möglich durch die Erhöhung des Preisgeldes von 3.000 € auf 5.000 € - den Förderern sei Dank!

Zum Publikumspreis wurde mit 100% Zustimmung „Der Nazi & der Friseur“ vom Staatsschauspiel Dresden zur besten Inszenierung 2021 gewählt. Das Publikum würdigte das herausragende Spiel der beiden Darsteller Franziskus Claus, Daniel Séjourné.

Eine überaus engagierte Schülergruppe des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim, die, unter Anleitung des Theaterpädagogen Raphael Kassner, der Journalistin und Bloggerin Lena Kettner und des Lehrers Florian Krumb, tief in das Handwerk des Kultur-Journalismus eintauchte, begleitete das Festival. Äußerst lesenswerte und fundierte Kritiken zu den Inszenierungen haben die Schüler*innen quasi über Nacht verfasst. Veröffentlicht wurden die Kritiken im Bergsträßer Anzeiger (online und print) sowie auf der Homepage der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und auf unserer Facebook-Seite.

Fazit: Wichtige Erfahrungen in puncto Digitalisierung, gute Reaktionen, eine Reichweite weit über Bensheim hinaus und Verjüngung des Publikums.
Und trotzdem:  Nicht nur von den  Juror*innen  wurde die Sehnsucht nach dem Live-Erlebnis im Parktheater bekundet, das kommendes Jahr hoffentlich wieder möglich sein wird.

Theater am Laptop

(Foto @ Lena Kettner)

13. bis 18. Juni 2021 

Die 26. Woche junger Schauspieler*innen ist online!

Das Programm

Um jeweils 19 Uhr startet der Livestream, danach stehen die Produktionen ab 22 Uhr 24h on demand zur Verfügung.
Kostenfreier Zugang!
Keine Anmeldung erforderlich!

Im Parktheater Bensheim findet ein Public Viewing auf großer Leinwand statt.
Die Anzahl der kostenfreien Tickets ist begrenzt. Bitte schreiben Sie eine e-mail an [email protected] unter Angabe ihrer Kontaktdaten und der gewünschten Kartenanzahl.

Grußwort der Veranstalter

Liebe Freundinnen und Freunde des jungen Theaters,

wir freuen uns außerordentlich, dass es in diesem Jahr gelungen ist, einen Weg zu finden, die beliebte und hochklassige Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler präsentieren zu können. Dieses Theaterfestival zumindest digital erleben zu dürfen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das reale Erlebnis mit allen Sinnen vor Ort im Theater ist sicher auch bald wieder möglich.
Lassen Sie uns gemeinsam eintauchen in das Beste, was das junge Theater in Deutschland zu bieten hat.

Auf inspirierende Stunden und hoffentlich sehr bald wieder auf persönliche Begegnungen im Theater,

Christine Klein / Bürgermeisterin Stadt Bensheim

Prof. Hans-Jürgen-Drescher / Präsident der Deutschen Akademieder Darstellenden Künste

Matthias Haupt / Geschäftsführer Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Manfred Vögtlin / Vorstand Sparkasse Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik

Zum 6. Mal wird die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste im Rahmen der Woche junger Schauspieler*innen das Schulprojekt Theaterkritik fortsetzen. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen. Begleitet werden sie dabei von Profis aus Theaterpädagogik und Journalismus.

Ihre Beiträge werden auf unserer Internetseite, unseren Social-Media-Kanälen und - in Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger - in einer Auswahl in dessen Printausgabe veröffentlicht.

Programm  13.06. bis 18.06.2021

13

Juni

2021

Auftaktveranstaltung

Die Juror*innen Dagmar Borrmann, Carola Hannusch, Antonia Leitgeb und Moritz Peters stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Sonntag, 13. Juni

13

Juni

2021

Tartuffe

von Moliére, dt. Fassung Wolfgang Wiens
Universität der Künste Berlin UdK; Ensembleprojekt des 3. Jhrg. Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild

Das Haus Orgon hat seine ausübende Macht in die Hände von Tartuffe gelegt – nun herrscht das Regime des Verbots, der Gewalt, der Lüge unter der Maske der Moral. Keiner erkennt das blanke Eigeninteresse des Hausfreundes, einzig das Hausmädchen Dorine durchschaut Tartuffes Machenschaften und versucht, zum Widerstand aufzurufen. Molières Phantasmagorie von der Machtergreifung eines Horrorclowns scheint 300 Jahre später politisch realer denn je. 

MIT Vito Sack, Nina Bruns, Robert Knorr, Teresa Annina Korfmacher, Servan Durmaz, Maximilian Diehle, Sarah Schmidt, Hêvîn Tekin / REGIE, BÜHNE Hermann Schmidt-Rahmer / KOSTÜM Viktoria Posavec
Szenenfotos © Daniel Nartschick

Sonntag, 13. Juni

Schulprojekt Theaterkritik: Emely Behringer "Eigenwillige, kreative Inszenierung"

Bensheim. „Keinen Tarte Shape Tape Concealer, keine Urban Decay Eyeshadow Palette, keine Tangle Teezer…?“ Diese Wortwahl erwartet der Zuschauer nicht in einem Bühnenstück von Molière. Doch genau dies haucht der Inszenierung, unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer, eine gewisse Modernität ein. Die Woche junger Schauspieler startete am 13. Juni 2021 mit dem Stream des Stückes „Tartuffe“, verfasst von dem französischen Dichter Molière, welches am 12. Mai 1664 in Paris uraufgeführt wurde.

Die im Stream gezeigte Inszenierung von der Universität der Künste in Berlin wurde im Rahmen eines Ensembleprojekts des dritten Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild kreativ umgesetzt.

Im Hause Orgon schleicht sich ein scheinheiliger Betrüger ein: Tartuffe, der durch seine strengen Moralvorstellungen und religiösen Prinzipien die vollkommene Bewunderung des Familienvaters für sich gewinnen kann. Völlig geblendet von seiner Hingabe zu dem ungebetenen Gast, ignoriert Orgon die Widerstände und Anschuldigungen der restlichen Familie. Der Siegeszug Tartuffes scheint unaufhaltsam. Der Hausherr ist sogar bereit, Tartuffe die Hand seiner Tochter Mariane zu versprechen und ihm seinen ganzen Besitz zu überschreiben. Der Zuschauer muss Orgon dabei beobachten, wie er nicht mehr erkennen kann oder will, was um ihn herum Offensichtliches passiert oder wie es in der Inszenierung gesagt wird: „Er kann Wahrheit nicht mehr von Fake unterscheiden.“

Vor allem die Ausdrucksweise spielt in der Inszenierung der Berliner Universität eine wichtige Rolle, die Figuren wechselten zwischen einer „molièrischen“ Sprache aus dem Originaltext und der umgangssprachlichen Ausdrucksweise der heutigen Zeit. Dieser sprachliche Wechsel verlieh der Aufführung eine gewisse Dynamik. Nicht nur die Modernität der Sprache lässt sich auf die gegenwärtige Zeit beziehen, sondern auch das Thema, mit welchem sich das Stück befasst. Wie Machtergreifung und Beeinflussung die Wirklichkeit umformen kann, hat sich im Laufe der Weltgeschichte des Öfteren gezeigt. Auch das Frauenbild hat sich über die Jahrhunderte stark verändert, jedoch lassen sich bis heute noch Parallelen zu Molières Stück ziehen.

Die jungen Schauspieler überzeugten mit ihren darstellerischen Fähigkeiten. Besonders Sarah Schmidt, welche die redegewandte und sehr selbstbewusste Zofe Dorine verkörperte, beeindruckte durch ihre schauspielerische Leistung. Zweifelsohne im Mittelpunkt des Abends stand Maximilian Diehle, durch seine skurrile aber doch faszinierende Verkörperung des Tartuffes begeisterte er den Zuschauer. Die schauspielerische Leistung wurde durch das spartanische Bühnenbild, welches lediglich aus einem Stuhl bestand, noch einmal mehr betont. Zudem trug dies zum zeitlosen Charakter der Aufführung bei.

Die Bühne wurde mithilfe einer großen OSB-Platte verkleinert, wodurch ein schmaler Bühnenstreifen entstand. Hierdurch wurde die beengte und bedrückende Stimmung, die im Hause Orgon herrschte, unterstrichen. Die eigenwillige, aber kreative Inszenierung wurde auch durch die von Viktoria Posavec ausgewählten Kostüme unterstützt. Groteske und nicht zueinander passende Kleidungsstücke wurden bewusst gewählt und spiegelten das egozentrische Verhalten der einzelnen Figuren hervorragend wider. Teilweise war die Umsetzung jedoch etwas zu überspitzt, die zum Teil unnatürlichen Körperbewegungen oder die sehr freizügigen Auftritte finden vermutlich nicht jedermanns Zustimmung.

Ungeachtet dessen ist die Neuinterpretation des Stückes durchaus gelungen. Hermann Schmidt-Rahmer ist mit der Inszenierung der Komödie „Tartuffe“ von Molière ein unterhaltsamer und kurzweiliger Theaterband gelungen. Die Modernität und Aktualität des Stückes ist auch nach mehr als 300 Jahren zutreffender denn je. Eine klare Empfehlung für den nächsten Theaterbesuch.

Emely Behringer, Altes Kürfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Kristina Giere "Mit Witz und Frische"

Bensheim. Die Fassung von Molières „Tartuffe“ an diesem Abend wurde inszeniert von einem Ensemble der UdK Berlin unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer und im Rahmen der 26. Woche junger Schauspieler aufgeführt. Das Stück feierte bereits im Dezember vergangenen Jahres seine Premiere als Produktion des 3. Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild unter der Leitung von Viktoria Posavec.

Die Neuinterpretation der Komödie wurde auf Grund der aktuellen Pandemiesituation, wie alle Stücke der Veranstaltung, als Stream präsentiert.

Der vermeintlich fromme Tartuffe (Maximilian Diehle) nistet sich im wohlhabenden Hause Orgon ein und gewinnt dort die Oberhand. Er nimmt sich, was er will. Sohn Damis (Robert Knorr), Tochter Mariane (Teresa Annina Korfmacher) und Frau Elmire (Nina Bruns) haben nun ihm zu gehorchen und auf einmal ist alles Vergnügen verboten. Hochzeits-, Erb- und Vermögensangelegenheiten sind in seiner Gewalt.

Hausherr Orgon (Vito Sack) selber scheint von den bösen Absichten seines Hausgastes und dessen Interesse an Elmire nichts mitzubekommen, ganz im Gegenteil, er ist von der Frömmigkeit und Ausstrahlung Tartuffes fasziniert und für kein vernünftiges Argument zugänglich. Gefangen im Bann des Betrügers erfüllt er diesem jeden Wunsch und befolgt seine Ratschläge ohne zu zögern und überträgt ihm sogar seinen Besitz.

Nun bleibt es an der Hausangestellten Dorine (Sarah Schmidt), Widerstand zu leisten und die Familie aus den Fängen des Meisters der Verstellung und Verführung zu befreien.

Das Bühnenbild, das aus einer großen Holzplatte bestand, die einen schmalen Steg zum Spielen freigab, und einem einzelnen Stuhl, war passend gewählt. Durch den simplen Hintergrund und die wenigen Requisiten lag das Augenmerk des Zuschauers auf den skurrilen und auffälligen Kostümen sowie der äußerst expressiven Spielweise durch starke Mimik und große Gestik der Schauspieler. Die spielfreudige Gruppe zeigte Mut sowie großen physischen Einsatz und schreckte auch nicht vor Intimität zurück.

Mit musikalischen Einlagen untermalt, wirkten die schnell gedachten und gesprochenen Dialoge teilweise albern. Hinzu kamen übertrieben dargestellte Handlungen, die eine recht verstörende Wirkung beim Zuschauer erzielten.

Der Wechsel zwischen Auszügen des Originaltextes mit seiner formalen Sprache und der Alltagssprache, durchsetzt mit vulgären Ausdrücken, trug zum modernen Charakter der Inszenierung bei. Dieser Eindruck wurde unterstützt durch das kurzzeitige Verlassen der Rolle durch die Schauspieler auf Performance-Ebene. Die Videoaufzeichnung zeigte aus der Perspektive einer leichten Aufsicht abwechselnd die Totale der Bühne und Nahaufnahmen der Darsteller.

Mit Witz und Frische ließ das Ensemble den Zuschauer für 75 Minuten in seine Welt von Doppelmoral und Gutgläubigkeit eintauchen. Die Schreckensvision Molières von der Machtergreifung eines Blenders und der Unfähigkeit zum Widerstand scheint drei Jahrhunderte später immer noch hoch aktuell.

Die Theatergruppe der UdK Berlin bot mit ihrem Stück einen herrlich unterhaltsamen Abend und somit einen gelungenen Auftakt der Woche junger Schauspieler.

Kristina Giere, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Hannah Katzenmeier "Verstörende Anblicke"

Bensheim. „Ist die Absicht rein, so ist die Sünde nur halb so klein.“ Mit dieser Aussage rechtfertigt Tartuffe seine darauffolgenden Annäherungsversuche bei Elmire, einer bereits verheirateten Frau.

Das Stück „Tartuffe“, geschrieben von Molière im Jahre 1669, wurde von dem Ensemble des 3. Jahrgangs Schauspiel im Zusammenspiel mit dem Studiengang Kostümbild der Universität der Künste in Berlin nach der Version des Regisseurs Professor Hermann Schmidt-Rahmer neu inszeniert.

Tartuffe (Maximilian Diehle) ist ein Betrüger, welcher sich durch seine vorgespielte Frömmigkeit die Gunst Orgons sichert und nun bei ihm wohnt. Orgon ist so von Tartuffe überzeugt, dass er sogar seine Tochter Marianne (Teresa Annina Korfmacher) mit ihm verheiraten möchte. Marianne ist eigentlich schon mit Valère (Robert Knorr) verlobt, weshalb sie die Entscheidung ihres Vaters unglücklich macht, jedoch geht sie trotzdem nicht gegen die Entscheidung ihres Vaters vor. Die Initiative ergreifen allerdings die Dienerin Dorine (Sarah Schmidt), Damis (Mariannes Bruder; Robert Knorr) und Elmire (Stiefmutter, Frau Orgons; Nina Bruns), gemeinsam wollen sie die Heiratspläne zunichtemachen.

Zunächst wird Tartuffe von Dorine zurechtgewiesen. Doch schon im nächsten Moment startet er seine Annäherungsversuche bei Elmire, welche von ihrem Sohn Damis beobachtet werden. Jener berichtet Orgon davon, jedoch glaubt Orgon ihm nicht. Elmire will ihren Mann den Beweis liefern, dass Tartuffe versucht, sich ihr zu nähern. Orgon willigt daraufhin ein, sich im Raum zu verstecken. Als Elmire Tartuffe zu sich bittet und ihm vorspielt, sie würde seine Liebe erwidern, geht jener darauf ein. Bevor Tartuffe jedoch zu weit geht, schickt sie ihn unter einem Vorwand hinaus, was ihr die Zeit verschafft, sich mit ihrem Mann zu besprechen. Jener ist nun von Tartuffes heuchlerischer Art überzeugt, weshalb er ihn danach zur Rede stellt. Orgon will ihn aus dem Haus schmeißen, jedoch hatte er Tartuffe wichtige Papiere anvertraut, weshalb sich jener nun das Recht des Hausherrn herausnehmen will. Schon kurze Zeit später steht Tartuffe mit einem Polizeibeamten vor der Tür, welcher Orgon festnehmen soll. Die Familie wirft Tartuffe all seine Vergehen vor und anstelle des Vaters wird doch Tartuffe verhaftet, da der Polizist erkannt hat, das Tartuffe ein vielgesuchter Betrüger ist und die Familie Orgon im Recht ist.

Aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation fand die Veranstaltung zur Eröffnung der Woche junger Schauspieler online statt, ab 19 Uhr konnte man sich die Aufnahme des Stückes im Stream anschauen.

Das Bühnenbild bestand aus einem Laufsteg von der einen Bühnenseite zur anderen, dahinter war eine Holzwand, schlicht und einfach gehalten, der Fokus lag so völlig auf den Darstellern, ihre Gesten und Formulierungen kamen dadurch besonders gut zur Geltung.

Auch die überspitzte Art der Darstellung erzeugte eine gute Wirkung. Die Vermischung unserer heutigen Sprache mit der Sprache aus dem Originaltext ließ den Zuschauer aufhorchen und sich selbst reflektieren. Denn inwiefern lässt sich das Stück in unsere heutige Zeit übersetzen?

So wie damals sind auch noch heute die Moral unserer Gesellschaft, das Frauenbild und die Politik aktuelle und wichtige Themen. Orgon, der sich so leicht von Tartuffe beeinflussen lässt, zeigt den einzelnen Bürger, der sich schnell von etwas mitreißen lässt, das den Schein des Guten zu wahren versteht, ohne dass er selbst alle Seiten kennt. Dieses Phänomen findet sich heute nicht nur in der Politik, sondern vor allem auch in den Sozialen Medien, welche allerdings einen großen Einfluss auf die politische Meinungsbildung haben.

Teilweise kam es jedoch zu durchaus verstörenden Anblicken. Zwei fast völlig unbekleidete Männer, von denen einer auch noch seine Hand in die Unterwäsche des anderen gleiten ließ. Ein verstörender und abstoßender Anblick, den man sich gerne erspart hätte.

Insgesamt kann man somit sagen, dass es an den schauspielerischen Qualitäten auf keinen Fall mangelte, schade waren lediglich einige zu überspitzte Darstellungen, die den Zuschauer abschreckten und eine etwas verstörende Wirkung hervorriefen. Beachtet man jedoch die Aktualität des Stückes, lohnte es sich durchaus, es zu schauen, um sich so eine eigene Meinung zu dem Stück und den verhandelten Themen zu bilden.

Hannah Katzenmeier, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

14

Juni

2021

Der Nazi & der Friseur

nach dem Roman von Edgar Hilsenrath
Staatsschauspiel Dresden

Hochzeitstag von Friseur Itzig Finkelstein und seiner Frau Mira im neugegründeten Staat Israel unter Holocaustüberlebenden. Was niemand wissen darf: Iztig Finkelstein war nicht Gefangener im Konzentrationslager, er ist der SS-Mann und Massenmörder Max Schulz. Mit einem Beutel voller Goldzähne und einer gestohlenen jüdischen Identität reist er nach Palästina aus und macht sich im Kampf um den jüdischen Staat verdient. Eine groteske Geschichte, die vermag, mit Übertreibung und Zuspitzung den Unvorstellbarkeiten des Realen näher zu kommen, als es Realismus könnte.

MIT Franziskus Claus, Daniel Séjourné / REGIE Monique Hamelmann / BÜHNE, KOSTÜM Nadja Hensel / LICHT Olivia Walter / DRAMATURGIE Janny Fuchs

www.hilsenrath.de
By arrangement with Literarische Agentur Mertin Inh. Nicole Witt e. K., Frankfurt a. M, Germany
Szenenfotos © Sebastian Hoppe

Montag, 14. Juni

Schulprojekt Theaterkritik: Tilman Arndt "Grotesk, aber berührend"

Bensheim. „Was bleibt einem schon übrig, als seine Identität so mühelos abzustreifen wie eine SS-Uniform?!“ Passend zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz hat ein junges Team des Staatsschauspiels Dresden unter der Regie von Monique Hamelmann und Dramaturgin Janny Fuchs im Februar 2020 „Der Nazi & der Friseur“ uraufgeführt.

Das Stück ist eine Bühnenadaption des gleichnamigen Romans von Edgar Hilsenrath, einem jüdischen Holocaust-Überlebenden. Im Rahmen der Woche junger Schauspieler konnte man am Montagabend im Stream die Aufzeichnung einer überarbeiteten Version erleben, die die klassischen Bühnenszenen durch Videoeinspieler und filmische Mittel bereicherte.

„Der Nazi & der Friseur“ erzählt die Lebensgeschichte des KZ-Wächters Max Schulz, der zur Rettung des eigenen Lebens am Ende des Krieges die Identität seines von ihm ermordeten jüdischen Jugendfreundes Itzig Finkelstein annimmt. Als „Startkapital“ für sein „neues Leben“ dient ihm eine Kiste voller Goldzähne - in der Inszenierung symbolisiert durch allgegenwärtiges Popcorn. Die verschiedenen Stationen seines Lebens werden hier in nicht streng chronologischer Reihenfolge dargestellt.

Max (alias Itzig) entwickelt sich dabei vom durchtriebenen, letztendlich gescheiterten Schwarzmarkthändler in West-Berlin über einen zionistischen Widerstandskämpfer in Palästina zum angepassten Friseur und Ehemann im neu gegründeten Staat Israel. Die Handlung mündet in eine fingierte Gerichtsverhandlung: Kann es für einen Massenmörder eine Strafe geben, die die Opfer oder ihre Hinterbliebenen zufriedenstellt? Wie auch der Roman, aus dem einzelne Passagen in der Aufführung rezitiert werden, so spielt auch die Inszenierung mit überzogenen Klischees, Vorurteilen und teils grotesken Übertreibungen.

Trotz der offensichtlich absurden Handlung gelingt es Daniel Séjourné, Max Schulz charakterliche Tiefe und Authentizität zu verleihen. Unterstützt wird er dabei von Franziskus Claus, der in beeindruckender Variabilität in Haltung, Sprache und Dialekt mit großer Spielfreude alle anderen Rollen übernimmt. Sparsam, aber gezielt eingesetzte Requisiten und ein einfaches aber variables Bühnenbild unterstützen die beiden harmonisch miteinander agierenden Schauspieler. Die Lebendigkeit der Inszenierung wird zusätzlich unterstützt durch den Wechsel der gezeigten Bildausschnitte - von der klassischen Theaterzuschauerperspektive bis hin zu gezoomten Detailaufnahmen.

Die zusätzlichen Möglichkeiten, die ein „Theater-Stream“ bietet, werden somit als bereichernde Unterstützung genutzt. Dennoch vermissen sicherlich nicht nur die Akteure den unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum. Auch als Zuschauer, der an diesem Abend zwischen Entsetzen über das Grauen des Berichteten und Lachen über teils komische Situationen schwankt, sehnt man sich nach einem „echten“ gemeinsamen Theatererlebnis.

Dem gesamten Team ist es mit „Der Nazi & der Friseur“ gelungen, die Thematik des Holocausts aus der Täterperspektive auf ungewöhnliche Weise lebendig und berührend zu beleuchten. Ein Theaterabend, der sicherlich bei vielen noch lange nachwirken wird!

Tilman Arndt, Altes Kurfürstliches Gymnasium BensheimB

15

Juni

2021

Das Gesetz der Schwerkraft

von Olivier Sylvestre
Staatstheater Kassel

Der Pfad zum Erwachsenwerden ist alles andere als gerade. Vor allem wenn man, wie Fred, ständig umzieht. Zum Glück trifft er Dom, der genau wie Fred vierzehn und trotzdem ganz anders ist. Dom verkleidet sich als Pop-Sängerin mit Schnurrbart, wäre auch gerne ein Kaktus oder eine Möwe. Auch Fred fühlt sich unwohl in seiner Haut. Als wäre es als Heranwachsender nicht schon schwer genug, müssen sich beide mit  Kommentaren auf ihren Profil-Seiten und im echten Leben herumschlagen. Wenn man wenigstens mit dem eigenen Spiegelbild nicht auf Kriegsfuß stehen würde … einfühlsam wird von den Unwägbarkeiten einer Welt erzählt, die zwischen männlich und weiblich nicht viel kennt.

MIT Marius Bistritzky, Tim Czerwonatis / REGIE Martina van Boxen / BÜHNE, KOSTÜM Sibylle Pfeiffer / KOMPOSITION Manuel Loos / ANIMATIONEN Katrin Nicklas / DRAMATURGIE Julia Hagen
Szenenfotos © Marina Sturm

Dienstag, 15. Juni

Schulprojekt Theaterkritik: Paula Lucia Schulze "Sensibles Thema einfühlsam gespielt"

Bensheim. Dass „Das Gesetz der Schwerkraft“ mehr als nur Einsteins Relativitätstheorie und Planetenbewegung ist, beweist Olivier Sylvestre in seinem Stück. Denn damit hinterfragt der kanadische Autor die gesellschaftlichen Normen und setzt sich mit dem Wunsch nach Akzeptanz und Selbstfindung auseinander. Im Rahmen der Woche junger Schauspieler wurde das Stück online als Live-Stream präsentiert.

Die Coming-of-Age-Story wird aus der Perspektive des 14-jährigen Teenagers Fred (Marius Bistritzky) erzählt. Fred zieht oft um und hat Schwierigkeiten Anschluss zu finden, bis er in seiner neuen Heimatstadt den gleichaltrigen Dom (Tim Czerwonatis) kennenlernt.

Dom ist nicht so wie alle anderen Jugendlichen: Er verkleidet sich gerne, um in die Rollen anderer zu schlüpfen und um mal aus seiner Haut zu kommen. Seine Kostüme beinhalten Tiere, aber auch Gegenstände und Pop-Sängerinnen mit Schnurrbart.

Auch Fred fühlt sich in seinem Körper unwohl und weiß nicht so recht, wo sein Platz im Leben ist und wer er selbst überhaupt ist. Wenn wenigstens die Mitschüler die beiden in Ruhe lassen würden…

Vor der Vorstellung gab es ein kurzes Interview mit Sylvestre, welches trotz seiner französischen Muttersprache auf Deutsch geführt wurde. Hier erzählte der Autor von seiner Inspiration für das Stück: Es basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit und beschreibt die Geschichte von einem seiner Kollegen, der selbst eine Geschlechtsangleichung durchlebt hat.

Dass Sylvestre das Thema nicht willkürlich aufgreift, zeigt sich durch die realistischen Dialoge der Figuren, die teilweise mit etwas Witz gespickt sind, um die ernste Thematik nicht allzu düster zu gestalten. Zudem glänzen die beiden Schauspieler Czerwonatis und Bistritzky mit ihrer darstellerischen Leistung: Sie treten in ihren Rollen äußerst emotional auf, was an den ein oder anderen Stellen durchaus Gänsehaut auslösen konnte.

Das ungewohnte Online-Format offenbart uns eine neue Möglichkeiten, Theater kennenzulernen. Überraschenderweise wurde nicht nur in Normalansicht als „One Take“ gefilmt. Es gibt viele Schnitte und stellenweise auch Großaufnahmen von bestimmten Gesten oder dem gerade sprechenden Schauspieler. Dies unterstützt die Handlung sehr gut, erinnert aber eher an einen Film, der wie ein Theater gedreht wurde.

Das große Thema Homo- und Transsexualität bringt Martina van Boxen mit dem Jungen Staatstheater Kassel einfühlsam auf die Bühne, berichtet auch die Jury der Woche junger Schauspieler. Die Vielfalt der Sexualität ist immer noch ein empfindliches Thema und wird viel zu selten besprochen. Die Wenigsten wissen von mehr sexuellen Orientierungen als Hetero-, Homo- und Bisexualität. Und wenn dann auch noch von Gender-Identität und Gender-Ausdruck die Rede ist, trifft man oft nicht nur auf Unwissen, sondern auch auf Unverständnis.

Dabei bemerken die Betroffenen schon früh im Kindesalter, dass sie „anders“ sind, die gesellschaftlichen Erwartungen hingegen versuchen aber, sie in eine vorbestimmte Geschlechterschublade zu stecken.

Hat man eine Tochter, kauft man ihr Puppen und zieht ihr rosa Kleidchen an. So ist es halt, und wird es auch immer sein. Oder nicht?

Beim Thema Homosexualität wurde die letzten Jahre schon viel getan. Selbst der Papst hat sich inzwischen für eine Anerkennung ausgesprochen, dennoch steht Homosexualität immer noch in acht Staaten unter Todesstrafe und in vierzehn weiteren droht eine lebenslängliche Gefängnishaft.

Aber was hat das Ganze jetzt mit der Schwerkraft zu tun? Nun – mit diesem sensiblen Thema setzen sich Fred und Dom über bisher alle bekannten Gesetze hinweg, einschließlich den veralteten Gesellschaftsnormen.

Paula Lucia Schulze, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

Schulprojekt Theaterkritik: Lisa Gesue "Wir werden nie wie alle anderen"

Bensheim. Wer bin ich? Und wer darf ich sein? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Jugendstück „Das Gesetz der Schwerkraft“, welches im Rahmen der Woche junger Schauspieler:innen am 15. 06. 2021, allerdings nur als Online-Stream, vorgestellt wurde. Das Stück nimmt uns mit auf die Reise des Erwachsenwerdens und bricht mit Rollenklischees und Geschlechternormen.

Fred zieht oft um, was ihn zum Außenseiter macht. Aufgrund dessen ist er oft allein. Das ändert sich als er Dom trifft. Dom ist auch oft allein. Trotzdem ist er nicht wie Fred. Dom weiß nicht wer er ist oder wer er sein darf. So fühlt er sich unwohl in seiner Haut, er will manchmal gerne eine Möwe sein. Wenngleich er körperlich als Mädchen geboren wurde, wusste er eigentlich schon immer, dass er kein Mädchen ist. Deshalb hat Dom die Pronomen er/ihm angenommen, trägt ausschließlich maskuline Kleidung und trotzdem fühlt er sich nicht wie er selbst: „Ich will hin und herwechseln können, beides gleichzeitig sein oder weder das eine noch das andere, ganz nach Lust und Laune.“ Diese Gemeinsamkeit haben die beiden 14-jährigen Protagonisten dann doch: die Suche nach dem eigenen Selbst. Denn Fred schminkt sich und trägt gerne hautenge Hosen. „Das Gesetz der Schwerkraft“, geschrieben von dem kanadischem Autor Olivier Sylvestre, nimmt uns mit in die Welt zweier Jugendlicher und beschreibt zwei äußert vielschichtige Charaktere.

Das moderne Stück wurde zutiefst berührend und nachdenklich von Martina van Boxen, der Leiterin des jungen Staatstheaters Kassel, und ihrem Team inszeniert. Kreativ wird hier mit der Corona-Situation umgegangen und es ist ein Stück ganz für den digitalen Raum entstanden. Die Schauspieler interagieren mit der Kamera, es kommen Musik und Animation (Katrin Nicklas) zum Einsatz, hier balanciert man an der Grenze zwischen Film und Theater.

Leere, damit empfängt uns die Bühne. Eine Leere die uns das ganze Stück begleiten wird. Das Bühnenbild (Sibylle Pfeiffer) ist ganz in schwarz gehalten und lenkt damit den Blick auf die Schauspieler. Und das ist auch gut so, den Zuschauer:innen wird nicht viel Zeit für ein Nachdenken oder Innehalten gelassen. Gleich zu Beginn ist er:sie mitten im Geschehen und dennoch verliert das Publikum den roten Faden nicht. Und dies, trotz der diversen Themen, die das Stück abdeckt – Verlust, Drogenkonsum, Mobbing, Identität, Erste Liebe – beinah zu viel für ein Stück, so scheint es. Dabei bildet der Mittelpunkt der Inszenierung eine Brücke in einer kleinen Stadt. Hier begegnen sich Fred und Dom immer wieder, unterhalten sich, ziehen sich an und stoßen sich auch immer wieder ab. Realistisch wird hier eine bewegte Freundschaft beschrieben. Auch wenn es manchmal so wirkte, als würde das Stück in die Übertreibung abdriften, gehört jede Szene spürbar zu einem Gesamtbild. Die fast ausschließlich dialogische Inszenierung wird auf den Schultern von nur zwei Rollen getragen, das lässt Raum für Entwicklung und Tiefe, birgt aber auch eine Herausforderung für die Schauspieler. Diese Herausforderung meistern Marius Bistritzky (Fred) und Tim Czerwonatis (Dom) mit Bravour. Sie interagieren auf eine tief menschliche Art miteinander und scheinen mit ihrer Rolle zu verschmelzen. In knapp 65 Minuten erzählen Fred und Dom ihre Geschichten, die zu einem großen Ganzen gehören, nämlich zu der Frage, wie das gehen soll, dieses „normal sein“.

Oliver Sylvesters Jugendstück thematisiert eine Problematik, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene betrifft. Worte wie homosexuell, transgender, intersexuell oder LGBTQ+ fallen in dem Stück nicht. Subtil, sensibel und bei aller Übertreibung realistisch stellt „Das Gesetz der Schwerkraft“ nichts Geringeres, als unsere Gesellschaft in Frage.

Lisa Gesue, Ates Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

17

Juni

2021

Wer hat meinen Vater umgebracht

nach dem Roman von Édouard Louis
Theater Münster

Édouard Louis erzählt vom Heranwachsen in der französischen Provinz, gefangen in brutalen Verhältnissen, seiner Homosexualität und dem Wunsch, das enge Milieu zu verlassen – was schließlich zum Bruch mit der Familie führt. Nun versucht er das Verhältnis zum Vater aufzuarbeiten. Dessen Gesundheitszustand ist erschreckend desolat ebenso wie das politische System Frankreichs, was er zum Anlass nimmt zu schlussfolgern, dass die regierenden Eliten der letzten Jahrzehnte seinem Vater mit ihrer neoliberalen Politik und dem damit einhergehenden Sozialabbau das Rückgrat gebrochen hätten. Louis’ Abrechnung mit den Präsidenten und die gleichzeitige Aussöhnung mit seiner Familie ist eine provozierende Attacke gegen das politische System und ein aufwühlendes Vater-Sohn Drama.

MIT Joachim Foerster / REGIE Michael Letmathe / MUSIK Fabian Kuss / VIDEO Daniel Ortega Macke / DRAMATURGIE Sabrina Toyen

© 2018 Édouard Louis, all rights reserved; S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Szenenfotos © Oliver Berg

Donnerstag, 17. Juni

Schulprojekt Theaterkritik: Kim Endler "Fesselndes Vater-Sohn-Drama"

Fesselndes Vater-Sohn-Drama

Bensheim. „Wenn ich mich unserer Straße näherte, dann dachte ich jeden Tag an seinen Wagen und ich betete in meinem Kopf: Bitte lass ihn nicht da sein!“ Mit diesen Worten beschreibt Édouard Louis die Beziehung zu seinem Vater. Im Zuge der Woche junger Schauspieler präsentierte das Theater Münster die Inszenierung des autobiografischen Romans „Wer hat meinen Vater umgebracht“. Die Regie des Theaterstücks führte hierbei der junge Theaterregisseur und Dramaturg Michael Letmathe, welcher sich selbstsicher an den erst 2019 publizierten essayistischen Roman wagte.

„Wer hat meinen Vater umgebracht“ ist der letzte von drei Romanen, die sich mit Louis’ Leben befassen. Im finalen Teil kehrt der junge Ich-Erzähler zurück in seine Heimat und trifft dort auf seinen alten und kranken Vater. Durch seine Ausbildung gelingt es ihm, sich von der Unwissenheit, Gewalt und Homophobie loszulösen. Er beginnt nun, bei seiner Rückkehr die tiefe Verbitterung seines gebrochenen Vaters zu verarbeiten. Es stellt sich für ihn, durch die Reflexion seiner Kindheit, die Frage, wer seinen Vater umgebracht hat.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass sein Vater im falschen Leben gefangen ist, das durch die gesellschaftlichen Normen und politischen Einflüsse fremdbestimmt wurde. Das Vater-Sohn-Drama wird im Laufe der Inszenierung zu einer Anklageschrift gegen die französischen Regierungspräsidenten der vergangenen 15 Jahre.

Die Inszenierung von Michael Letmathe ist ein gelungener Monolog des Autors, der von Joachim Foerster sehr überzeugend verkörpert wird. Der junge Schauspieler schafft es, mit vielerlei Talenten zu überzeugen. Schauspiel, Gesang, Tanz – und das alles mit einer faszinierenden Sicherheit. Im gesamten Stück gelingt es ihm, die Zuschauer mit seinen Handlungen zu fesseln, ohne dabei jemals den Bezug zum Plot zu verlieren. Mit Leichtigkeit bringt er einem die Hassliebe zwischen Vater und Sohn nahe, indem er die Vielschichtigkeit dieser komplizierten Beziehung durch eine beeindruckende Variabilität der dargestellten Emotionen zeigt.

Zu Beginn der Inszenierung präsentiert er sich dem Publikum als schüchterner und verletzlicher Protagonist, im Verlauf des Stückes steigert er sich stückweise zu einer kochenden Aggressivität und Stärke. Diese nimmt im Laufe des Stückes immer mehr zu, als würde er an Selbstbewusstsein gewinnen. Obwohl das Theaterstück aufgrund der Corona-Situation als Online-Format stattfand, musste man als Theaterliebhaber auf nichts verzichten. Die gekonnte Kameraführung machte es möglich, das Geschehen aus mehreren Perspektiven zu verfolgen und sogar Gestik und Mimik des Schauspielers zu verdeutlichen. Die Inszenierung überzeugte besonders durch ihre Vielfalt, die zum einen aus Tanz und Gesang besteht, aber auch durch Bildschirme im Hintergrund der Bühne hergestellt wird. Auf den drei Bildschirmen ist der Schauspieler selbst zu sehen. Jeder dieser drei Bildschirme steht symbolisch für die Entwicklung der Hauptfigur in den drei Romanen. So stellt der Regisseur wunderbar die Entwicklung des Protagonisten dar, da jeder Bildschirm eine andere Emotion zum Ausdruck bringt.

Der emotionale und packende Plot zeigt im Laufe des Stückes auf beeindruckende und subtile Weise die gesellschaftlichen Probleme des Frankreichs der 2000er Jahre. Beispielsweise wurde der Protagonist , weil er „anders“ war, seit seiner Kindheit nicht von seinem Vater akzeptiert. Dieser empfand seinen Sohn als zu weich, zu weiblich, zu schwul. Lieber wäre ihm ein maskuliner Sohn mit anderen Interessen gewesen. In der Inszenierung wird dies durch eine immer wiederkehrende Szene deutlich. Bei einer Feierlichkeit im Elternhaus hat der junge Protagonist die Idee, mit den anwesenden jungen Kindern ein Musikvideo der Band Aqua nachzuspielen. Er selbst verliert sich förmlich in dieser Idee, überlegt sich eine aufwendige Choreografie und präsentiert das Ganze als Leadsängerin der Band den anwesenden Erwachsenen. Voller Stolz und Aufregung erhofft er sich positive Resonanz seines Vaters, doch auch nach mehreren Aufforderungen, sein Vater solle ihm doch zuschauen, wendet dieser sich ab, anstatt seinen Sohn zu unterstützen. Dieses prägende Erlebnis stellt den Erzähler immer wieder vor die Frage, was er falsch gemacht habe und weshalb sein Vater ihn nicht unterstützte.

Die Antwort ist leicht. Es ist nicht der kleine Junge, der einen Fehler gemacht hat, indem er seine Interessen auslebt, es ist der Vater, der, im falschen Leben gefangen, alles ablehnt, was nicht der gesellschaftlichen Norm der damaligen Zeit entspricht.

Dieses wiederkehrende Thema der misslungenen Aufführung aus der Kindheit zieht sich durch die gesamte Inszenierung. Immer wieder geht der Erzähler ans Klavier, spielt ein paar Takte und verwirft seinen Plan dann wieder, bis er den Mut geschöpft hat, die Aufführung seiner Kindheit, mit der durch die Jahre gewonnenen Reife, zu präsentieren. Und so gelingt es ihm, dem Publikum den wohl bekanntesten Aqua-Song „Barbie Girl“ vorzuspielen.

Diese bange Frage nach der eigenen Identität ist auch heute noch aktuell. Wie zeitgemäß sind diese Geschlechternormen wirklich noch? Machen weibliche Züge einen Mann wirklich unmännlich? Die Inszenierung zeigt uns auch hier, dass beidem nicht zuzustimmen ist. Der Schauspieler tanzt am Ende des Stückes in einem schwarzen Kleid mit offenem Rücken. Seine Bewegungen sind sanft und kontrolliert, er wirkt unnahbar. Trotz des weiblich konnotierten Kleidungsstückes wirkt er dennoch männlich. Denn Kleider machen weder Leute noch Geschlechter. Das lernen wir nach einem sehr gelungenen Theaterabend!

Kim Endler, Ates Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Felix Krampff "One-Man-Show voller Emotionen"

One-Man-Show voller Emotionen

Bensheim. Bezwingende Gewalt. Das ist nicht nur Stichwort für Michael Letmathes Inszenierung des Romans Édouard Louis’ „Wer hat meinen Vater umgebracht“, sondern besonders für die überwältigende schauspielerische Leistung von Joachim Foerster, der die Gedanken des Édouard Louis verkörpert und für den Zuschauer in allen Emotionen spürbar macht.

Die junge Romanvorlage erschien 2018, als Vollendung einer Trilogie, in welcher der Autor Édouard Louis sich den familiären Problemen seiner in ärmlichen Verhältnissen stattfindenden Jugend reflektierend stellt. Als stets kritischer Streitpunkt steht zwischen ihm und seinem konservativen Vater die Homosexualität. Gewalt, Homophobie und Rassismus bestimmen das Leben in Frankreichs sozial schwachen Gegenden. Sozialer Aufstieg ist aufgrund mangelnder Bildung auch nicht so leicht. Nach einem Arbeitsunfall des Vaters, der ihn einige Monate ans Bett fesselt, ist die Familie komplett auf soziale Transferzahlungen des Staates angewiesen. Stärker denn je merkt sie die Belastungen einer zunehmend neoklassischen französischen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Der Gesundheitszustand des Vaters steht für die fortschreitende Desozialisierung Frankreichs, die bis zum Rückgratbruch des Vaters führt. „Macron stiehlt meinem Vater das Essen vom Teller“, welches für den von der Politik beigeführten „verfrühten Tod“ sozial Schwacher sorgt.

Nach erfolgreichem Ausbruch, weg von seiner Familie, hinein in die Bildungselite, kam es zu einem versöhnenden Gespräch, welches durch Édouard Louis (Joachim Foerster) packend erzählt wird. Das Politikdrama, das tief in der Vater-Sohn-Beziehung verschlüsselt ist, wird spannenderweise lediglich von einem Schauspieler in einem Monolog dargestellt. Dabei wechselt der vielseitig gestaltete Monolog stets auf erfrischende Weise zwischen Sprache, Gesang, Musik und Tanz. Die Bühne ist ein weiter schwarzer Raum mit zwei stets lila bestrahlten Projektionsflächen. Dabei gibt die Farbprägung den eigentlichen Ort des Geschehens – die Psyche bzw. die Gedanken Édouard Louis’ wieder.

Gelungene Szenen, wie die Nachstellung einer Aufführung der Musikgruppe Aqua, die stets mit der Ablehnung des Vater wegen der vermittelten Homosexualität endete, stechen nicht nur durch die hervorragende Bildsprache heraus, welche hier durch gebrochene Akkorde (meist in Moll) die Gefühlswelt des vom Vater enttäuschten Jungen zeigt, sondern vor allem durch die ausdruckstarke Verkörperung, welche sich jede Emotion anmerken lässt, welche zur brutalen Glaubwürdigkeit führt und der Inszenierung Moderne und Realitätsnähe verleiht.

Im Verlauf der Darstellung werden zusätzlich zum physisch anwesenden Schauspieler noch zwei Videos vom Protagonisten auf die lila Projektionsflächen geworfen, was zu einer spannenden Erzählform führt. Möchte man dem Regisseur folgen, so stehen die zwei Projektionen jeweils für einen Erkenntnisgrad in dem Verlauf der Versöhnung mit seiner Familie, entsprechend den Vorläufer- Romanen. Dies ist für den unvorbereiteten Zuschauer nicht so einfach ersichtlich, viel eher vermittelt es das Bild eines kleinen Teufelchens, das stets von den negativen Gedanken berichtet.

Die Umsetzung des Livestream-Formates des Theater Münster wurde in den Belangen der Musik- und Perspektivengestaltung passend genutzt. Lediglich gab es kleine technisch verursachte Probleme, wie das stetige Pulsieren des Fokus der Kamera, gerade zu Anfang. Auch das Mikrofonrauschen hat man zum Vorteil der Zuschauer weitestgehend versucht zu entfernen. Dies hat leider dazu geführt, dass Tonspuren im Schnitt verrutscht sind und somit Asynchronitäten hervorgerufen haben.

Ich ziehe den Hut vor der ca. 1,5 stündigen One-Man-Show voller Emotionen und Authentizität. Auch jedem politisch Interessierten, besonders in Bezug auf die französische Gelbwesten-Bewegung, empfehle ich die Inszenierung. Sie bietet Einblicke in die Situation des Lebens der Schwächsten unserer Gesellschaft, die man sonst nicht bekommen hätte, welche, folgt man den Worten des am Ende veränderten und verständnisvollen Vaters, nur in einer Revolution überwunden werden kann.

Felix Krampff, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

18

Juni

2021

Werther

Nach J. W. von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, Fassung Brit Bartkowiak, Boris C. Motzki
Staatstheater Mainz

Werther verliebt sich in Lotte. Doch Lotte ist mit Albert verlobt, der angenehm, aber langweilig ist. Werther will sich nicht in die Beziehung einmischen, zumal er glaubt, Lotte ohnehin mit seinen heftigen Gefühlen überfordert zu haben. Er zieht sich zurück, kehrt aber wieder zurück und hofft auf einen Neuanfang mit Lotte –  doch sie ist inzwischen mit Albert verheiratet. Leidenschaftlich verliebt, drängt sich Werther erneut in Lottes Leben. Er kann die Ehe nicht akzeptieren, an der Lotte festhält – eine ebenso spannungsgeladene wie ausweglose Situation.

MIT Julian von Hansemann, Lisa Eder, Denis Larisch / REGIE Brit Bartkowiak / BÜHNE Hella Prokoph / KOSTÜM Carolin Schogs / MUSIK Ingo Schröder / VIDEO Kai Wido Meyer / LICHT Stefan Bauer / DRAMATURGIE Boris C. Motzki
Szenenfotos © Andreas Etter

Freitag, 18. Juni

Schulprojekt Theaterkritik: Erin Yildirim "Das Ende bleibt der Freitod"

Das Ende bleibt der Freitod

„Uuuhuu, nobody knows it“. Elton John als Teil eines Sturm und Drang-Stückes? Zwei Begriffe, die man für gewöhnlich nicht in Verbindung bringt. Das Staatstheater Mainz schafft es mit seiner online gestreamten Inszenierung des 1774 veröffentlichten Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe, Altes mit Neuem zu vereinen.
Unter der Regie von Brit Bartkowiak und der Dramaturgie von Boris C. Motzki gelingt dem Theater aus Mainz ein erfolgreicher Abschluss der Woche junger Schauspieler*innen in Bensheim.
Werther lernt Lotte an einem Tanzabend kennen und fühlt sich noch am selbigen zu ihr hingezogen. Sie tanzen und verstehen sich gut, bis Lotte ihm von ihrer Verlobung mit Albert erzählt. Kurzzeitig scheint die Beziehung zwischen den dreien zu funktionieren, bis es die ersten Konflikte gibt: Werther will Lotte für sich allein, erkennt jedoch die Aussichtslosigkeit seiner Situation und reist ab. Als er aus Sehnsucht zu Lotte zurückkehrt, erfährt er von der Heirat zwischen ihr und Albert. Werther sieht nur einen Ausweg aus dieser enttäuschten Liebe.
Die Inszenierung baut sich nach und nach auf. Der Zuschauer trifft anfangs auf ein scheinbar unfertiges Bühnenbild, an dem die drei Schauspieler Julian von Hansemann (Werther), Lisa Eder (Lotte) und Denis Larisch (Albert), ständige Veränderungen vornehmen. Die Atmosphäre eines Improvisations-Theaters wird kreiert. Die Darsteller sind noch keinen festen Figuren zugeordnet, haben Alltagskleidung statt Kostüme an, spielen Musik selbst ein, führen die Kamera und sorgen sogar für Effekte wie Nebel und Vogelgesang. Das Dreiergespann bietet dem Betrachter verschiedene Perspektiven. Sei es durch Zitieren aus dem Briefroman, durch subjektives Kommentieren am Original oder durch improvisiertes Schauspiel. In dieser modernen Fassung des Klassikers von Goethe mangelt es also nicht an Kreativität.

Während Denis Larisch noch eine Szene zuvor einen Monolog von Werther aus dem Jahr 1771 zitiert, sinniert er als Albert in der nächsten auf moderne Weise über Liebe und Treue: „Ich find dich schon sexy… aber das mach ich nicht, weil ich treu bin“.

Bartkowiaks Trio, von Hansemann, Eder und Larisch, gelingt die Umsetzung der modernen Bühnenadaption durch eine vielseitige schauspielerische Leistung. Besonders Julian von Hansemann, der im Verlauf der Handlung die Rolle des Werther annimmt, glänzt durch seine wandelnde Dynamik. Die inneren Konflikte und die stets wachsende Unzufriedenheit seiner Figur bringt er am Ende der Inszenierung glaubhaft zum Höhepunkt. Mit schwarzer Farbe beschmiert, entkleidet und hängend an einem imaginären Kreuz beendet Werther mit den Worten „Albert mach‘ den Engel glücklich“ sein Leben. Während das Licht zuvor die ganze Bühne beleuchtet, ist es in dieser Szene nur auf Julian von Hansemann gerichtet, was der Atmosphäre im Schlussakt mehr Dramatik verleiht.

Das Staatstheater Mainz präsentiert mit dieser aktuellen Fassung des Werther eine durchaus besondere Theateraufführung. Ein Musikmix aus Neuer Deutscher Welle und British Pop begleitet die Darbietung, die ständig wechselt zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert. Ein Einkaufswagen dient als Kutsche und die Schauspieler singen Karaoke zu Elton Johns „Don’t Go Breaking My Heart“.

Etwa genauso neuzeitlich wie Cosmea Spellekens außergewöhnliches „werther.live“, trotzdem ganz anders. Die Übersetzung des Briefromans von J. W. von Goethe in die Moderne lässt – fast 250 Jahre später – immer noch viel Raum für Interpretation.

Das Mainzer Ensemble um Brit Bartkowiak und Boris C. Motzki beendet somit die Woche junger Schauspieler*innen mit einer sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Version des Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“. Eine Ménage-à-trois, derer sich vermutlich noch viele Dramaturgen annehmen werden.

Erin Yildirim, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprotjekt Theaterkritik: Ferhat Bawer Ertas "Vulkanausbruch aus sicherer Distanz"

Vulkanausbruch aus sicherer Distanz

„Don´t go breaking my heart” trällert das komische Trio als Karaoke-Song von einer Bühne, deren Bild ein bisschen „messy“ wirkt. Aber geht es in diesem Stück nicht um die „Leiden des jungen Werthers“, um Liebeskummer, um Herzschmerz, der durch das Lied von Elton John ganz schräg in unsere einsamen Zeiten tönt? Sollte es nicht Werther sein, der zu Lotte singt, ihm doch bitte nicht das Herz zu brechen?
Vielleicht lässt sich diese Frage beantworten, nachdem man den neuen Anstrich von Goethes Briefroman, frei nach der Regisseurin Brit Bartowiak und dem Dramaturgen Boris Motzki als Live-Stream bestaunt hat. Dieser wurde am Freitag, den 18.06.21 im Rahmen der 26. Woche Junger Schauspielerinnen und Schauspieler ganz ohne Publikum auf die Bühne gebracht. Gleich zu Beginn der Vorstellung stolpert ein Schauspieler tollpatschig auf die Bühne. Ganz verwirrt stottert er: „Vorstellung? Jetzt? Wir haben doch ne Probe angesetzt?“ Alles scheint unvorbereitet, die Kollegin und der Kollege tröpfeln erst später ein… Spontan müssen sie nun auch den Job der Regisseurin übernehmen, ihre Rollen festlegen und das Bühnenbild mehr oder weniger selbst gestalten? Improvisation ist jetzt angesagt! Dann geschieht die nächste „Panne“ - das Ende des Stücks wird „versehentlich“ als Filmszene auf eine große Leinwand projiziert… es wird also „gespoilt“ – doch die Schüler kannten es ohnehin bereits. Allmählich wird das Publikum – dank zahlreicher moderner, poppiger und flippiger Einlagen und Requisiten in die Gefühlswelt des zunächst himmelhochjauchzenden und später zu Tode betrübten Werthers geführt. Dieser hat sich unsterblich in seinen „Lotte-Engel“ verliebt, der aus einer weißen Wolke auf ihn zu schwebt. Ob die Verliebten bei ihren Dates im Einkaufwagen Pirouetten drehen, im Regen singen und tanzen oder Lotte von sich selber mit einer funkelnden Kamera Videos auf die große Leinwand projiziert…Ihr Gesicht ist nahezu allgegenwärtig und so darf das digitale Publikum einen Blick in Werthers Kopf werfen. Als die Bühne noch hell und lichtdurchflutet, die Stimmung noch heiter und die Kostüme freundlich erstrahlen, scheint plötzlich die Dreiecks-Beziehung eine Chance zu haben. Vielleicht macht es die moderne Welt erst möglich, dass die Liebe als ein großes Geschenk in eine riesige glitzernde Schleife eingewickelt auch zu Dritt genossen werden kann? Aber auch das „Happy Birthday“, dass Lotte und der doch nicht ganz so brave Albert für Werther singen, kann das aufkeimende Leid des einsamen Mannes nicht stillen. In einer „herzzerreißenden“ Mondscheinszene verabschiedet sich Werther von seinen Freunden, um ihrer Liebe nicht im Wege zu stehen.

Doch kurz nach Lottes Eiszeit wird es immer schwärzer – das Bühnenbild – sowie die Kostüme. Fernvon ihr nimmt der verzweifelt Verliebte eine trostlose Tätigkeit auf. Dabei tobt sich Werther künstlerisch aus. Mit schwarzer Farbe zeichnet er die Umrisse seiner verbotenen Liebe auf eine Leinwand. Doch als er auch den Schatten von Albert erkennt, beginnt er sich selbst zu bemalen - „Black Body Painting“ vom Feinsten. Als der Künstlernatur klar wird, dass die Gesellschaft nichts von ihm hält, beschließt er zu seiner Angebeteten zurückzukehren, obwohl er weiß, dass er in Lottes Leben immer nur die zweite Geige spielen wird. Die Bilder auf der Leinwand und auf seinem eigenen Körper sind Spiegel seines Liebeswahns, der im Suizid endet. Auch wenn das distanzierte Publikum noch kurz davor den falschen Eindruck erhält, dass Wertherseinen Konkurrenten auf brutale Weise um die Ecke bringt: Steht Albert von den Toten wieder auf? Werthers Redeanteile dominieren – doch Lotte kommt auch direkt zu Wort: Sie wehrt sich vehement dagegen, für Werther eine große Projektionsfläche zu sein und wirft ihm vor, sie nur besitzen zu wollen. Lisa Eder glänzt in ihrer Rolle der modernen Lotte genauso wie der expressive Julian von Hansemann.
Durch den Mix der poetischen Sprache Goethes mit den skurrilen, kitschigen Stilelementen aus unserer Zeit gelingt es dem Mainzer Ensemble die Gefühlswelt des Werthers so lebendig zu gestalten, dass man den Eindruck hat, einen Vulkanausbruch live mitzuerleben. Wer bestaunt diesen nicht am liebsten aus einer sicheren Distanz?

Ferhat Bawer Ertas, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

 

WJS 2020 

Die Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler feiert ihr 25jähriges Jubiläum.

Vom 4. – 31.  März findet zum 25sten Mal die „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ im südhessischen Bensheim statt: Anlass für einen Rückblick und ein Resümee der zurückliegenden Jahre mit zwei zusätzlichen Veranstaltungsformaten. Zum einen wird eine Ausstellung im Foyer des Parktheaters Bensheim alle Vorstellungen und Gastspiele und ab 2003 auch ihre Preisträgerinnen in Erinnerung rufen. Eine gute Gelegenheit, die Schauspielerinnen zu entdecken, die in jungen Jahren als vielversprechender Nachwuchs bei der „Woche“ gastierten und einige Jahre später dann als Preisträger*innen für den Gertrud-Eysoldt-Ring nach Bensheim zurückkehrten. Zum anderen wird am 13. März eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Alleskönner oder Dienstleister? – Schauspielkunst im zeitgenössischen Theater“, mit jungen und erfahrenen Schauspielerinnen und Theatermacherinnen (darunter Dörte Lyssewski, Eysoldtring-Trägerin 2003 sowie der diesjährige Kurt-Hübner-Regiepreisträger Florian Fischer) die veränderten Anforderungen an den Schauspielberuf der letzten 25 Jahre erörtern.

Die Auftaktveranstaltung findet am 4. März im Gertrud-Eysoldt-Foyer des Parktheaters statt. Nach der Vorstellung des Programms werden Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a.M. zusammen mit Prof. Dr. Dagmar Borrmann (Ausbildungsdirektorin HfMdK Frankfurt) mit kurzen Spielszenen unterhaltsame und erhellende Einblicke in ihre Ausbildung gewähren.

Auch in diesem Jahr liegt der Fokus wieder ganz auf dem Können der jungen Darsteller*innen. Der mit 3.000 Euro dotierte „Günther-Rühle-Preis“, um den die fünf Gastspiele mit außergewöhnlichen Spielweisen konkurrieren, zeichnet die beste schauspielerische Leistung im Rahmen dieses Festivals aus.

WJS 2020 (Kunstuniversität Graz)

Malade oder woanders ist auch noch

Das Programm startet gleich mit zwei Hochschulinszenierungen aus Graz und Hamburg, gefolgt von drei in Bensheim mittlerweile gut bekannten Häusern, dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Badischen Staatstheater Karlsruhe und zum Abschluss dem Nationaltheater Mannheim.

Zusammengestellt wurde das Programm unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dagmar Borrmann, Marlene Anna Schäfer (freie Regisseurin) und Michael Letmathe (Schauspieldramaturg Theater Münster).

Veranstalter der „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ ist die Stadt Bensheim gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim und dem Land Hessen.

Schülerprojekt Theaterkritik 

Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen.

Zum fünften Mal wird die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste im Rahmen der Woche junger Schauspieler das Schülerprojekt Theaterkritik fortsetzen. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen.

Begleitet werden sie dabei von Profis aus Theaterpädagogik und Journalismus. Die Schüle*innen werden eigene Bewertungskriterien entwickeln, über die Gastspiele diskutieren und ihre Kritiken mit schlüssigen Argumenten formulieren. In Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger werden Kritiken in dessen Printausgabe sowie online  veröffentlicht. Bei Facebook Instagram und auf einem Blog hat die Projektgruppe "bespielt"

Daneben wird es eine Jurygruppe geben, in der Schüler*innen verschiedener Schulen vertreten sein sollen. Am Ende der Woche junger Schauspieler entscheiden die SchülerInnen dann in einer Diskussion, welches Gastspiel eine lobende Erwähnung von ihnen bekommt. Über ihre Entscheidung informieren sie das Publikum und die Theaterschaffenden nach dem letzten Gastspiel im Rahmen der Bekanntgabe der Preisträger für den Günther- Rühle-Preis und des Publikumsvotums und verlesen ihre Begründung.

Programm  04.03. bis 31.03.2020

04

März

2020

19 Uhr Auftaktveranstaltung

Auftaktveranstaltung & Ein Einblick in die Schauspielausbildung heute / Gespräch und Szenen

Mittwoch, 04. März, Gertrud-Eysoldt-Foyer, Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Dagmar Borrmann,  Marlene Schäfer und Michael Letmathe stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Anschließend ca. 20.15 Uhr: Ein Einblick in die Schauspielausbildung heute / Gespräch und Szenen

Prof. Dr. Dagmar Borrmann erläutert gemeinsam mit Absolventinnen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt Aspekte der Ausbildung. Präsentation von Monologen und Szenen aus dem Abschlussprogramm der Absolventinnen.

09

März

2020

Malade oder woanders ist auch noch

Von Rebekka David, Frieder Langenberger, Mario Lopatta

Montag, 09. März, Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Malade oder woanders ist auch noch (Kunstuniversität Graz)

15

März

2020

Besiegt am Feld des Lebens

Eine psychedelische Revue nach Daniil Charms

Sonntag, 15. März, Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Besiegt am Feld des Lebens (Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater in Kooperation mit dem Thalia Theater)

19

März

2020

Antigone

Von Sophokles / Rap und Spoken-Word-Texte von Aylin Celik und Uğur Kepenek aka Busy Beast

Donnerstag, 19. März, Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr : Antigone (Düsseldorfer Schauspielhaus)

22

März

2020

How to Date a Feminist

Komödie von Samantha Ellis

Sonntag, 22. März, Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: How to Date a Feminist (Badisches Staatstheater Karlsruhe)

31

März

2020

Liebe / Eine argumentative Übung & Preisverleihung

Von Sivan Ben Yishai

Dienstag, 31. März, Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Liebe / Eine argumentative Übung (Nationaltheater Mannheim)

Von Sivan Ben Yishai

ca. 22.00: Bekanntgabe der Günther-Rühle-Preisträger, des Publikums- und des Schülervotums

WJS 2019 

Jonas Steglich erhält für seine herausragende Darstellung, sein Improvisationstalent und sein feines und kluges Spiel den Günther-Rühle-Preis.

Im März 2019 fand zum 24sten Mal die „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ im südhessischen Bensheim statt. Das Festival, das 1996 vom Kuratorium der Ringebandstiftung gegründet wurde, ist ein Festival der Schauspielkunst und legt den Fokus ganz auf das Können der jungen Darsteller*innen.

Der mit 3.000,- EUR dotierte Günther-Rühle-Preis zeichnet die beste schauspielerische Leistung im Rahmen dieses Festivals aus und ging dieses Jahr an Jonas Steglich für seine herausragende Darstellung, sein Improvisationstalent und sein feines und kluges Spiel in All das Schöne vom Schauspiel Hannover.

All das Schöne überzeugte auch das Publikum - die Inszenierung aus Hannover erhielt die besten Bewertungen - und die Schülerjury, die den Abend mit ihrem Schokoladenpokal auszeichneten. Damit räumte das Gastspiel alle drei Preise ab.

Gewinner des Günther-Rühle-Preis, des Publikumspreises und des Schokoladenpokals

All das Schöne

Prof. Dr. Dagmar Borrmann (Ausbildungsdirektorin Schauspiel HfMDK,  Frankfurt), Carola Hannusch (Dramaturgin, Theater Essen) und Marlene Anna Schäfer (freie Regisseurin),  haben das Festivalprogramm zusammengestellt.

Veranstalter der „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ ist die deutsche Akademie der Darstellenden Künste gemeinsam mit der Stadt Bensheim, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim und dem Land Hessen.

Programm  07.03. bis 29.03.2019

07

März

2019

Auftaktveranstaltung & Im Herzen der Gewalt

Von Édouard Louis

Donnerstag, 07. März, Gertrud-Eysoldt-Foyer, Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Dagmar Borrmann, Carola Hannusch und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Anschließend ca. 20.15 Uhr: Im Herzen der Gewalt (Thalia Theater Hamburg)

09

März

2019

Jugend ohne Gott

Von Ödön von Horváth — in einer Fassung von Kristo Šagor

Samstag, 09. März, Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Jugend ohne Gott (Düsseldorfer Schauspielhaus)

13

März

2019

Michael Kohlhaas

Nach Heinrich von Kleist

Mittwoch, 13. März, Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Michael Kohlhaas (Deutsches Nationaltheater Weimar)

22

März

2019

Draußen vor der Tür

Von Wolfgang Borchert

Freitag, 22. März, Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Draußen vor der Tür (Theater Erlangen)

29

März

2019

All das Schöne

Von Duncan Macmillan – Mitarbeit Jonny Donahoe

Freitag, 29. März
19.30 Uhr: All das Schöne (Schauspiel Hannover)
ca. 21.30 Uhr: Bekanntgabe der Preisträger für den Günther-Rühle-Preis, des Publikums- und des Schülervotums

WJS 2018 

Marina M. Blanke erhält für ihre ausgezeichnete schauspielerische Leistung den Günther-Rühle-Preis.

Der mit 3.000,- EUR dotierte „Günther-Rühle-Preis“ für eine ausgezeichnete schauspielerische Leistung ging an Marina M. Blanke für u.a. ihre Darstellung des als Hund wiedergeborenen Soldaten in der Stückentwicklung „Die Konsistenz der Wirklichkeit“ von Dimitrij Schaad und Ensemble an der Theaterakademie August Everding in München.

Gewinnerin des Günther-Rühle-Preises

Marina M. Blanke in „Die Konsistenz der Wirklichkeit“

„Marina M. Blanke gelingt eine sinnlich wie technisch herausragende Darstellung eines Hundes (...) Da werden Körper und Sprache zu einer erzählenden Kreatur, die durch den Abend führt und dabei mühelos in andere Figuren und Situationen schlüpft. (...) Mit Ihrer Verbindung von Leichtigkeit und Sinnlichkeit in der Kreatürlichkeit, Ihrem präzisen Hinübergleiten von scheinbar privater zu dargestellter Figur, fesselt sie uns und zeigt uns im besten Sinne die Fähigkeit der Verwandlung.“, so die Jury in ihrer Begründung, der in diesem Jahr Lina Zehelein (Leiterin der Abteilung und Vermittlung am Staatstheater Darmstadt), Boris C. Motzki (freischaffender Regisseur und Akademiemitglied) und Berthold Mäurer (Intendant des Parktheaters Bensheim) angehörten.

Gewinner des Schulprojektes „Theaterkritik“

Der gute Mensch von Sezuan

Die Jury des Schulprojektes „Theaterkritik“ verlieh ihren Preis der Inszenierung „Der gute Mensch von Sezuan“ von der Berliner Schaubühne in Zusammenarbeit mit der Schauspielschule Ernst-Busch Berlin.

Publikumspreis

Ellbogen

Der Publikumspreis ging an die Inszenierung der Romanadaption „Ellbogen“ vom Düsseldorfer Schauspielhaus.

Programm  05.03. bis 21.03.2018

05

März

2018

Auftaktveranstaltung & Grounded

Von George Brant, Deutsch von Henning Bochert

Montag, 05. März, Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Hermann Beil und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit Regisseuren, Dramaturgen und Schauspielern die Gastspiele und das Programm vor

Im Anschluss (ca. 20.15 Uhr): „Grounded“ (Schauspiel Frankfurt)

Die Pilotin: Sarah Grunert / Regie: Anselm Weber / Kostüm: Irina Bartels / Bühne: Raimund Bauer / Video: Bibi Abel / Musik: Thomas Osterhoff / Sound-Design: Friedrich M. Dosch / Dramaturgie: Alexander Leiffheidt

06

März

2018

Die Konsistenz der Wirklichkeit

Stückentwicklung von Dimitrij Schaad und Ensemble

Dienstag, 06. März, Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Die Konsistenz der Wirklichkeit“ (Theaterakademie August Everding, München)

Mit Maja Amme, Marina Blanke, Yasin Boynuince, Adi Hrustemovic,́ Pål Fredrik Kvale, Thea Rinderli, Ricarda Seifried, Cem Lukas Yeginer / Regie: Dimitrij Schaad / Bühne: Jana Boenisch / Kostüme: Anna Maria Schories / Dramaturgie: Alex Schaad und Lüder Wilcke

07

März

2018

Rost

Von Christian Kühne

Mittwoch, 07. März, Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Rost“ (theater der sprachfehler, Wien)

Mann: Thomas Gerber / Frau: Ina Maria Jaich/ Junger Mann: Sascha Jähnert / Regie: Andreas Jähnert / Videodesign & Licht: Christoph Skofic / Bühne: Michael Mayer / Maske: Annette Hock

11

März

2018

Der gute Mensch von Sezuan

Von Bertolt Brecht, Musik von Paul Dessau

Sonntag, 11. März, Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Der gute Mensch von Sezuan“ (Schaubühne Berlin / Eine Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin)

Besetzung: Shen Te/Shui Ta: Laura Balzer, Yang Sun/Bruder Wung: Jan Bülow, Erster Gott/Die Witwe Shin/Nichte: Mayla Häuser, Wang/Schwangere Schwägerin: Jan Meeno Jürgens, Zweiter Gott/Hausbesitzerin Mi Tzü/Kind: Tiffany Köberich, Barbier Shu Fu/Neffe: Jan Eric Meier, Dritter Gott/Frau Yang/Mutter: Lea Ostrovskiy, Lin To/Bonze/Großvater: Frederik Rauscher, Arbeitsloser/Polizist: Leander Senghas, Erzähler/Kellner/Vater: Lukas Walcher / Regie: Peter Kleinert / Bühne: Céline Demars / Kostüme: Susanne Uhl / Musik: Hans-Jürgen Osmers / Dramaturgie: Nils Haarmann

20

März

2018

Ellbogen

Nach dem Roman von Fatma Aydemir

Dienstag, 20. März, Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Ellbogen“ (Düsseldorfer Schauspielhaus)

Besetzung: Hazal: Cennet Rüya Voß; Elma/Hazalia: Lou Strenger; Gül/Hazalia: Florenze Schüssler; Ebru/Semra/Hazalia: Tabea Bettin / Regie Jan Gehler / Bühne Sabrina Rox / Kostüm Claudia Irro / Komposition Vredeber Albrecht / Dramaturgie Frederik Tidén

21

März

2018

Selbstbezichtigung

Von Peter Handke

Mittwoch, 21. März, Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Selbstbezichtigung“ (Berliner Ensemble)

Mit Stephanie Rheinsperger / Regie und Bühne: Dušan David Pařízek / Kostüme: Kamila Polívková / Licht: Stefan Pfeistlinger / Dramaturgie: Roland Koberg

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