Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Woche junger Schauspieler*innen

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Aktuelles  Woche junger Schauspieler*innen 2022

Gratulation an die Preisträger*innen!

  • LEA TAAKE und AMELIE WILLBERG erhalten den diesjährigen Günther-Rühle-Preis!

  • EIDIN JALALI erhält den Publikumspreis und den Preis der Schüler*innen-Jury!

Mit den Preisvergaben endete die Woche junger Schauspieler*innen 2022 im Parktheater Bensheim.
Der Günther-Rühle-Preis geht an Lea Taake und Amelie Willberg für ihre schauspielerische Leistung in „Die verlorene Ehre des (..)“, Folkwang Universität der Künste. Der Publikumspreis und der Preis der Schüler*innen-Jury geht an Eidin Jalali, Darsteller des „A.“ in „Die Leiden des jungen Azzlack“, Schauspiel Leipzig.

Bürgermeisterin Christine Klein gab das Votum des Publikums bekannt, im Anschluss legte die Jury der Schüler*innen gleich nach: Einen schokoladenen Pokal in die Höhe haltend, erklärten sie ihre Begeisterung für das Stück „Die Leiden des jungen Azzlack“ und seinen Darsteller Eidin Jalali. Einer kurzen Begründung für ihre Wahl folgten Statements jedes einzelnen Mitglieds – persönlich und treffend. Berührend war insbesondere die Aussage, für einige von ihnen sei „die Woche“ ihre erste Theatererfahrung gewesen. Dass ihnen Theater etwas zu sagen habe, war für die Schüler*innen nach eigener Aussage eine „tolle Erfahrung“.
Preisträger Eidin Jalali war gemeinsam mit dem Autor und Regisseur des Stückes Marco Damghani per Videokonferenz zugeschaltet. Beide waren über ihren Erfolg überrascht und erfreut.

Die Jury des Günter-Rühle-Preises, Johanna Wehner, Jasmin Maghames und Erich Henrich, würdigten die außerordentliche Leistung der beiden Schauspiel-Studierenden Lea Taake und Amelie Willberg in „Die verlorene Ehre des (..)“. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Lea Taake war mit der Regisseurin Camilla Gerstner ebenfalls per Videokonferenz zugeschaltet – aus einem Theaternebenraum –während die zweite Preisträgerin Amelie Willberg gerade für ihre Abschlussprüfung als Schauspielerin auf der Bühne stand.

Die Jury hob hervor, wie die Preisträgerinnen „als Erzählerinnen des formal strengen Lehrstücks agieren, ohne dabei vom gedanklich scharfen Vortrag ins Trockene oder plump Formalisierte abzurutschen – wie Lea Taake ihre Figur im plötzlichen Situationswechsel mit lässigem, unaufwendigem Hochstatus gegen die patriarchalische Selbstverständlichkeit ihres männlichen Gegenübers behauptet, wie Amelie Willberg unvermittelt in Rollen mit unangenehm verdrängender Energie wechselt, ohne ihre Figuren zu verraten, wie beide Spielerinnen anschließend in harten Schnitten wieder in den kühlen Bericht wechseln.“ Die Leistung der beiden Schauspielerinnen bezeichnete die Jury als „großartig“.

Vertreter*innen der Gastspiele in der Video-Zuschaltung während der Verkündung der Preise am Abend des 26.3.

Die Preisträgerinnen des Günther-Rühle-Preises 2022:

Lea Taake und Amelie Willberg

in "Die Verlorene Ehre des (..)"
von Camilla Gerstner
Folkwang Universistät der Künste
Foto Franziska Strauss

Der Preisträger des Publikumspreises und des Preises der Schüler*innen-Jury 2022:

Eidin Jalali

in "Die Leiden des jungen Azzlack"
von Marco Damghani
Schauspiel Leipzig
Foto Rold Arnold

Die 27. Woche junger Schauspieler*innen

11. – 25. März 2022: Gastspiele im Parktheater Bensheim und online als Stream!

Die 27. Ausgabe der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler findet hybrid statt!

Zeitgleich zu den Gastspielen im Parktheater Bensheim werden die Aufzeichnungen der Gastspiele im Stream und der Livestream von "möwe.live" im Netz zu sehen sein.

Karten für die Gastspiele im Parktheater Bensheim und das Streaming unter:
https://www.stadtkultur-bensheim.de/parktheater-news-reader/woche-junger-schauspielerinnen-und-schauspieler-tickets-ab-sofort-verfuegbar.html

Das Programm

  • 11.03. DIE LEIDEN DES JUNGEN AZZLACK von Marco Damghani (Schauspiel Leipzig)

  • 12.03. DIE VERLORENE EHRE DES (..) von Camilla Gerstner (Folkwang Universität der Künste Essen)

  • 22.03. FaustGRETCHEN von Bert Zander nach J.W. v. Goethe (Staatstheater Kassel)

  • 24.03. LIEBE / EINE ARGUMENTATIVE ÜBUNG von Sivan Ben Yishai (Kosmos Theater Wien)

  • 25.03. MÖWE.LIVE von punktlive nach Anton Tschechow (punktlive, Kollektiv für Digitales Theater)

Die Vor- und Nachgespräche mit den Schauspieler*innen sowie die Auftakt- und Abschlussveranstaltung werden live gestreamt.

Grusswort der Veranstalter

Verehrtes Publikum,

nachdem die Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler 2020 pandemiebedingt abgebrochen werden musste und 2021 rein digital stattfinden konnte, wollen wir in diesem Jahr Theater wieder in Präsenz erleben. Zum Wesen des Theaters gehört die lebendige Interaktion zwischen den Darstellenden und dem Publikum. Dieser Austausch schärft den Sinn für die Fragen unserer gesellschaftlichen Gegenwart. Im Spiel der Fiktionen auf der Bühne eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten alternativen Denkens und Handelns. Dies bildet die Basis eines demokratisch verfassten Gemeinwesens. Nicht nur dazu trägt das Festival bei, sondern auch dazu, dass junge Schauspieler*innen nach Zeiten der Abstinenz ihr Können zeigen dürfen und endlich wieder sichtbar werden.

Eine positive Erfahrung des Streamings vom vergangenen Jahr ist, dass es den Raum, in dem das Festival wahrgenommen werden konnte, enorm erweitert hat. Hunderte Zuschauer*innen konnten die Inszenierungen unabhängig vom Ort sehen. Daher wird es auch bei der aktuellen Ausgabe des Festivals die Möglichkeit geben, per Stream die Gastspiele zu verfolgen.

Eingeladen sind bemerkenswerte Ergebnisse junger Schauspielkunst aus Leipzig, Essen, Kassel, Wien und aus dem Netz. Die Jury - bestehend aus Prof. Dr. Dagmar Borrmann, Florian Fischer, Antonia Leitgeb und Nicolas Matthews - hat nach Sichtung einer großen Anzahl an Inszenierungen fünf Stücke ausgewählt, in denen die jungen  Schauspieler*innen talentiert, kunstfertig und energetisch zentrale Themen der Gegenwart auf die Bühne bringen: Neben anderen gesellschaftlich relevanten Fragen geht es hauptsächlich um Herkunft, Teilhabe, Diversität, Identität, Selbstermächtigung, selbstbewusste Weiblichkeit, Liebe, Partnerschaft und Gewalt. Darüber hinaus zeigen die ausgewählten Produktionen eindrucksvoll, dass schwierige Themen durchaus anrührend, humorvoll und unterhaltsam auf der Bühne verhandelt werden können.

Wir sind uns sicher, liebes Publikum, dass Sie das Programm der Woche junger Schauspieler*innen in jeder Hinsicht als Bereicherung erfahren werden.

Wertvoller Teil des Festivals ist das bereits etablierte „Schulprojekt Theaterkritik“. Die Kooperation mit Bensheimer Schulen ermöglicht Schüler*innen den theaterpädagogisch begleiteten Zugang zu Theater, eine intensive Auseinandersetzung mit Theaterstücken und die Befähigung, über Inszenierungen zu sprechen und zu schreiben. Auch hier wird also der Nachwuchs gefördert – der Nachwuchs des Theaterpublikums.

Wir danken den Förderern  des Festivals für ihre großzügige Unterstützung – dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Bensheim. Ohne sie wäre die Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler nicht möglich.

Die Veranstalter schützen Ihre Gesundheit!
Für den Besuch der Live-Veranstaltungen gelten die tagesaktuellen behördlichen Vorgaben.

Lassen Sie uns beeindruckende Theaterabende im schönen Bensheimer Parktheater erleben – wir freuen uns auf Sie!

Frau Klein, Bürgermeisterin  Stadt Bensheim
Prof. Hans-Jürgen Drescher, Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
Johannes Erich Schulz, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Bensheim

Schüler*innenprojekt Theaterkritik und Schüler*innen-Jury

Schüler*innenprojekt Theaterkritik
Im Rahmen der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler 2022 veranstaltet die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste zum siebten Mal das Schüler*innenprojekt Theaterkritik. Das Projekt bindet junge Menschen aktiv in das Festival ein. Ziel des Workshops ist es, mit den Schüler*innen in einen intensiven Austausch über eine ausgewählte Theaterinszenierung zu kommen – und gemeinsam mit ihnen die verschiedenen Formen der Kulturkritik im Off- und Online-Bereich zu erproben.

Ein Deutschkurs des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums begleitet das Festival als Kernprojektgruppe und wird Vorberichte und Kritiken zu den Aufführungen des Festivals verfassen. Neben ihren Lehrer*innen werden sie dabei von dem Theaterpädagogen und Regisseur Raphael Kassner und der Kulturbloggerin Lena Kettner begleitet.

In Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger werden Vorberichte sowie einzelne Kritiken der Schüler*innen in der Tageszeitung abgedruckt und zudem online gestellt. Darüber hinaus kann man alle Texte auch auf der Website der DADK und in Auszügen auf den Social-Media-Kanälen der Akademie nachlesen.

Schüler*innen-Jury und der gleichnamige Preis
Neben der schreibenden Projektgruppe wird eine
Schüler*innen-Jury aus verschiedenen Bensheimer Schulen zusammengestellt. Diese Jury vergibt im Rahmen des Festivals den Preis der Schüler*innen-Jury. Über ihre Entscheidung informieren die jungen Frauen und Männer das Publikum und die Theaterschaffenden nach dem letzten Gastspiel im Rahmen der Bekanntgabe der Preisträger des Günther-Rühle-Preises und des Publikumspreises.

Wer hat Lust dabei zu sein? Ins Theater gehen, tolle Stücke sehen, darüber diskutieren und am Ende einen Preisträger bestimmen? Der Theaterpädagoge Raphael Kassner freut sich auf Euch. Schreibt eine Email an: [email protected]
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Programm  11.03. bis 25.03.2022

11

März

2022

Auftaktveranstaltung, 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr

Das Programm bis 20.00 Uhr

Live im Parktheater Bensheim und im Stream

18.30 Uhr: Vorstellung des Festivalprogramms

● Die Jurymitglieder – Prof. Dr. Dagmar Borrmann, Florian Fischer, Antonia Leitgeb und Nicolas Matthews – stellen gemeinsam mit Akteuren der jeweiligen Gastspiele aus dem deutschsprachigen Raum das Festivalprogramm vor.

● Der Regisseur und Theaterpädagoge Raphael Kassner und die Kulturbloggerin Lena Kettner stellen das Schüler*innenprojekt „Theaterkritik“ und die Schüler*innen-Jury vor.

● Die Juror*innen für den begehrten Günther-Rühle-Preis werden bekannt gegeben.

19.30 Uhr: Verleihung des Kurt-Hübner-Regiepreises 2019

Die Verleihung des Kurt-Hübner-Regiepreises 2019 an Florian Fischer wird im Rahmen der Auftaktveranstaltung nachgeholt. Pandemiebedingt musste die Preisverleihung 2020 ausfallen.
Florian Fischer war dieses Jahr Mitglied des Kurator*innen-Teams der „Woche“.

Die Jurorin Rita Thiele, ehemals Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, vergab den Kurt-Hübner-Regiepreis 2019 an Florian Fischer für seine Inszenierung „Operation Kamen“ am Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag.

In der Begründung der Jurorin heißt es: „Florian Fischers multidisziplinäre Arbeit dokumentiert nicht nur diese fatale, wenig bekannte Aktion des tschechoslowakischen Geheimdienstes in Zeiten des Kalten Krieges, sondern schafft es durch ihre eindrückliche und raffinierte Erzählform den Bogen zu unserer Gegenwart zu schlagen.“

Der Kurt-Hübner-Regiepreis – Förderpreis für junge Regisseur*innen – wird seit 1991 vergeben und ist mit 5.000.- € dotiert.

anschließend das erste Gastspiel:

11

März

2022

Die Leiden des jungen Azzlack, 20.15 Uhr

von Marco Damghani
Schauspiel Leipzig

Der junge Schauspieler A. bewirbt sich für eine neue Rolle. Bevor sein Monolog beginnt, stellt er sich der Casting-Jury persönlich vor: Als Kind iranischer Eltern wächst A. hierzulande auf, macht sein Abitur und studiert an einer renommierten Schauspielschule. Lieblingsfach? Sprecherziehung. Beim Casting wird er mit Fragen zu seiner Herkunft konfrontiert, die er schon oft beantworten musste. Wo kommst du eigentlich her? Und empfindest du den Iran oder eher Deutschland als deine Heimat? Die Casting-Situation verwandelt sich in einen wütenden Monolog des jungen A., über seine Diskriminierungserfahrungen, über die Identität und die Rolle, die ihm in der Gesellschaft zugeschrieben wird. Eine Rolle, um die er sich nie beworben und die er dennoch zu spielen hat. A. spricht über sich und spielt mit unseren Erwartungen, Vorurteilen und Zuschreibungen, die selbst hinter bemühten Reflexionen, wohlgemeinten Einstellungen und Haltungen lauern.

MIT Eidin Jalali / TEXT & REGIE Marco Damghani / BÜHNE & KOSTÜM Hugo Gretler / VIDEO Gabriel Arnold / DRAMATURGIE Benjamin Große

75 Minuten, keine Pause
Szenenfotos © Rolf Arnold

Trailer zu "Die Leiden des jungen Azzlack"

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen, Lukas Geißelmann "Sturm und Drang im 21. Jahrhundert"

STURM UND DRANG IM 21. JAHRHUNDERT

Das Schauspiel Leipzig eröffnet am 11.3.2022 die „Woche junger Schauspieler*innen“ mit „Die Leiden des jungen Azzlack“ von Marco Damghani

Mit dem aufrührerischen Briefroman Goethes hat „Die Leiden des jungen Azzlack“ recht wenig zu tun, doch trotzdem brennt in beiden Werken ein Feuer von atemberaubender Kraft. Das moderne Theaterstück ist nämlich nichts weniger als eine Liebeserklärung an die literarische Strömung des sog. „Sturm und Drangs“. Dabei steht es seinen über 200 Jahre alten Vorgängern in Provokation und Wildheit um nichts nach. Das Stück ist ein wütender Aufschrei gegen die Unterdrückung all jener, die sich nicht frei entfalten können. 

Im Fokus steht die Rebellion eines jungen Mannes, der nicht länger auf seine Nationalität reduziert werden möchte. 

„Du musst doch nur ein bisschen Text vor einer Kamera ablesen“, heißt es am Anfang des Stücks über die Schauspielerei. Das Schauspiel von Hauptdarsteller Eidin Jalali bietet dem Publikum eine 75-minütige Antithese zu dieser ersten Aussage. Jalali begeistert mit Charisma, Witz und gewaltigem Körpereinsatz. Er wirft sich zum Klang eines wuchtigen Techno-Beats umher, turnt über die Bühne und hängt kopfüber von der Decke.  

Zu Beginn des Stücks wird die sog. vierte Wand immer wieder auf humorvolle Weise eingerissen. Der Protagonist A., der sich gerade mitten in einem Casting befindet, wendet sich dabei verschmitzt ans Publikum, um seine Lage zu kommentieren. Diese Einschübe werden durch den raffinierten Einsatz von Licht unterstützt. Während des Castings blitzt es als einzelner, greller Strahl auf A. hinab und wenn sich A. an das Publikum wendet, setzt ein weiches, orangenes Licht ein. Besonders flächig wirkt das Licht hierbei im Rauch der Shisha, die im Zentrum der Bühne steht. Die Requisiten auf der Bühne werden kreativ genutzt. Die persisch wirkenden Kissen werden als Metapher für die Last einer mehrsprachigen Erziehung verwendet. Autoreifen, die am linken Rand der Bühne zu finden sind, stehen natürlich für das Deutschsein. Unbeholfen versucht A. auf den Reifen zu balancieren, nur um dann förmlich in sie hineinzusinken. 

Wer nun aber glaubt, dass es sich bei „Die Leiden des jungen Azzlack“ um einen lustigen Integrationsabend handelt, dessen größte Raffinesse darin besteht, die vierte Wand von Mal zu Mal zu durchbrechen, der irrt gewaltig. Der erwartet nämlich nicht die wahre Genialität des Stückes. Denn mitten in seinem verzweifelten Monolog über Selbstfindung bricht A. ab, scheint nicht mehr weiterspielen zu wollen, macht Anstalten, von der Bühne zu gehen. Aber das Stück hört nicht auf. Das Saallicht geht an und entreißt dem Publikum die sonst so gewohnte Sicherheit. Die vierte Wand wird wieder geschlossen, doch nun ist das Publikum mit A. eingeschlossen, der nun das Publikum adressiert, ohne eine Handlung auch nur vorzutäuschen. Das wahre Leiden des „Azzlack“ besteht nämlich nicht aus dessen seelischen Plagen, sondern aus dem Publikum, das sich an jenen mit akademischem Voyeurismus ergötzt und „Azzlack“ vermutlich für einen türkischen Vornamen hält. Das Stück entreißt seinem Publikum brutal die Sicherheit und weist es auf die Abgründe der eigenen Natur hin. „F*ckt euch, ihr dreckigen Heuchler!“, schreit A. ihnen entgegen. 

„Die Leiden des jungen Azzlack“ erteilt der handzahmen Kunst seiner Zeitgenossen eine Absage und findet zurück zu der Art von Kunst, für die Deutschland einst bekannt war. Die Art von Kunst, die provoziert und die konfrontiert. Das Stück entdeckt die lange verschollene Erkenntnis wieder, dass Kunst gefährlich sein darf. Das Publikum zeigt, wie lange diese Erkenntnis vergessen war. Pikiert verlassen Zuschauer den Saal, andere wenden sich mit wütenden Worten gegen den Darsteller, der sie jedoch gekonnt abschmettert. A. macht darauf aufmerksam, dass selbst die Zuschauer, die bleiben, nicht besser sind als die, die gehen. „Jetzt tut’s weh, oder? Aber irgendwie gefällt euch das, nicht wahr?“ Besser wurde die fast schon sadomasochistische Beziehung zwischen Darsteller und Publikum selten beschrieben. 

Die diabolischste Wendung spart sich das Stück aber bis ganz zum Ende auf. Nachdem A. seine wütende Rede gegen das Publikum beendet hat, erstrahlt nämlich ein letztes Mal das kalte Scheinwerferlicht des Castings und aus dem „off“ ertönt das gepflegte Lob der Juroren bezüglich seines gerade präsentierten Gefühlsausbruchs. Der ehrliche Aufschrei für mehr Selbstentfaltung wird auf ein gut geschauspielertes Konsumgut reduziert. Anstatt A‘s Gefühle endlich anzuerkennen, wird er beklatscht und für seine Glaubwürdigkeit gelobt. Und wie reagiert das Publikum? Es fängt an, zu klatschen und lobt Jalalis Glaubwürdigkeit. 

Schlussendlich handelt das Theaterstück von dem inneren wie auch äußeren Konflikt eines jungen Mannes mit Migrationshintergrund, der die Probleme der heutigen Gesellschaft aufzeigt. „Die Leiden des jungen Azzlack“ ist ein elektrisierendes Muss für jeden modernen Theaterbesucher. Ein Stück mit dem Publikum als Antagonisten. Ein Stück, das das einstige Feuer des „Sturm und Drangs“ ins 21. Jahrhundert befördert.  

Ben Leenen und Lukas Geißelmann, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

12

März

2022

Die verlorene Ehre des (..), 19.30 Uhr

von Camilla Gerstner
Folkwang Universität der Künste – Abschlussproduktion Regie

„Die verlorene Ehre des (..)“ ist ein frappierendes Stück über sexuelle Gewalt in der Partnerschaft und die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung. Ausgehend von der Frage: Was ist positive Männlichkeit?, dreht es sich um eine männlich sozialisierte Sichtweise auf sexualisierte Gewalt. Im Zentrum steht der namenlose Protagonist (..), der sich selbst bei der Polizei anzeigt und angibt, seine langjährige Freundin vergewaltigt zu haben.
Inspiriert von Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ hat Camilla Gerstner ein Stück geschrieben, dass die Themenkomplexe sexueller Konsens, gesellschaftliche Erwartungen und die Rolle der sozialen Medien innerhalb dessen klug und messerscharf auf die Bühne bringt.

MIT Paul Heimel, Susann Ketley, Karl Leven Schröder, Lea Taake, Amelie Willberg / TEXT & REGIE Camilla Gerstner / KOSTÜM Lea Westhues / KOMPOSITION & LIVE PIANO Katrin Meier / PRODUKTIONSASSISTENTIN Franziska Strauss

85 Minuten, keine Pause
Szenenfotos © Franziska Strauss

Schulprojekt THEATERKRITIK: Elena Karas über "Die verlorene Ehre des (..)"

Ein namenloser junger Mann, der sich selbst anzeigt: ein junges Ensemble der Folkwang Universität der Künste zeigte vergangenen Samstag, 12.03., im Rahmen der „Woche junger Schauspieler*innen“ Camilla Gerstners „Die verlorene Ehre des (..)“, ein erstaunliches Stück über sexueller Gewalt in der Beziehung und den gesellschaftlichen Umgang mit betroffenen Männern und Frauen.

Ein junger Mann aus gutem Elternhaus (gespielt von Karl Leven Schröder) zeigt sich bei der Polizei selbst an und erklärt, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Besagte Freundin (Susann Ketley) enthält sich jedoch einer Aussage. Aufgrund fehlender sonstiger Beweise ist der zuständige Polizist (Paul Heimel) ausschließlich auf die Aussagen des Mannes angewiesen, ausgehend von dem Grundsatz, dass alle Zeugen glaubwürdig sind, ihre Aussage jedoch auf Glaubhaftigkeit geprüft werden muss. Gerstner malt ein Portrait einer Gesellschaft, die mit Schulderkenntnis nichts anfangen kann und will, während dem Zuschauer durch Nebenhandlungsstränge subtil ein ganzes Spektrum von Fällen von Gewalt in Partnerschaften nähergebracht wird. Die Pianistin Katrin Meier begleitet das Stück mit eigenen Kompositionen musikalisch.   

Das Stück ist auf nüchterne Art in Kapitel unterteilt, welche öfter abrupt unterbrochen werden. Zwei als Erzählerinnen fungierende Schauspielerinnen (Lea Taake, Amelie Willberg) erklären dann im Stil eines Polizeiberichts immer wieder scheinbar objektiv den Handlungsverlauf. Beide blicken dabei direkt ins Publikum, wodurch sich der Zuschauer aktiv angesprochen fühlt. Dies unterbricht jedoch den eigentlichen Fluss der Handlung. Man wird aus der Illusion, man würde gerade reale Geschehnisse verfolgen und nicht als Zuschauer im Theater sitzen, immer wieder ruckartig herausgerissen.  

Der Titel des Stücks, eine Anspielung auf Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, lässt bereits erkennen, dass der Protagonist des Stücks keinen Namen hat, da ein Name hier irrelevant ist. So symbolisiert (..) jegliche sexuell gewalttätigen Männer in einer Partnerschaft, jedoch mit einem bedeutsamen Unterschied: Er selbst erstattet Anzeige gegen sich, da er seine (nun) Ex-Freundin seinen eigenen ausführlichen Schilderungen zufolge vergewaltigt haben soll. Seelenruhig und ehrlich erzählt er alle Einzelheiten. Er wirkt aufrichtig, nachdenklich. Im Hintergrund spielt die Pianistin eine sanfte Melodie. Diese musikalische Untermalung ist insofern sehr klug, als dass sie die Absurdität des Geschehens unterstreicht. Die Musik und der ruhige Tonfall des jungen Mannes bilden einen Kontrast zu dem Inhalt seiner Worte und kreieren eine gewisse Irritation. Desweiteren spricht (..) bei seinem Geständnis direkt ins Publikum. Somit ist das Publikum selbst die strafende Instanz. Die Umkehrung des Täter/Opfer-Bilds sorgt für eine außerordentlich interessante Ausgangssituation und zwingt den Zuschauer im gleichen Atemzug zu einer Positionierung bezüglich des Umgangs mit dem Geständnis des jungen Mannes. Gerstner vermeidet jegliche Form einer moralischen Beurteilung des Geschehens, weshalb das Publikum auch hier indirekt aufgefordert wird, sich eine eigene Meinung zu bilden. Der Gedanke, inspiriert von Bölls Stück, einige Elemente, wie beispielsweise die Rolle der Medien, zu übernehmen, ist an sich sehr gut, jedoch lässt sich eine Weiterentwicklung im Hinblick auf das, was Böll vor knapp 50 Jahren geschrieben hat, nur schwer erkennen. 

Der Polizist versucht, den jungen Mann zu einem Widerrufen seines Geständnisses zu bringen, um ihn vor schwerwiegenden Konsequenzen zu bewahren, mehr aber, weil er sich selbst nicht eingestehen möchte, dass sexuelle Gewalt in der Beziehung eine Straftat ist. In seiner Beziehung hat es anscheinend einen ähnlichen Vorfall gegeben, was der Zuschauer aber nur indirekt durch ein Telefonat des Polizisten mit seiner Frau erfährt. Dass nur ein Bruchteil der von sexueller Gewalt in der Partnerschaft betroffenen Frauen die Vorfälle tatsächlich melden, wird hier elegant verdeutlicht.  

Die Freundin des mutmaßlichen Vergewaltigers verweigert eine Aussage, was im späteren Handlungsverlauf sowohl in den sozialen Medien als auch in der regionalen Zeitung für Empörung sorgt. Es wird keinerlei Rücksicht auf ihren emotionalen Zustand genommen, die Diskussion um ihr Schweigen erscheint fast größer als jene um die eigentliche Vergewaltigung. Hierdurch wird sehr treffend das Bild einer Gesellschaft erschaffen, die sogar bei einem Geständnis des Täters immer noch die Glaubwürdigkeit des Opfers anzweifelt. 

In der wohl intensivsten Szene lesen die beiden Erzählerinnen an Lautstärke und Tempo gewinnend Kommentare aus den sozialen Medien bezüglich des Vergewaltigungsfalls vor, dabei bewegen sie sich in einer geordneten Choreografie von der Bühnenmitte an den Rand hin, sodass letztendlich der Protagonist allein im Zentrum der Bühne steht. Diese Szene bleibt lange im Gedächtnis, da hier auf eindrucksvolle Weise gezeigt wird, zu welchen Schwierigkeiten die Konfrontation mit verschiedenen (unqualifizierten) Meinungen vor allem auf Social Media führen kann. Begleitet wird die Szene von immer schneller werdendem Klavierspiel, was phasenweise die Stimmen der Erzählerinnen übertönt. Die Atmosphäre ist unruhig, hektisch. Gerade als die Situation zu eskalieren droht, gibt es einen abrupten Stopp. 

Abschließend erscheint zum ersten Mal das Opfer der Vergewaltigung auf der Bühne. Die Bühne ist komplett dunkel, nur die junge Frau angeleuchtet, im Hintergrund stehen reglos die vier anderen Schauspieler. Die Frau bestätigt die Aussage ihres Exfreunds und kritisiert den Umgang der Medien sowohl mit dem Vorfall als auch mit ihr. Nun ist die Bühne schwarz, aus dem Off hört man eine Sprachnachricht des Polizisten an eine Frau, er entschuldigt sich und bietet an, nochmal über den Vorfall zu reden.  

„Die verlorene Ehre des (..)“ fasziniert durch die spannende Idee der Umkehrung der Rollen, intensives Schauspiel, die Auseinandersetzung mit der Problematik sexueller Gewalt und mit den gesellschaftlichen Erwartungen bezüglich Täter/Opfer Rollen. Die nüchterne distanzierte Vortragsweise der Schauspieler wirkt jedoch teilweise unnahbar. Das Klischees vermeidende Stück stellt die wichtige Frage nach einem angemessenen gesellschaftlichen Umgang mit sexuellen Straftätern und Opfern sexueller Gewalt, jedoch bleibt diese Frage bis zum Schluss unbeantwortet. 

Elena Karas, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt THEATERKRITIK: Mex über "Die verlorene Ehre des (..)"

Kann man der Polizei vertrauen? Wir alle kommen im Leben an einen Punkt, an dem wir einfach mit jemand anderem reden müssen.
Mex über „Die verlorene Ehre des (..)“ von Camilla Gerstner, zu sehen im Parktheater Bensheim am 12.3.22 bei der Woche junger Schauspieler*innen

Obacht mit wem du spricht! Wer am Samstagabend im Parktheater war, traf im Theaterstück „Die verlorene Ehre des (..)“ auf eine gelungene Darstellung der Gesellschaft in Bezug auf das Thema Vergewaltigung. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiges und immer noch zu klein gehaltenes gesellschaftliches Problem in unserer heutigen Zeit. In diesem 85-minütigen Stück wurden neben Vergewaltigung auch die Themen Geschlechterverteilung, Social Media und, wie bereits angedeutet, die Polizei mit eingebracht. Dies war meine erste Erfahrung mit modernem Theater und ich muss sagen, ich war von Anfang an gefesselt. Wesentlich haben dazu die schauspielerischen Leistungen beigetragen. Alle SchauspielerInnen sprachen mit Überzeugungskraft und einer starken Stimme. Ihre Aufregung war ihnen fast nicht anzumerken. Mir fielen dann doch die zitternden Hosenbeine auf. Aber das möchte ich keinesfalls als negativen Kritikpunkt, sondern lediglich als Betonung der Nervosität aufzeigen. Hierbei haben sie auf jeden Fall meinen Respekt. Ich setzte mich in die erste Reihe, um die komplette Nähe spüren zu können und ich wurde nicht enttäuscht. Der flüchtige Augenkontakt mit den SchauspielerInnen gab mir das Gefühl angesprochen zu werden und direkt dabei zu sein. Einfach ein tolles Gefühl. Hier kann man direkt den Vergleich zu einem Film ziehen: noch nie hat es ein Film geschafft auf diese Art mit meinen Emotionen und Gefühlen zu spielen. Am Anfang hat mich die Szene mit dem unverschämten Verhalten des Polizisten seiner Kollegin gegenüber wütend werden lassen. Eine Unverschämtheit so mit seinen Mitmenschen umzugehen und sie dann auch noch wegen des Geschlechts herunterzustufen. Als sie anfing im Laufe des Stücks immer mehr dagegen zu gehen hat mich das sehr erfreut. Zeig ihm, dass du dir das nicht gefallen lässt! Diesen Satz hätte ich auch dem Opfer der Vergewaltigung gesagt. Durch das gesamte Stück zog sich eine sehr wichtige Botschaft: Durch die Verweigerung der Aussage des Opfers wird deutlich, dass in unserer Gesellschaft Frauen immer noch keine Stimme bekommen, unterdrückt und nicht ernst genommen werden. Diese Message ist durch das Auftreten des Opfers am Ende leider kaputt gegangen. Die Frau wollte sich das gesamte Stück nicht zu der Tat äußern, wie es leider zu häufig auch im wahren Leben ist. Dadurch entwickelt man eine Wut gegen das System, da die Mehrheit Gerechtigkeit für die Frau fordert. Aus diesem Grund ist das Ende meiner Meinung nach nicht gut gelungen. In der kurzen Pause, bevor das Opfer heraustrat, erwartete das Publikum ein Ende und viele fingen an zu klatschen. Die Schauspielerin trat auf die Bühne und uns entgegen. Sie redete mit uns wie vor Gericht. Insofern verstehe ich den Sinn des Endes auch ein Stück weit: wir sind die Richter und sollen über die Tat entscheiden. Eventuell kann man hier auch ein Stück weiter gehen und vermuten, dass die Regisseurin Frauen damit auffordern will die Stimme zu erheben. Dennoch hat dies mich nicht mehr gefasst. Die Aussage der Exfrau des Täters war mir zu lang und zu monoton vorgetragen. Im Gegensatz zu den anderen, war dies nicht überzeugend und etwas langweilig. Währenddessen blieb mir Zeit, mir Gedanken über den Farbkontrast der Klamotten zu machen. Bis auf das Opfer trug jede Figur schwarze, weisse oder graue Kleidung. Dadurch kam das Stück sehr kalt und ernst rüber. Hat das Opfer durch die bunte Hose jedoch ihren kompletten Frieden im Leben gefunden?

Mir sind neben allem vor allem zwei starke Szenen im Kopf geblieben. Die detaillierte Beschreibung der Vergewaltigung aus Sicht des Täters und die Verlesung der Kommentare unter dem Post in Kombination mit der sichtlichen Verzweiflung des Polizisten. Zur Beschreibung der Tat und der schauspielerischen Leistung, die dahintersteckt, spreche ich ein großes Lob aus. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht wirklich einfach ist, so etwas überzeugend zu erzählen als Schauspieler. Die Details und die sichtliche Nervosität des gespielten Täters fassten einen und seien wir mal ehrlich, besonders bei einem sexuellen Akt hören viele ‚gerne‘ zu. Im Publikum habe ich die Anspannung extrem gemerkt, es war sehr stark. Sehr stark und meiner Meinung nach die energetischste Szene im ganzen Stück war die bereits angesprochene Choreographie der SchauspielerInnen während der Kommentarvorlesung. Das Zusammenspiel von der immer schneller werdenden Vorlesung der Kommentare mit der dramatischen Musik, der Verzweiflung des Polizisten und der Überforderung des Täters waren genial. Diese überragende Sprechleistung der beiden Schauspielerinnen hat mich beeindruckt. Als der Polizist den Stapel der Aktenordner umwarf, als Interpretation des Zusammenfalls der Ordnung im Leben aller Beteiligten, bekam meine Begleitung einen Aktenordner am Fuß zu spüren. Das fand ich super, denn hier habe ich wieder gemerkt: ich bin live dabei. Nach dem Stück habe ich mich noch mit meinen Begleitungen darüber ausgetauscht und sie brachten mich auf eine weitere sehr naheliegende Interpretation der Aktenordner. In einer Szene sahen wir, wie sie diese Ordner auch als Alkohol genutzt hatten. Sind diese Ordner also als Taubheitsmittel zu sehen, wie Alkohol in unserer Gesellschaft? Wenn Sie noch wissen durch was die Kommentare ausgelöst wurden kommen wir jetzt zu meinem Anfang zurück. Ich erweitere mal die Frage: Kann man der Polizei und der Presse trauen? Kann man denn überhaupt jemandem trauen? Wir bekommen dadurch gezeigt, dass wir immer aufpassen sollten wem wir was erzählen und welche Verantwortung wir tragen müssen, falls es eskaliert. Aber auch, welche Verantwortung wir haben über das, was uns erzählt wird. Das beste Beispiel dafür war in diesem Theaterstück die Szene des Polizisten und des Presseschreibers. Am Applaus am Ende hat man die sichtliche Begeisterung des Publikums über das gelungene Stück gespürt. Eigentlich müsste ich hier im Plural sprechen, denn die SchauspielerInnen sind ganze vier Mal auf die Bühne zurückgekehrt, da das Publikum nicht aufgehört hat zu klatschen. Auch im gesamten Stück hat das Publikum Gefallen gezeigt, da es durchgehend die Spannung mit gespürt und an den ‚richtigen Stellen‘ mitgelacht hat. Hier also nochmal mein großes Lob an alle Beteiligten!

von Mex, Altes Kurfürstliches Gymnasium

Schulprojekt THEATERKRITIK: Elisa Ille und Isabel Kleinhans über "Die verlorene Ehre des (..)"

„Wer weiß, wo die Grenze ist“
Elisa Ille und Isabel Kleinhans über das eindrucksvolle Gastspiel von „Die verlorene Ehre des (..)“ von Camilla Gerstner bei der Woche junger Schauspieler*innen

„Wer weiß, wo die Grenze ist“. Diese Frage stellt der junge Polizist Schmidtmeier, der zusammen mit seiner Kollegin Britta den Fall einer Vergewaltigung bearbeitet. Er fragt sich, wo das Teilen von sexuellen Handlungen mit Zustimmung beider Partner aufhört, und eine Vergewaltigung anfängt.  

Das Stück „Die verlorene Ehre des (..)“, geschrieben und inszeniert von Camilla Gerstner, handelt von einem jungen Mann, der sich selbst bei der Polizei anzeigt und angibt seine Freundin nach einer Party vergewaltigt zu haben. Durch verschiedene Rollenwechsel der Schauspieler*innen Paul Heimel, Susann Ketley, Karl Leven Schröder, Lea Taake und Amelie Willberg werden verschiedene Reaktionen der Menschen auf die Selbstanzeige des Täters dargestellt. Das Stück wechselt zwischen emotionalen Szenen und kategorischen kühlen Vorträgen von Tatsachen und Rechtslagen, wie die Aufforderung, Zeug*innen immer als glaubwürdig zu erachten.  

Das Bühnenbild wurde minimalistisch gehalten, um eine Verknüpfung zu der Ernsthaftigkeit der Thematik herzustellen. Zwei Stühle und gestapelte Ordner lassen die Bühne trocken wie einen Verhörsaal erscheinen. Genauso wie das Licht, das oftmals sehr eintönig erscheint, aber immer an die Situation angepasst und auf die sprechenden Personen gerichtet ist. Passend zum minimalistischen Stil sind auch die Kostüme. Die Schauspieler*innen tragen eintönige und neutrale Kleidung. Die Klaviermusik, die von Katrin Meier live gespielt wird und die Intensität der Worte der Schauspieler*innen lassen Gänsehaut beim Publikum zurück.  

“Ich würd’ so gern hier leben”, mit diesem Zitat aus einem Lied steigen die Schauspieler*innen in das Stück ein. Gebannt von diesem Lied, dessen Aussage sich paradox zu der des Stückes verhält, starrt das Publikum die vier Schauspieler*innen an. Die drückende Stille nach dem Lied und die durchdringenden Blicke der zwei Darstellerinnen, die durch das Publikum huschen, während die anderen zwei starr in die Leere blicken, erzeugen eine unangenehme Atmosphäre für den Zuschauenden, die sich durch das gesamte Stück zieht. Die Figuren des Polizisten und des Täters nehmen auf zwei Stühlen mit dem Blick nach vorne gerichtet Platz. Das Publikum hat sie nun genau im Blick und scheint ihr ganzes Wesen beobachten zu können, um somit schlussendlich sich selbst zu fragen, ob es sich um männlich positive Figuren handelt. Aber was ist überhaupt männliche Positivität? “Jetzt bist du ja einsichtig” reicht nicht aus, um Geschehenes ungeschehen zu machen. Positive Männlichkeit ist der Fall, wenn sich Männer von klassischen Rollenbilder lösen können und somit sich Frauen nicht überlegen fühlen, was zu weniger sexualisierter Gewalt führen kann.  

Zu Anfang lernen wir die erste der beiden männlichen Figuren kennen. Spuckend und vorlaut fängt der Polizist Schmidtmeier in der ersten Szene an, seine Kollegin Britta mit Ereignissen aus seinem Privatleben zu belästigen und ist dabei nicht zu stoppen. In den ersten paar Minuten erhält man ein klares Bild über die Persönlichkeit des Provinzpolizisten Schmidtmeier. In der Mitte der Bühne wurde ein Pulk aus Aktenordnern aufgetürmt. Fälle, die für Schmidtmeier nicht relevant genug waren und bei denen folglich die Ermittlung gestoppt wurde, rücken in den Mittelpunkt, sodass sie keinem Blick entgehen. Gelungen und gleichzeitig beschämend für das Publikum erfüllt Schmidtmeier ein Klischee nach dem anderen. Sogar die Straftat der Vergewaltigung relativiert er bis hin zu der Andeutung, dass er in der Vergangenheit ebenfalls schon übergriffig gegenüber einer Frau geworden ist. Auch hier ist klar, dass, selbst wenn der Polizist am Ende Einsicht zeigt, diese die Tat nicht rückgängig macht. Zudem trägt er die Verantwortung dafür, dass es zu einer Veröffentlichung des Falls durch die Boulevard-Presse kommt, da er vertrauliche Informationen an seinen Freund von der Presse weitergibt. Es liegt nun bei den Zuschauern zu bewerten, ob der Polizist für sie eine positiv männliche Figur ist.  

Nun springt der zweite Schauspieler von seinem Stuhl auf. Er meldet eine Vergewaltigung, die er seiner Freundin angetan haben soll. “Nervös, aber gefasst” macht der Täter die Aussage und sitzt dabei direkt vor den Zuschauer*innen. Während er die Geschehnisse schildert, ertönt Klaviermusik im Hintergrund, bis der Täter bei seiner Erzählung zur Straftat angelangt. Die Musik erlischt augenblicklich und zurück bleibt nur eine drückende Stille, die auf dem ganzen Theatersaal lastet. Die gefasste Art des Täters beim Reden erzeugt eine unangenehme Atmosphäre, mit der das Publikum direkt konfrontiert wird und dieser umgehend entgehen möchte. Diese wird verstärkt durch die Ereignisse, die von ihm geschildert werden. Er berichtet von jedem Detail der Vergewaltigung, was manche Menschen als unangenehm empfinden und ein Tabuthema für sie ist. Doch genau auf diese Tabuthemen möchte die Regisseurin eingehen. Es ist wichtig für die Gesellschaft direkt mit diesen Themen konfrontiert zu werden, was ihr mit dem Stück durchaus gelungen ist. Der Täter berichtet, dass “sie ihn die ganze Zeit nur angeschaut hat” und später “nur noch an die Decke gestarrt hat”. Solche Aussage bewirken bei den Zuschauer*innen ein Mitgefühl für das Opfer. Sie bekommen zum ersten Mal einen Eindruck von der Gefühlslage seiner Freundin und ein klares Bild vom Ablauf seiner Straftat. “Nein hat sie gesagt”- ein einfaches Wort mit einer großen Bedeutung. Ein Warnsignal von ihr an ihn, seine Handlungen zu stoppen. Den Zuschauer*innen wird das Ausmaß und die schlimmen Folgen der Tat klar und sie sind gezwungen darüber nachzudenken. Im Verlauf des Stücks zeigt sich, dass der Täter schwere Schuldgefühle gegenüber seiner Freundin hat und seine Tat bereut. Zudem hatte er den Mut sich selber anzuzeigen und seine Tat zu gestehen. Jedoch ist er trotzdem ein Vergewaltiger, der seine Freundin gegen ihren Willen anfasste und sexuell missbrauchte. Dieser moralische Konflikt und die damit verbundenen Fragen werden, nachdem die Tat öffentlich wird, in den sozialen Medien diskutiert. Aber auch die Zuschauenden werden dazu gezwungen, sich ihre eigene Meinung dazu zu bilden. 

Im Stück wird deutlich, welchen Einfluss die sozialen Medien auf solch einen Konflikt haben können. Die Diskussion wird inszeniert, indem die zwei Schauspielerinnen an den Bühnenrand treten und beginnen, Kommentare unter einem Post vorzulesen, der sich auf die Selbstanzeige des Vergewaltigers bezieht. Zum einen gibt es die Leute, die den namenlosen Täter verteidigen, da er seine Tat selbst gesteht und sich selbst anzeigt. Zum anderen sind es vor allem die Feminist*innen, die darauf aufmerksam machen, dass er trotzdem noch ein Vergewaltiger ist und seine Tat schwere Folgen für seine Freundin haben kann. Anders als davor werden die Kommentare mit einem Mikrofon vorgetragen, um ihnen mehr Ausdruck zu verleihen und zu zeigen, was ein einziger Kommentar in den sozialen Medien in einer Mehrheit bewirken kann. Die Kommentare werden zu Beginn laut, klar und deutlich ausgesprochen, während im Hintergrund passend dazu Klaviermusik ertönt. Die beiden Schauspielerinnen werden währenddessen immer schneller und lauter, bis sie noch kaum zu verstehen sind. Ein Wirrwarr aus vielen Worten lässt das Publikum den Atem anhalten. Die zwei Schauspielerinnen beginnen im Viereck die Bühne abzulaufen, als würde der Einfluss der sozialen Medien den Konflikt noch mehr zuspitzen und die Betroffene immer mehr dazu gedrängt werden, sich zu äußern. Die Ordner, die in der Mitte stehen, beginnt nun der Polizist Schmidtmeier umherzuwerfen. Schweigend und regungslos standen die Ordner in der Mitte und finden nun endlich Gehör genauso wie das Tabuthema Vergewaltigung, was nun mehr Aufmerksamkeit erhält. Auch die zwei Schauspielerinnen, die auf der Bühne umhergelaufen sind, setzen sich nun zum ersten Mal in die zwei Stühle und lehnen sich zurück, während die zwei männlichen Figuren stehen. Symbolisch soll dies zeigen, dass sie nun ihr Ziel erreicht haben, nämlich mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu erregen.  

Das unerwartete Auftreten der Freundin zum Ende, welche durch ihre bunte Kleidung im Kontrast zu den restlichen Charakteren steht, bringt das Publikum aus dem Konzept und gibt dem Ende ein neues Sichtfeld. Während fast des gesamten Stücks möchte sich diese nicht dazu äußern, jedoch erscheint sie schließlich und berichtet den Zuschauer*innen, dass sie sich selbst schuldig fühlt und sich für den Vorfall schämt. Die Regisseurin gibt somit dem Opfer eine Stimme. Eine Stimme, die leider nicht jedes Opfer sexueller Gewalt bekommt. 

Besonders gelungen ist auch der Aufklärungsaspekt. Der Kontrast zwischen dem Täter und seiner Tat wird im Stück hervorgehoben. Der namenlose Vergewaltiger ist ein angesehener, junger Mann, der gerade seinen Bachelor abgeschlossen hat. Außerdem ist er der Sohn einer Ärztin und des Bürgermeisters des Dorfes, wo sich die Handlung abspielt. Die Leute im Stück sind empört, als sie von der Tat des Mannes durch die Medien erfahren. Das Stück zeigt, dass sexuelle Gewalt nicht immer etwas ist, was in der Öffentlichkeit stattfindet und von einem Fremden ausgeht. Besonders häufig passieren Vergewaltigungen in Beziehungen, zwischen zwei sich liebenden Personen, wie im Stück dargestellt. Es wird deutlich, dass es keine bestimmten Eigenschaften eines Vergewaltigers gibt und jeder ein Täter werden kann. Die Message ist klar und wird in dem Stück auf die richtige Weise verpackt. 

Elisa Ille und Isabel Kleinhans, Altes Kurfürstliches Gymnasium

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen über "Die verlorene Ehre des (..)"

„Es geht darum, den Leuten das zu geben, was sie haben wollen!“ 
Die Folkwang Universität der Künste zeigt am 12.3.2022 „Die verlorene Ehre des (..)“ von Camilla Gerstner bei der Woche junger Schauspiel*innen

Mit dieser zynischen Beschreibung beschreibt „Die verlorene Ehre des (..)“ die Art und Weise, wie Berichterstattung, Kunst und Medien im Allgemeinen funktionieren. Das Stück, bei dem es sich um die Abschlussproduktion Regie von Camilla Gerstner an der Folkwang Universität der Künste handelt, behandelt die öffentliche Wahrnehmung und den bürokratischen sowie privaten Umgang mit sexuellen Gewaltverbrechen unter anderem im Kontext der geltenden Geschlechterrollen. Inspiriert ist das Stück von Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, die sich ebenfalls kritisch mit öffentlicher Berichterstattung auseinandersetzt. Tatsächlich ist unter anderem der Prologtext fast eins zu eins aus Bölls Erzählung übernommen worden. 

Ein junger Mann, der eine Vergewaltigung gesteht, ein Polizist, der sich in seinem Moralverständnis angegriffen fühlt, ein Reporter, der nur den eigenen Vorteil im Sinn hat und ein gefühlskalter “Chor”, der das Geschehen in der Manier eines juristischen Berichts kommentiert: Sowohl die Figuren, als auch die Erzählweise des Stückes könnten kaum mehr aus der heutigen Zeit gegriffen sein. Das Licht auf der Bühne teilt sich in die Farben Blau, Weiß, Grün, Gelb und Rosa auf, welche für die Medienkonzerne Facebook, WhatsApp und Instagram stehen. Unter den Requisiten sticht vor allem ein Schreibtisch heraus, der vollständig aus leeren Aktenordnern gebaut ist und von den Schauspielern im Verlauf des Stückes immer weiter eingerissen wird. Hier handelt es sich um eine äußerst raffinierte Idee Gerstners, die das langsame Versagen der Bürokratie in diesem Fall darstellt. Besonders genial wird es, wenn die leeren Ordner von den Schauspielern als Schnapsgläser verwendet werden. Hier wird die Bürokratie metaphorisch als Mittel genutzt, um sich zu betäuben und von der Realität zu entfernen, nur um besagte Ordner dann achtlos von der Bühne zu werfen — Bürokratie als Wegwerfprodukt.  

Die Thematik der Vergewaltigung  wird genutzt, um sich dem  heiklen Thema der weiterhin bestehenden Kluft zwischen den Geschlechtern zuzuwenden. Hierbei sind es aber nicht nur die eigentlichen Gespräche über das Verbrechen, die diese Kluft so zutreffend porträtieren, sondern gerade die Alltagsgespräche. Wenn zum Beispiel ein Polizist seine eigentlich höherrangige Kollegin nicht zu Wort kommen lässt. Glücklicherweise begeht Gerstner dabei nicht den Fehler, dieses Problem als ein rein geschlechtliches zu verstehen. So gibt es genauso ein Gespräch zwischen Männern, in dem es keiner schafft mit dem anderen zu kommunizieren. Ironischerweise geht es in dem Gespräch um Kommunikation… 

Den inszenatorischen Höhepunkt findet das Stück, wenn der Chor sich daran macht, in einem durch Mikrofone verstärkten Duett die Social Media Kommentare vorzulesen, die den Fall betreffen. Immer schneller werdend, lauert der Chor mit emotionsloser Stimme zu beiden Seiten des geständigen Täters, der in Mitten der Ordner von einem einzelnen grünen Scheinwerfer angestrahlt wird. 

Spätestens diese Szene ist es, die die inszenatorischen Fähigkeiten von Camilla Gerstner unter Beweis stellt. Diese zeigen sich ebenfalls an der auffallend symmetrischen Choreografie der Schauspieler, dem intelligent eingesetzten Klavierspiel und der Entscheidung, den Namen des Täters nicht einmal zu erwähnen. Schauspielerisch bleibt vor allem der lange Geständnismonolog von (..) im Gedächtnis. Die Bühne wird nahezu vollständig dunkel. Nur ein einzelner Lichtkegel beleuchtet das Gesicht von Schauspieler Karl Leven Schröder. Totenstille herrscht im Saal, während er mit erschreckender Gefasstheit von seiner Tat berichtet. 

Der Makel des Stücks liegt in seinen letzten paar Minuten. Im Auftritt des Opfers. Dieser Auftritt birgt Licht und Schatten in sich. Am Monolog an sich ist nicht viel auszusetzen. Susann Ketley bietet eine mitreißende Performance und weiß, diesem letzten Monolog den richtigen Klang zu verleihen. Auch die Dramaturgie und Inszenierung des Auftritts sind interessant. Ketleys Kleidung hebt sich farblich stark von der der anderen Schauspieler ab und wirkt viel natürlicher. Der Auftritt scheint etwas abseits der restlichen Struktur des Stücks zu liegen, wodurch er überraschend unerwartet kommt. Die Zuschauer beginnen bereits zu klatschen, bevor sie dann von einem letzten Monolog überrumpelt werden. Da sich dieser dramaturgisch schwer einordnen lässt, kommt leichte Verwirrung im Publikum auf. Es ist das einzige Mal, dass das Stück es schafft, tatsächliche Unsicherheit in seinem Publikum aufkommen zu lassen. Nachdem es nun knapp 80 Minuten rein um den männlichen Umgang mit dem Sexualverbrechen ging, kommt schlussendlich die Frau zu Wort. Ihr Monolog bietet dem Publikum endlich die andere Seite des Geschehens und eine Bühne für das Opfer des Verbrechens. Das Stück endet und lässt das Publikum durch den letzten Monolog befriedigt in die Nacht hinaus. Doch liegt vielleicht genau da das Problem. Durch diesen letzten Monolog kommt es zu einer Gleichstellung der weiblichen Perspektive des Verbrechens. Dies ist zwar ein Idealausgang des Konflikts, doch er verhindert, dass das Stück nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Das Stück wird zu komplett. In ihrer lobenswerten Intention, dem Opfer eine Stimme zu geben, übersieht Camilla Gerstner die Wucht, die in dieser von ihr geschaffenen Figur steckt. Es handelt sich nämlich um eine moderne Version der Katharina Blum. Auch ihr wird übel von den Medien mitgespielt. Doch die Gründe dafür sind fast noch perverser, als sie es in Bölls Erzählung waren. Katharina Blum wurde von den Medien aufgrund ihrer freundschaftlichen Beziehung zu einem Straftäter verfolgt. Die Ex-Freundin des namenlosen Protagonisten bei Gerstner wird verfolgt, weil sie das Opfer eines Straftäters ist. Indirekt wird also gezeigt, dass die Medien bei Missbrauch und Freundschaft in der Art der Beziehung nur wenig Unterschied sehen. Man stelle sich die eindringliche Boshaftigkeit von „Die verlorene Ehre des (..)“ vor, wenn die Regisseurin diese Misshandlung ihrer weiblichen Figur bis zum Ende durchgezogen hätte. Eine Katharina Blum, der im modernen Patriarchat jegliche Autorität abgesprochen wird. Sie wird nicht nur restlos aus dem Titel gestrichen und der Fokus stattdessen auf ihren Peiniger gesetzt, sondern wird auch das ganze Stück über konsequent mundtot gemacht. Und das OHNE Auflösung am Ende. 

Diese Entscheidung hätte dem Stück die nötige Wucht gegeben, um tatsächlich meisterhaft zu sein. Das Stück geht seiner eigenen Aussage über die Medien auf den Leim und gibt dem Publikum zu viel von dem, was es sehen will. Es braucht Mut, um sein Publikum willentlich unzufrieden nach Hause zu schicken. Doch wie es sprichwörtlich heißt: Nur unzufriedene Soldaten kämpfen gut. 

Es sind ebendiese Soldaten für die geschlechtliche Gleichberechtigung, die „Die verlorene Ehre des (..)“ leider versagen wird, um sich zu scharen. 

Ben Leenen, Altes Kurfürstliches Gymnasium

22

März

2022

FaustGRETCHEN, 19.30 Uhr

Achtung: DIe Live-Vorstellung im Parktheater muss aufgrund einer Coronaerkrankung entfallen. Karten für den Stream s.u.

Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander gemeinsam mit Kasseler Bürger*innen nach Johann Wolfgang von Goethe

Staatstheater Kassel

Margarete verliebt sich in Faust und lässt sich auf ihn ein. Ahnungslos tötet sie ihre Mutter und wird ungewollt schwanger. Vom Vater des Kindes im Stich gelassen, verfolgt von Schuld und Angst vor gesellschaftlicher Ächtung, vom Bruder öffentlich als Hure beschimpft, tötet sie in Verzweiflung und Überforderung ihr Neugeborenes. Sie wird gefangen genommen, verurteilt und hingerichtet. Faust hingegen, nachdem er ihr Leben zerstört hat, zieht in die Welt hinaus. Seither ist die Figur Gretchen im Kerker männlichen Zuschreibungen eingeschlossen. Bert Zander zeigt nun Gretchens Perspektive und eröffnet ein angemessenes Bild gegenwärtiger Vielschichtigkeit. Er versetzt die Zuschauer in die Rolle der Geschworenen, lässt Kasseler Bürger:innen das Faust-Drama mit eigenen Worten erzählen und das Ensemble als Tribunal des realen Kindsmordfall aus dem Jahre 1771 auftreten.

MIT Emilia Reichenbach sowie 53 Kasseler Bürger*innen und dem Schauspiel Ensemble / REGIE Bert Zander / BÜHNE & KOSTÜM Lene Schwind / SCHNITT Fabián Hallal Barba / REGIEMITARBEIT Natascha Zander / DRAMATURGIE Katja Prussas

85 Minuten, keine Pause
Szenenfotos @ Isabel Machado Rios

Die Vorstellung Im Parktheater muss aufgrund einer Coronaerkrankung entfallen! Die Vorstellung ist deshalb nur im Stream zu sehen!

Trailer zu "FaustGRETCHEN"

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen, Carolina Schwarz, Karlotta Müller und Amelie Divivier "Eine Frau im Labyrinth der Zuschreibungen"

EINE FRAU IM LABYRINTH DER ZUSCHREIBUNGEN

Das Staatstheater Kassel zeigt am 22.3. "FaustGRETCHEN" mit Emilia Reichenbach von Bert Zander

Als Goethes „Faust“ veröffentlicht wurde, war ihr Schicksal besiegelt. Gretchen war verurteilt zu Schuld und Schande für über 200 Jahre. Nun wird der Fall von Regisseur Bert Zander und dem Schauspiel Ensemble des Staatstheaters Kassel neu aufgerollt. Aufgrund einer Coronaerkrankung im Ensemble konnte die Aufführung im Rahmen der Woche junger Schauspieler*innen am 22.3. nur im Stream verfolgt werden. Die eindringliche Energie, die eine Liveaufführung an sich hat, geht dadurch leider verloren. In der modernen Inszenierung wird Goethes Klassiker vom Staub der vergangenen Jahrhunderte befreit. Im Verlauf des Stückes erscheinen Videos von 53 Bürger*innen der Stadt Kassel, die die Handlung des Dramas „Faust“ in eigenen Worten vortragen, während das Kasseler Ensemble die Geschehnisse des realen Kindsmordfalles aus dem Jahr 1771 in Protokollen und Verhören rekapituliert. Emilia Reichenbach spielt ihre Rolle mit Herz und Empathie. Sie verausgabt sich auf der Bühne und versucht sich im Labyrinth der Zuschreibungen, Vorurteile und Meinungen über sie Gehör zu verschaffen.  

Es gibt keine Kulissen. Die dunkle Bühne wird nur erleuchtet durch die Projektion der Videos. Der schmale glatte Boden erinnert an einen Catwalk – der moderne Kerker der Frau, in dem Emilia Reichenbach zu Beginn unbeholfen in einer Mischung aus Jumpsuit und Sträflingsuniform barfüßig herumstolpert. Ein einzelner Eimer steht von einem Scheinwerfer erleuchtet im Zentrum der Bühne. Wasser tröpfelt hinein. An diesem dunklen Ort ist das entnervende Geräusch der Tropfen für Gretchen das einzige Zeitmaß. 

In diesem Stück, in dem es um die Emanzipation Margaretes gehen soll, geht es am Anfang nur um Faust. In Goethes Werk wird Gretchen von Faust sowie von Mephisto verführt, als Hure beschimpft und bringt aus Überforderung das Kind, das sie von Faust hat, um. Weder ihr Leid noch ihr Charakter neben dabei eine ausreichend zentrale Rolle im Drama ein. Das ändert Emilia Reichenbach und nimmt die Zuschauer mit in ihren Kopf. In Gretchen gefangen ist Margarete, die sich mühevoll durch ihr inneres Gefühlschaos kämpft und am Ende ihren Frieden findet. 

Die Kasseler Bürger erzählen provisorisch die Gelehrtentragödie nach. Unterstützt wird dies von den Audioaufnahmen der Gründgens-Inszenierung aus den 1960ern. Die Rollen Fausts und Mephistos werden von Emilia Reichenbach übernommen. Mit dunklem Lidschatten unter den Augen sieht Reichenbachs Faust aus wie ein wahr gewordener Albtraum. Der Regisseur spielt durch Puppenspielelemente, Pappkartonkostüme und alberne Requisiten wie einem schwarzen Spielzeugpudel gekonnt mit Klischees. Margarete meldet sich das erste Mal mit einem Lied zu Wort. „Die ganze Welt hat sich auf meine Brust gesetzt“ beschreibt die Qualen einer missverstandenen Figur. Sie fängt an, aktiver und bewusster zu werden, korrigiert die Bürger, ruft : „Margarete!“, versucht Mephisto die Tür zuzuhalten, weigert sich, ihrer Mutter K.O.-Tropfen zu geben und schreit sich die Seele aus dem Leib. Mephistos Geschenk, Kleid und Highheels statt Schmuck, zieht sie an und legt zu Dua Lipa einen trotzigen Catwalk hin. Sie legt offen, auf was sie von Goethes Stück und dessen Zuschauern reduziert wird. 

Ihr Leidensweg ist aber noch nicht zu Ende. Sie muss sich durch alle Stationen kämpfen. Als Faust mit Mephisto bei der Walpurgisnacht ist und aus geisterhaften Kamerawinkeln die Kassler Bürger um Margarete herumrotieren, kommt es zum kathartischen Aufschrei: „Ich will hier raus!“ Die überlebensgroße Projektion von Faust zappt sie entschlossen weg. 

Endlich mit Kleidung ausgestattet, mit der sie in der großen weiten Welt überleben kann, verlässt sie durch die geöffnete Tür die Bühne in die Freiheit. 

„Ich begann 213 Jahre nach meinem Tod mit meinem Leben.“ 

Ben Leenen, Carolina Schwarz, Karlotta Müller und Amelie Divivier, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen "Eine Frau im Labyrinth der Zuschreibungen - eine erweiterte Analyse"

EINE FRAU IM LABYRINTH DER ZUSCHREIBUNGEN - EINE ERWEITERTE ANALYSE

"FaustGRETCHEN" mit Emilia Reichenbach von Bert Zander, Staatstheater Kassel

Goethes Faust ist selbst jetzt über 200 Jahre nach seiner Uraufführung der Klassiker schlechthin. Die Geschichte wurde bereits unzählige Mal reproduziert, inszeniert und interpretiert. Dennoch bringt „Faust Gretchen“ einen frischen Wind in das alte Werk. Denn wie der Name es bereits verrät, geht es in diesem Werk nicht um Faust, sondern um das Mädchen, das sich in ihn verliebte. In Goethes Werk wird Gretchen von Faust sowie von Mephisto verführt, wird als Hure beschimpft und bringt aus Überforderung das Kind, das sie mit Faust gezeugt hat, um. Weder ihr Leid noch ihr Charakter nehmen dabei eine ausreichend zentrale Rolle im Stück ein. Das ändert sich mit „Faust Gretchen“ drastisch, denn hier wird das Publikum in Gretchens Verstand hinein geworfen. Die Intensität des Abends lässt leider dadurch nach, dass er aufgrund einer Coronaerkrankung im Ensemble digital stattfinden musste. 

Emilia Reichenbach spielt ihre Rolle mit viel Herz und Empathie und steuert zudem noch via Handy und Fernbedienung die Projektoren und Soundeffekte, deren Einsatz das Stück besonders macht. Unbeholfen und mitunter etwas quirlig läuft sie auf der Bühne hin und her, nur um dann in den richtigen Momenten laut und selbstbewusst zu werden. Sie trägt weder Schuhe noch wettertaugliche Kleidung, was verdeutlicht, dass sie in der Welt draußen nicht eigenständig leben kann.  

Die Bühne selbst ist schon fast keine Bühne mehr. Es gibt keine Kulisse. Der schmale glatte Boden erinnert an einen Catwalk. Der moderne Kerker der Frau. Ein einzelner Eimer steht von einem Scheinwerfer erleuchtet im Zentrum der Bühne. Das ganze Stück über tröpfelt langsam Wasser in den Eimer. An diesem dunklen Ort ist das Geräusch der Tropfen für Gretchen das einzige Zeitmaß. Die Bühne ist eine düstere Darstellung von Gretchens Psyche. Das stete und entnervende Tropfen erinnert sie daran, dass irgendwo in ihrem Geist ein Loch ist, wodurch sie niemals komplett sein kann.  

Begrenzt wird die Bühne von einer Videoinstallation, die von Videokünstler und Regisseur des Stücks Bert Zander stammt. Dort erscheinen im Verlauf des Stücks 53 BürgerInnen der Stadt Kassel, die die Handlung von Faust in eigenen Worten vortragen. Unterstützt wird diese provisorische Faust-Erzählung von den Audioaufnahmen einer bekannten Faust-Inszenierung aus den 60ern. Auch Musik wird mit einem gewissen Humor an bestimmten Stellen eingespielt. Um Fausts Wünsche zu untermalen, erschallt Alphavilles Forever Young und um Mephisto anzukündigen, dröhnt Hells Bells von AC/DC durch den Saal. Vor allem interessant ist, dass die Rollen Fausts und Mephistos beide von Emilia Reichenbach übernommen werden, die mit verschiedener Schminke und Kostümen in Form von lebensgroßen Pappcartoons immer wieder in den Videos erscheint, um die Erzählung stumm, aber lippensynchron mit der 60er-Audioaufnahme zu unterstützen. Die cartoonartige Kleidung der männlichen Hauptfiguren sowie der Einfall, den berühmten Himmelsdialog von Gott und Teufel durch den Einsatz von Handpuppen eines Hasen und eines Fuchses zu erzählen, sind bewusste Entschlüsse des Regisseurs, der damit die Stereotypen gewisser Rollen verdeutlichen will, die sich bereits von Kindheit an in unseren Verstand fressen. Tatsächlich kommt es so recht am Anfang zu einer knapp 20-minütigen Vortragephase, in der Gretchen selbst gar nicht zu Wort kommt. Hilflos rennt sie von Wand zu Wand, doch sie ist gezwungen, die eindimensionale Sichtweise, die die Kasseler Bürger zu Gretchens Figur und der allgemeinen Handlung haben, über sich ergehen zu lassen. Sie ist unfähig, in diesem Labyrinth der Zuschreibungen und Vorurteile zu agieren. Die kindliche Unsicherheit, mit der sie sich zuweilen zwischen den Projektionen im Versuch dazuzugehören aufstellt und der dankbare Blick, wenn einer der Bürger ihrer Figur auch nur das kleinste bisschen Sympathie entgegenbringt, zeigen wie abhängig Gretchen von diesen Zuschauern ist. Das erste Mal, dass sie tatsächlich zu Wort kommt, ist durch ein Lied. Traurig doch klar singt sie : „Die ganze Welt hat sich auf meine Brust gesetzt“ „Das Herz aus Plastik“. Sie beschreibt die Qualen einer missverstandenen Figur und das Gefühl, sich künstlich und falsch zu vorzukommen. Sie fängt an, aktiver und vor allem bewusster zu werden. Sie fängt an, die Bürger zu korrigieren. „Margarete!“, ruft sie, wenn jene sie Gretchen nennen. Sie will die Verniedlichungsform und die damit verbundene soziale Herabsetzung ihres Namens und ihrer Identität nicht länger zulassen. Das zeigt sich auch in ihrem folgenden Gesang. Tief und wild grölt sie im Versuch, sich über die geltenden Klischees von weiblichem Auftreten hinwegzusetzen. Doch kann sie diese Tonlange nicht durchhalten und bricht hustend ab. Sie schafft es nicht, aus ihrer Rolle auszubrechen. Sie wird zunehmend verzweifelter, denn sie kennt die Handlung des Stücks und versucht dessen Fortgang zu verhindern. Mit aller Kraft versucht sie die Tür zuzuhalten, durch die das Geschenk Fausts an sie, ein Kleid, versucht, zu ihr hereinzukommen. Als dass Kleid dennoch hindurch kommt, legt Gretchen – Pardon: Margarete - einen trotzigen Catwalk damit hin. Sie legt offen, auf was sie von Goethes Stück und dessen Zuschauern, denn nichts anderes sind die Kasseler Bürger, reduziert wird. Sie brüllt gegen Faust an, will ihn zum Gehen zwingen, doch vergebens. Margarete versucht zu zeigen was wahre Liebe für sie bedeutet. Dafür gibt sie ein ruhiges Lied zum Besten, wobei sie nur von einer Kerze, dem einzig natürlichen Licht, angestrahlt wird. Sie stellt die Kerze in den Eimer, vielleicht in der Hoffnung, das Loch endlich schließen zu können, nur um die Kerze erlöschen zu sehen. Sie droht aufzugeben. Während sie den Eimer hochhebt, ihn fast wie ihren einzigen Freund umarmt, wobei ihr die Tropfen aufs Gesicht fallen, versucht sie, ihre eigenen Verse aus Faust klassisch zu rezitieren, jedoch gibt sie, abgelenkt von den Tropfen, wütend auf. Bis zu diesem Punkt liegen die großen Botschaften nur im Detail, doch nun drehen Stück und Schauspielerin noch einmal auf. Erneut tauchen die Kasseler Bürger auf. Laut und bedrohlich begleitet von chaotischem Blitzlicht kreisen sie um Margarete herum und beschreiben in geisterhaften Kamerawinkeln die Walpurgisnacht, bis es zum kathartischen Aufschrei kommt. „Ich will hier raus!“ schreit sie. Ein letztes Mal erscheint Faust überlebensgroß als Projektion. Emilia Reichenbach blickt auf das durch verzerrte Schminke dargestellte Gesicht ihres Unterdrückers, letztendlich dargestellt von ihr selbst. Stille herrscht und in ihr kommt die Erkenntnis. Die übermächtige Gestalt des Faust ist letztendlich Margaretes eigene mentale Version von jenem und damit ihre eigene Schöpfung, die sie kontrollieren kann. Sie hebt die Fernbedienung, mit der sie sich nun 80 Minuten selbst gefoltert hat und zappt ihn entschlossen weg. Die Fesseln der Dramenhandlung hat sie nun abgelegt. Ihre Freiheit demonstriert sie, indem sie ungezwungen die Zuschauer anspricht. Sie öffnet die Tür nach draußen und verlässt, nun ausgestattet mit Pullover und Schuhen, die ihr den unbeschwerten Aufenthalt in der Außenwelt ermöglichen, und mit dem Spruch: „Ich begann 213 Jahre nach meinem Tod zu leben“ den Saal, wobei sie die Reclam-Ausgabe von Goethes Drama demonstrativ auf den Boden fallen lässt. 

Schlussendlich lässt sich sagen, dass „Faust Gretchen“ auf kreative Weise die Rolle der klassischen Frauenfigur in Dramen neu interpretiert, dabei leider an einigen Stellen zu sehr auf die Raffinesse seiner Bühnentechnik und zu wenig auf die künstlerische Energie seiner Hauptdarstellerin vertraut. Der Symbolismus des Stücks liegt in intelligenten Details. Ein Stück, dessen Botschaften niemand widersprechen wird, dem dadurch aber möglicherweise die Kontroversität fehlt, die das Thema eigentlich beansprucht. 

Ben Leenen

24

März

2022

LIEBE / Eine argumentative Übung, 19.30 Uhr

von Sivan Ben Yishai

Kosmos Theater Wien

Popeye & Olivia, das legendäre Comic-Paar: der spinatverschlingende Matrose und sein unauffälliges Frauchen mit der Falsettstimme. Aber wer ist eigentlich diese Frau, die Popeye Tag für Tag den Rücken freihält, damit er sich unbekümmert auf seine großen Abenteuer konzentrieren kann? In „LIEBE / Eine argumentative Übung“ ist sie eine kluge und erfolgreiche Schriftstellerin, die sich nur im Hintergrund hält, damit ihr Glanz nicht die Unbedeutsamkeit ihres Liebsten überstrahlt.
Die Autorin Sivan Ben Yishai holt Olivia aus dem Schatten der unwichtigen Nebenfiguren heraus und stattet sie mit scharfen kollektiven Zungen aus, mit der sie die Beziehung selbstkritisch analysiert und seziert. Sprachgewaltig und witzig hinterfragt sie die Ambivalenz zwischen der feministischen Selbstdarstellung und der Rolle der Frau im Beziehungsgefüge. Denn wie kann dieses Paar-Sein funktionieren ohne sich selbst aufzugeben?

MIT Anna Lena Bucher, Claudia Kainberger, Aline-Sarah Kunisch, Tamara Semzov / REGIE Anna Marboe / BÜHNE & KOSTÜM Lisa Horvath / DRAMATURGIE Anna Laner / REGIEASSISTENZ Juliane Aixner

90 Minuten, keine Pause
Szenenfotos @ Bettina Frenzel

Live im Parktheater Bensheim und im Stream

Trailer zu "LIEBE / Eine argumentative Übung"

Schulprojekt THEATERKRITIK: Leonie Wahlig, Mia Wahlig, Ira Jung und Tabea Lauer "Vulgär, beeindruckend, provokativ"

"Vulgär, beeindruckend, provokativ"

LIEBE / EINE ARGUMENTATIVE ÜBUNG

Das Kosmos Theater Wien führte am 24.03.22 im Parktheater Bensheim „LIEBE / Eine argumentative Übung“ von Sivan Ben Yishai bei der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler auf.

Das Stück „LIEBE / Eine argumentative Übung“ ist vulgär, beeindruckend, unzensiert und provokativ. Olivia Oyl, die schüchterne und im Hintergrund stehende Flamme des bekannten spinatessenden Seemanns Popeye, wird hier zur selbstbewussten, aber gleichzeitig auch verunsicherten Protagonistin, die ihr Leben mit Popeye mit dem Zuschauer teilt. Insgesamt vier Schauspielerinnen spielen das Stück und beeindrucken durch eine aufregende, laute, künstlerische und teilweise sogar musikalische Show vor einer außergewöhnlichen Kulisse: eine Couch in Form einer Vulva, zwei Sitzsäcke in Form zweier Brüste, die von der Decke baumeln und deren Brustwarzen abnehmbar und somit auch als Hüte gut tragbar sind. Aber nicht nur die beeindruckende Kulisse stach während des Stückes hervor, sondern vor allem die herausragende schauspielerische Leistung der vier Frauen, die abwechselnd Olivias Gedanken und Sorgen offenbaren. Mal sprachen alle Schauspielerinnen synchron, mal sangen und tanzten sie ausgelassen und dann folgten immer mal wieder Monologe. Aufgeführt wurde das Stück von Anna Lena Bucher, Anna Morboe, Aline-Sarah Kunisch und Tamara Semzov, die abwechselnd oder gleichzeitig die Rolle der Olivia verkörperten. 

Anna Morboe, die Regisseurin, die das Stück zur österreichischen Erstaufführung brachte, stand an diesem Abend selbst auf der Bühne und vertrat so die erkrankte Claudia Kainberger.  

Das Stück handelt hauptsächlich von Olivia Oyl, der Freundin Popeyes, die dem Zuschauer mal von einer ganz anderen Seite gezeigt wird. Denn nun ist der kraftvolle und selbstbewusste Seemann Popeye, der Spinat mehr liebt als alles andere, nicht mehr der Protagonist, sondern seine ruhige und unauffällige Frau Olivia, die den meisten Leuten wohl eher aufgrund ihrer sehr hohen „Falsettstimme“ in Erinnerung geblieben ist. Popeye ist in der Inszenierung auch kein Seemann, sondern ein Mann, der von einer Karriere als Filmregisseur träumt, wohingegen Olivia eine bereits erfolgreiche Schriftstellerin ist. 

„Ein Schiff, das in der Mitte auseinanderbricht“. So startet das Stück, welches den Zuschauer augenblicklich an einem Orgasmus von Olivia teilhaben lässt, die sich mithilfe des Duschkopfes mit 12 Jahren ganz neu kennenlernt, wobei sie jedoch vier Vorderzähne an den Wannenrand verliert. Dadurch wird direkt zu Beginn ein Bezug zur Zeichentrickserie hergestellt. 

Das Stück spielt schamlos auf das - aus Olivias Sicht - sehr unbefriedigende Sexleben der beiden an und legt ganz klar die expliziten Probleme offen. So ist es für Olivia ein nicht unbedeutendes Problem, dass ihr Mann sie nicht befriedigt, was unter anderem durch das auf der Bühne performte Lied „Er hat sie nie geleckt“ an Ausdruck gewinnt. Das Lied wird ironisch aber nie lächerlich mit der Ukulele begleitet. Indem das Licht im Zuschauerraum angeht, wird das Publikum animiert, das Lied mitzusingen. Die Reaktionen darauf sind jedoch eher verhalten und so ist vereinzeltes Klatschen die ausgelassenste Reaktion darauf. Neben dem Sexleben von Olivia und Popeye wird auch der Alltag der beiden thematisiert – so erwartet Popeye von Olivia volle Unterstützung, während er sich selbst jedoch nicht so richtig für sie zu interessieren scheint. Weder liest er die von ihr geschrieben Bücher, noch erinnert er sich an den Termin wichtiger Preisverleihungen Olivias. Doch anstatt Popeye mal richtig ihre Meinung zu geigen, schluckt sie ihr Ärgernis und ihre Enttäuschung runter, um ihren „Boy“ nicht zu verärgern. 

Es geht um Körpergerüche, falsche Männlichkeit und um die Rolle der Frau und somit ganz klar um Feminismus. Olivia will aus den Rollenbildern ausbrechen, will frei und unabhängig sein. Jedoch stößt sie dabei immer wieder an ihre Grenzen und bleibt ihrem Vorhaben nicht ganz treu. Sie merkt, wie sie sich von Popeye beeinflussen lässt, und ärgert sich immer wieder über ihn – vergibt ihm aber meist dann doch im nächsten Moment wieder. Was sie am meisten an ihm liebt ist, dass er sie liebt. Sie fühlt sich geschmeichelt, von einem so gutaussehenden Mann auserwählt worden zu sein. Sie befindet sich im Konflikt mit ihren eigenen Gefühlen und den Erwartungen der Gesellschaft sowie dem Verhalten Popeyes. Da sie sich selbst in ihrer Beziehung mit Popeye nicht verwirklichen kann, verliert sie sich immer mehr. Olivias drei Grundprinzipien wirft sie für Popeye über Bord, zieht mit ihm zusammen und zahlt seinen Unterhalt. Das einzige Grundprinzip, das sie nicht aufgibt, ist, ihn nicht zu heiraten. Sie merkt vor allem zum Ende hin selbst, wie sehr sie ihre eigenen Anliegen und Gefühle denen von Popeye unterordnet und auch, wie sehr sie sich selbst durch die Beziehung aus den Augen verloren hat. Aus einer unabhängigen, selbstbewussten und für die Rolle der Frau kämpfenden Olivia ist eine Frau geworden, die ihren Partner mitfinanziert, ihre eigenen Gefühle und sexuellen Interessen vernachlässigt und den Haushalt ganz allein führt ohne sich zu beklagen. Dieses ernste Thema der eigenen Wertigkeit in einer Beziehung, was so viele Frauen da draußen beschäftigt, wird auf sarkastische und humorvolle Art und Weise durch Gesangs- und Tanzeinlagen der Schauspielerinnen zu Bonnie Tylers „Total Eclipse of the heart“ und das abrupte Verstummen der Musik dargestellt. 

Schließlich entscheidet sich Olivia zum Ende des Stückes hin, sich von Popeye zu trennen, um wieder zu ihrem emanzipierten Leben zurückzukehren und ihre Sexualität auszuleben. 

Das Stück „LIEBE / Eine argumentative Übung“ beeindruckt mit der frechen Offenheit zu einem doch heutzutage noch sehr schambehafteten Thema des unerfüllten Sexlebens aufgrund mangelhafter Kommunikation und der oft fehlenden Notwendigkeit der Selbstliebe.  

von Leonie Wahlig, Mia Wahlig, Ira Jung und Tabea Lauer, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim 

 

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen "Was ist denn jetzt die weibliche Form für Blowjob?"

 LIEBE / EINE ARGUMENTATIVE ÜBUNG, Gastspiel des Kosmos Theater Wien bei der Woche junger Schauspieler*innen am 24.3.2022 im Parktheater Bensheim

"Was ist denn jetzt die weibliche Form für Blowjob?"

Mit dieser sowohl provokanten als auch gerechtfertigten Frage, widmet sich das Theaterstück „LIEBE/ Eine argumentative Übung“ von Sivan Ben Yishai den tiefsitzenden Mustern des Patriarchats sowie den Tücken des Feminismus. Hierfür bedient sich das Stück mit viel Witz, doch ebenso mit stahlharter Ernsthaftigkeit eines der bekanntesten Comic-Paare: Popeye & Olivia. 

Vier Schauspielerinnen des Kosmos Theater Wien, Anna Lena Bucher, Aline-Sarah Kunisch, Tamara Semzov und die für die kurzfristig erkrankte Claudia Kainberger eingesprungene Regisseurin Anna Marboe führten das Stück am 24.03. in Bensheim auf. 

Das Paradoxon der gleichberechtigten Beziehung wird mit der erfolgreichen Serie verglichen. Die Serie folgt gewissen Regeln. Popeye ist der Protagonist, um ihn geht es nun mal – soll heißen, Jahrhunderte lang war der Mann ohne jeden Zweifel der dominante Part einer Beziehung und es ist schwierig, dieses Bild zu vertreiben. Apropos Bilder: Wer Olivia googelt, der wird nur wenige Bilder finden, auf denen sie ohne Popeye dargestellt ist. Sie schafft es nicht, losgelöst von ihm wahrgenommen zu werden. Die Parallele zum Individualitätsverlust innerhalb einer Beziehung ist so offensichtlich wie wahr. Statt es sich nun aber einfach zu machen und Popeye als chauvinistischen Macho darzustellen, wird sich hier für eine weit komplexere Beziehung der beiden entschieden. Popeye sieht sich nämlich genau wie Olivia als Feministen. Er ist ein gefühlvoller und unsicherer Künstler. Beide wollen ehrlich eine Beziehung auf Augenhöhe führen, doch sind beide auf ihre Weise in einem Netz aus Vorurteilen und Geschlechterrollen gefangen. Popeye versucht, seine Olivia zu respektieren, doch hält es gleichzeitig für obligatorisch, dass sie ihren Kopf auf seine Brust legt und nicht andersrum. Die sich als emanzipiert verstehende Olivia blickt verächtlich auf die sexistischen Ratschläge ihrer Großmutter herab, nur um ihnen dann letztendlich zu gehorchen. 

Die Bühnengestaltung sorgt dafür, dass bei dieser 90-minütigen, unter der Regie von Anna Marboe stehenden Beziehungsanalyse, von Anfang an alle Tabus gebrochen werden. Von der Decke hängen zwei gigantische Brüste und das Sofa im Zentrum der Bühne ist einer Vulva nachempfunden. Die Stehlampe, die Olivias konservativer Großmutter gehört, hat einen Schirm aus blondem Kunsthaar, repräsentiert also deutlich das auch heute noch allzu verbreitete Frauenbild. Auch die Rollenverteilung der vier Schauspielerinnen stellt etwas Besonderes dar, denn sie existiert streng genommen nicht. Denn sie alle sind Olivia, zeitweise sind sie Popeye, dann wieder die Großmutter, dann wieder Erzählerin. Das Stück fast den klugen Entschluss, dass es eine Schar braucht, um die Gefühle einer einzelnen angemessen darzustellen. Energiegeladen und mit einer rasanten Choreografie fegen die vier Frauen über die Bühnen. Sie beenden die Sätze der anderen und heben bestimmte Phrasen durch bewusst kollektive Vortragsweise hervor. Die stürmische und humorvolle Dynamik ist beeindruckend. 

Das Stück ist in zwei Akte unterteilt. Der erste Akte behandelt vor allem die Gleichberechtigungskämpfe des Alltags. Es gibt mehrere Gesangseinlagen von bekannten Popsongs, die toxische Botschaften im Bezug auf romantische Beziehungen vermitteln. „You say it best when you say nothing at all“, heißt es dort beispielsweise. Kommunikation ist nicht romantisch. Vergnügt und fast ahnungslos singen die vier Schauspielerinnen mit, doch sobald die Musik stoppt, wirkt der Tanz albern und der Gesang schief. Unsicher halten sie inne und realisieren, was sie da eigentlich singen. Mit Herzluftballons um die Hand gebunden, aus Liebe zu Popeye Blattspinat mampfend und auf der Vulva-Couch lümmelnd, erkennen sie, wie sehr auch sie als Feministinnen sich in ihrer Beziehung in alte Rollenbilder flüchten. „Kämpf für Feminismus, wenn keiner dich umarmt“, ist die Einstellung, mit der sie, ohne es zu merken gelebt haben. Eine Verbesserung dieser Einstellung würde das Eingestehen der Fehlbarkeit und die damit verbundene Scham voraussetzen, doch leider wurde Olivia vom „modernen“ Feminismus eingebläut „von der eigenen Scham beschämt“ zu sein. Sie sind im System gefangen. Der zweite Teil fokussiert sich auf den sexuellen Teil einer Beziehung und der weiblichen Identität. Bemerkungen wie „Aber er hat nie ihre Pussy geleckt“ und „Was ist denn jetzt die weibliche Form für Blowjob?“, die auf die sexuelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen, ziehen sich durch das Stück, was beim Publikum vor allem unter den Männern zu einem gewissen Unwohlsein führt, das aber natürlich (typisch männlich) von nervösen Lachern überspielt wird. Masturbation als Akt der Emanzipation wird mehrmals im Stück zelebriert. Tatsächlich beginnt und endet das Stück mit dem weiblichen Orgasmus. Es beginnt mit einer masturbierenden 12-jährigen und endet mit einer erwachsenen Frau und einem Fremden in einem Hotelzimmer. Die sexuelle Freiheit wird mit einem Tigerbaby verglichen, das Olivias Eltern ihr nicht erlauben zu behalten, bis sie schließlich selbst allein und von Popeye verlassen zum Tiger wird. Die Beschreibung von Olivias folgenden sexuellen Eskapaden geht hierbei bewusst ins Obszöne. Von „Sperma, Pisse und Blut“ ist die Rede. Parallel zum unausgesprochenen Imperativ weiblicher Grazie wird auch das Bühnenbild demontiert. Das Stück endet mit den vier Schauspielerinnen, die triumphierend auf der Spitze des Berges aus Requisiten stehen und brüllen. 

 „LIEBE/ Eine argumentative Übung“ ist ein lustiges, intelligentes und selbstbewusstes Theaterstück von Frauen für Frauen und die Männer, die sie gerne verstehen würden. Bestimmt wäre sogar noch ein bisschen mehr Energie gewünscht, aber der erste Schritt wurde getan und das verdient größtes Lob. 

Übrigens: Die weibliche Form für Blowjob lautet Cunnilingus.  

 Ben Leenen 

25

März

2022

möwe.live, 19.30 Uhr

ein digitales Theaterstück von punktlive nach Anton Tschechow

Einen Sommer voller unbeschwerter Tage verlebten Kostja, Nina, Mascha mit Kostjas Mutter Arkadina und ihrem neuen Liebhaber Trigorin in Frankreich. Die Erlebnisse von damals sind nunmehr Erinnerungen. Festgehalten nur in Aufnahmen aus Trigorins Video-Tagebuch und zahlreichen Fotos. Verbunden über soziale Medien verfolgen die Figuren, was aus den anderen geworden ist. Glänzende, glückliche Lebenswege zeigen die Bilder, doch sie trügen. Denn alle Beteiligten müssen feststellen, dass ihre Erwartungen ans Leben nicht unbedingt mit der Realität vereinbar sind.
Tschechows 1895 geschriebenes Drama dient als thematischer Leitfaden. Die Kernthemen sind Einsamkeit, Sehnsucht und das Scheitern daran, sich ehrlich mitzuteilen. Cosmea Spelleken inszeniert dabei explizit für den digitalen Raum. Jeden Abend neu und live performt werden die Grenzen zwischen Film und Theater, öffentlich und privat neu ausgelotet.

Die Vorstellung wird live gespielt und kann von überall aus gesehen werden!
Mit den in Social Media zum Leben erweckten Charakteren des Stückes kann das Publikum vor, während und nach den Vorstellungen über Facebook, Instagram und Co. in Interaktion treten.
Einfach folgen, kommentieren oder eine Nachricht schreiben – sie antworten auch!
@kostja.treplejow
@nina_sarajetschnaja
@mascha_schamrajew77
@boris.a.trigorin
@irina.arkadina_official

MIT Ulrike Arnold, Jonny Hoff, Nils Hohenhövel, Janning Kahnert, Klara Wördemann / KONZEPT & REGIE Cosmea Spelleken / TECHNISCHE KONZEPTION Leonard Wölfl / DRAMATURGIE LIVESCHNITT Lotta Schweikert / PRODUKTIONSLEITUNG Sofie Anton / MUSIK Jonas Rausch

120 Minuten, keine Pause
Fotos @ punktlive

live im Netz (Streamingticket) und Public Viewing im Parktheater Bensheim (freier Eintritt!)

Trailer zu "möwe.live"

ca. 22.00 Uhr: Verkündung der Preise

● Vergabe des Günther-Rühle-Preises für herausragende schauspielerische Leistungen
● Bekanntgabe der Publikumspreises
● Bekanntgabe des Preises der Schüler*innenjury mit Verlesung der Begründung

Schulprojekt THEATERKRITIK: Mara Stegmeier "Ich will es gar nicht bewerten…doch schon."

MÖWE.LIVE

Das Kollektiv punktlive führte am 25.03.22 „möwe.live“ nach Anton Tschechow als digitales Gastpiel auf bei der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler.

„Ich will es gar nicht bewerten…doch schon.“  

Das trifft ziemlich gut auf das wohl sehr andere Stück „möwe.live“ des Theaterkollektivs punktlive unter der Regie von Cosmea Spelleken zu. Inszeniert wird ausschließlich im digitalen Raum, Schauspieler*innen sind auf der Bühne keine anzutreffen. Der Zuschauer wird im Konzept dieser digitalen Inszenierung auch digital in die improvisierten Abläufe mit eingebunden: Vor, nach und während der Vorstellung kann das Publikum mit den Charakteren des Stücks auf Instagram, Twitter, Facebook und co. interagieren.  

„möwe.live“ wurde nach dem Vorbild von Tschechows Drama „Die Möwe“ geschaffen und wird diesem mehr als gerecht. Ansprechend modernisiert werden auch hier die Themen Einsamkeit, Sehnsucht und der Trug der Sozialen Medien auf die virtuelle Bühne gebracht.  

Das Publikum taucht ein in das virtuelle Abbild des Lebens von Kostja Treplejow (Nils Hohenhövel), Nina Sarajetschnaja (Klara Wördemann), Mascha Schwamrajew (Jonny Hoff), Boris Trigorin (Janning Kahnert) und Kostjas Mutter Arkadina (Ulrike Arnold), deren Wege sich nach einem letzten Sommerurlaub in Frankreich getrennt haben. Einzig und allein die Sozialen Medien erlauben es ihnen, den Werdegang ihrer Freunde zu verfolgen. Kostja ist erfolgreicher Nachwuchskünstler, Mascha (ein Mann) erwartet mit seiner Frau ein Kind und Nina besucht als Möchtegernschauspielerin Casting für Casting. Doch der Schein trügt. Unter der ach so glücklichen Fassade auf Social Media bemerkt der Zuschauer durch die Teilnahme an Video Calls und Chats der Charaktere, dass Sehnsüchte und Unglück deren Leben prägen. Immer wieder werden Videoaufnahmen aus Boris´ Videotagebuch eingespielt, die die glücklichen Erinnerungen an den unbeschwerten vergangenen Sommer darstellen. Für die Charaktere ist nun jedoch alles anders. Sie allesamt sind Künstler, einer erfolgreicher als der andere. Doch hinter jedem Erfolg steckt eine erdrückende Wahrheit. Nina hat keinen Erfolg bei ihren Vorsprechen, Kostja geht zur Therapie und droht unter dem Druck, ein neues Theaterstück schreiben zu müssen, zu ersticken. Niemand von ihnen schafft es, sich dem anderen ehrlich mitzuteilen. So wird auch der (vermutliche) Selbstmord Kostjas am Ende des Stücks zur großen Überraschung, die Mascha zu einem Liebesgeständnis herausfordert, das im letzten Moment zurückgenommen wird.

So gleicht „möwe.live“ ebenfalls thematisch Tschechows Werk: eine Alltagsgeschichte von einer Gruppe junger Künstler, die allesamt glücklich zu sein scheinen. Die eigentliche Komplexität ihres Lebens und ihrer Beziehungen kommt nur unterschwellig hervor, ausgesprochen wird sie so gut wie nie. Untermalt wird der standardisierte Alltag durch aktuelle Bezüge auf die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg. Diese Bezüge lassen den Zuschauer eine ganz eigene Verbindung zu der dargestellten Situation finden, die das ein oder andere Mal zu Gelächter führen. Das falsche Bild des Lebens wird erst zur brutalen Ehrlichkeit, als Kostjas Selbstmord dem Zuschauer präsentiert wird.  

Ganz gemäß ihrem Vorbild schafft Cosmea Spelleken auch eine Inszenierung, die simpel wirkt, ohne dramatische Wendungen oder extraordinäre Handlungen. Der Ausgang des Stücks ist so von Anfang an nicht unbedingt erahnbar und wirkte daher überraschend. Blickt man jedoch auf die kleinen Details im Stück zurück, so scheinen die Anzeichen immer da gewesen zu sein. Denn das Stück wirkt allein durch die versteckten Hinweise, die auf zukünftige Geschehnisse oder Vergangenes hindeuten, und durch Botschaften, die nur durch die Interpretation des Zuschauers bemerkbar werden. Dadurch fordert es den Zuschauer heraus, aufmerksam hinzusehen und Details zu entdecken. Um die Beziehungen der Figuren zu verstehen, zählen so auch nicht nur die Erinnerungen aus dem Videotagebuch, sondern ebenfalls Kostjas Notizen, die dem Zuschauer nur kurz und ohne weiteren Kommentar präsentiert werden. Auch die Emotionen der Charaktere werden während der Chats, die eigentlich das falsche, glückliche Bild auf die Personen darstellen, clever für den Zuschauer ersichtlich gemacht. Aggressives Tippen auf der Tastatur und Seufzer hinter dem Bildschirm geben Hinweise auf die eigentlichen Emotionen, die in der jeweiligen Situation vorherrschen.  

Dadurch, dass all diese Hinweise dem Zuschauer nur unterschwellig zur Verfügung standen, ist dieser in einer ähnlichen Position wie die Charaktere des Stücks. Er sieht mit an, wie die Charaktere sich öffentlich präsentieren oder durch die Medien präsentiert werden. Zugleich bekommt er jedoch auch ganz private Einblicke in das Leben dieser. Ob er diese Informationen allerdings nutzt, das wird ganz ihm selbst überlassen. 

Interessant ist auch, dass Kostja als Drehbuchautor über neue Formen spricht. Formen, die eigentlich doch keine Bedeutung haben. Bedeutend ist nur die Geschichte dahinter. Diese neuen Formen werden gleichzeitig in dem Stück selbst durch die digitale Machart gezeigt. Sie bildet eine neue und moderne Form des Theaters, die die Grenze zwischen Theater und Film verschwimmen lässt. Der Zuschauer blickt auf das Leben der Figuren in Rückblenden, ist jedoch gleichsam mittendrin. Er scheint sich selbst in den Videocalls zu befinden oder den Desktop zu bedienen. Kostjas Worte legen jedoch nahe, dass diese digitale Art der Inszenierung nicht weiter von Bedeutung ist, und der Fokus auf das Thema des Stücks gelegt werden sollte. 

Das Ende der Inszenierung ist eine wahre Herausforderung für die Nerven der Zuschauer. Plötzlich geht alles ganz schnell. Kostja ist tot, der Grund wird nie ausgesprochen, und Mascha ist dabei eine Nachricht in Gedenken an seinen Freund zu verfassen, die seine Liebe zu ihm öffentlich bekanntgeben würde. Doch er löscht sie, das Publikum stöhnt enttäuscht auf. Ein Stück, das vor allem für den aufmerksamen Zuschauer Spannung geboten hat, geht zu Ende. 

von Mara Stegmeier, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt THEATERKRITIK: Louisa Rusch "Zwischen Vergangenheit und Zukunft in einem Raum ohne Tür"

MÖWE.LIVE

Am 25.03.22 war „möwe.live“ nach Anton Tschechow als digitales Gastpiel auf bei der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler zu erleben.

"Zwischen Vergangenheit und Zukunft in einem Raum ohne Tür"

„möwe.live“ ist nun schon das zweite Theaterstück, das von den jungen Schauspieler*innen um Cosmea Spelleken auf den Bildschirm gebracht wird. Schon 2020 inszenierte das Theaterkollektiv „punktlive“ Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. Vorlage für das neue Stück ist Anton Tschechow mit seinem Drama „Die Möwe“. Allerdings ist auch diese Inszenierung explizit für den digitalen Raum gestaltet. Vor, während und nach der Aufführung haben die Zuschauer die Möglichkeit, mit den Figuren über Facebook, Twitter, Instagram und Co. in Kontakt zu treten. 

Die Inszenierung handelt von Einsamkeit, Sehnsucht und dem Scheitern daran, sich ehrlich mitzuteilen. In einer zweistündigen Vorstellung können die Zuschauer die drei Protagonisten Kostja Treplejow (Nils Hohenhövel), Nina Sarajetschnaja (Klara Wördemann) und Mascha Schwamrajew (Jonny Hoff) live dabei verfolgen, wie sie WhatsApp Nachrichten verfassen, durch die Social Media Accounts ihrer Freunde und Verwandten stöbern oder Gespräche über Zoom führen. Immer wieder werden die Szenen aus der Gegenwart durch Einschübe aus Boris Trigorins (Janning Kahnert) Video – Tagebuch, dem Freund von Kostjas Mutter Arkadina (Ulrike Arnold), unterbrochen, das Momente aus dem vergangenen Sommer zeigt. 

Dieser vergangene Sommer ist für die drei Protagonisten Kostja, Nina und Mascha nichts mehr als eine ferne Erinnerung. Seit diesem Sommer haben sich die Wege der drei getrennt. Einzig Social Media gibt ihnen Einsicht in die Leben der Anderen. Kostja, ein erfolgreicher Nachwuchskünstler, Nina, eine Schauspielerin in den Startlöchern, und Mascha, ein werdender Vater. Aber der Schein trügt. Nichts in dem Leben der drei Protagonisten ist perfekt. 

Schon in der ersten Szene des Stückes wird dies angedeutet. Eine Möwe liegt tot am Wegrand. Ein Symbol, dessen Interpretation dem Zuschauer selbst überlassen ist. Steht die Möwe vielleicht für Kostjas Leben, der sich nichts weiter wünscht, als loszulassen, frei zu sein und zu fliegen? Oder für eine bevorstehende negative Veränderung der Situation? Auf diesem Konzept der Eigeninterpretation beruht auch der Rest der Inszenierung. So sind durch die Handlung immer wieder Hinweise versteckt, die auf zukünftige Geschehnisse hindeuten. Es liegt allein am Zuschauer, diese zu finden. Ein komplexes Detektivspiel für Theaterliebhaber. 

Kleine Details in Form von Desktop-Hintergründen, offenen Seitentabs, Notizen oder gelöschten Nachrichten sind es, die so viel über die Figuren verraten. Ganz nach dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ bekommt der Zuschauer das Gefühl, jeden Moment selbst in die Handlung eingreifen zu können. Ein einfacher Klick mit der eigenen Computermaus, um das WhatsApp – Fenster zu schließen oder doch einen eigenen Instagram – Post verfassen? Eine Verführung der anderen Art. Gleichzeitig wirft es aber auch Fragen auf. „Hätte ich die Nachricht abgeschickt?“ oder „Was wäre, wenn er diese Nachricht nicht gelöscht hätte?“, sind einige davon. Der Bildschirm scheint keine Wand zwischen Zuschauer und Theaterfigur zu sein, sondern eine Brücke. So viele unausgesprochene Worte fliegen durch den digitalen Raum und halten die Zuschauer vor ihren Bildschirmen gefangen.  

Vier Wände, eine Tür und doch kein Entkommen. So geht es auch Kostja. Gefesselt von seinem eigenen Theaterstück sitzt er in seinem Zimmer und schreibt. Akt 4, Szene 3. Eine männliche Person, T., liegt auf seinem Bett. Das Berliner Appartement ist dunkel. Nur das Licht seines Handys spendet ihm Licht, bis er seine Nachttischlampe anschaltet. Eine melancholische Melodie tönt aus seiner Stereoanlage. Wenige Szenen später sieht der Zuschauer diese Szene inszeniert. Kostja schaltet die Musik sein, dann wechselt die Szene. Genau wie sein Theaterstück schafft er es nicht über den vierten Akt hinaus. 

Mit möwe.live schafft Cosmea Spelleken eine neue Form von Theater. Das Stück verbindet Film mit Theater und Fiktion mit Realität. Es spielt mit Kontrasten. Die harmonischen Erinnerungen des Sommerurlaubs in Frankreich, wo alles noch so perfekt zu sein schien, werden der harten Gegenwart gegenübergestellt. Es wirft Fragen auf, übt Kritik am Verhalten der Gesellschaft und bietet einen neuen Blick auf Theater. Aber am Ende der Vorstellung kommt es nicht auf alte oder neue Formen von Theater an, sondern lediglich auf die Geschichte, die erzählt wird und die ist mehr als nur wert, gesehen zu werden. 

von Louisa Rusch, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

Schulprojekt THEATERKRITIK: Ben Leenen "Der Tod der Kunst – und was danach kommt "

MÖWE.LIVE

Am 25.03.22 war „möwe.live“ nach Anton Tschechow als digitales Gastpiel auf bei der Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler zu erleben.

"Der Tod der Kunst – und was danach kommt. Eine Reise in die Theatertheorie"

1895 schrieb Anton Tschechow über sein Stück „Die Möwe“ folgendes: „…wenig Handlung, ein Pud Liebe“ („Pud“ ist eine russische Maßeinheit und entspricht 16 Kilogramm). Diese Aussage trifft ebenfalls auf Cosmea Spellekens Inszenierung des Theaterstücks unter dem Titel „möwe.live“ zu. 

Der junge Künstler Kostja versucht, sich in der Theaterszene zu behaupten, dabei muss er sich vor allem mit seiner Mutter, einer renommierten Schauspielerin, auseinandersetzen, die ihm ständig den künstlerischen Erfolg ihres Liebhabers Trigorin vor Augen führt. Zusätzlich leidet er unter den Gefühlen für seine Ex-Freundin, die aufstrebende Schauspielerin Nina, bei denen ihm auch sein bald Vater werdender Künstler-Kumpel Mascha nicht helfen kann.  

Grundhandlung und die meisten Figurennamen hat das Stück von seiner russischen Vorlage übernommen, doch da hört es auch schon auf. „möwe.live“ ist nämlich genau wie die künstlerischen Ansichten seines Protagonisten Kostja radikal modern inszeniert. Und zwar digital. Über eine große Leinwand im Theatersaal oder auf dem Bildschirm des heimischen Computers wird dem Publikum die Handlung des Stücks durch Bildschirmaufnahmen von Chaträumen oder Zoom-Meetings der Figuren sowie durch Ausschnitte aus Trigorins Videotagebuch präsentiert. Dem Publikum ist es sogar möglich, den Figuren zu schreiben und das Stück somit zu beeinflussen. In der Aufführung im Bensheimer Parktheater ergriff diese Chance allerdings keiner. Bei vielen Theaterpuristen im Publikum trifft diese Form der Inszenierung auf Unwillen. „Warum muss denn alles, jetzt wo das Theater endlich wieder offen hat, auf einem blöden Bildschirm stattfinden?“, „Spelleken hat mit werther.live doch schon genau das Gleiche abgezogen!“ hört man bisweilen aus dem Publikum. Jedoch ignorieren diese Ausrufe die unbändige Liebe für die Kunst, die dem Stück innewohnt. Dort heißt es, dass Formen nebensächlich sind. Worum es geht, ist, den Inhalt so gut es geht zu vermitteln.  

Für den wahren Grund der digitalen Inszenierung muss man allerdings einen Blick in die Theatertheorie werfen. Die erste Inszenierung von Tschechows „Die Möwe“ war ein spektakulärer Misserfolg. Erst als sich Theaterlegende Konstantin Stanislawski des Stoffs annahm, konnte es ein Erfolg werden. Stanislawski ist bis heute nicht nur einer der einflussreichsten Theater- und Schauspieltheoretiker aller Zeiten, er war auch ein großer Verfechter des Naturalismus. Doch die Welt hat sich seit dieser Zweitaufführung von „Die Möwe“ verändert. So schwer es auch ist, das einzusehen, ein Großteil unseres Lebens findet in Handys und Computern statt. Die Digitalisierung des Theaters ist also nichts anderes als die Modernisierung des von Stanislawski gewünschten Naturalismus. Die Idee eines live aufgeführten Filmes lässt natürlich auch an das Dogma 20_13 Manifest denken, doch würde das wohl an dieser Stelle vom Thema wegführen. 

Nichtsdestotrotz lässt sich im Verlauf der Vorstellung nicht nur unter den Theaterpuristen Unmut im Publikum feststellen: Das Stück ermüdet. Denn wie bereits gesagt, trotz der zwei Stunden Laufzeit gibt es wenig Handlung. Über weite Strecken werden dem Publikum alltägliche Belanglosigkeiten präsentiert. Figuren chatten minutenlang wortlos mit ihren Freunden oder scrollen durch verschiedene Memes. Auf den Bildschirmen sind dabei unglaublich viele Details verstreut. Wer dem Stück folgen will, muss ein scharfes Auge haben, sonst wird man weder die vielen Nachrichten erfassen können, die sich die Figuren senden, noch die vielen Details bemerken, geschweige denn interpretieren. Die mentale Aktivität, die hier vom Publikum gefordert wird, hätte Brecht bestimmt gefallen. In einer Liste mit dem Titel „Filme zum Gucken“ auf Kostjas Computer ist „Der Spiegel“ aufgeführt. Ein Film des russischen Ausnahmeregisseurs Andreij Tarkowski. Wer das nötige Wissen besitzt, wird spätestens jetzt Spellekens Absicht verstehen. Tarkowski legte in seinen Filmen nur geringen Fokus auf eine tatsächliche Handlung, sondern war darauf aus, seinen Inhalt in Form von abstrakten Gefühlen und Assoziationen zu vermitteln. Nirgends wird das deutlicher als in „Der Spiegel“ und genau diesem Vorbild folgt „möwe.live“. 

Es erzählt von der Kunst. Genauer gesagt vom Tod der Kunst – was danach kommt. Alles beginnt mit Aufnahmen eines glücklichen Sommers, den alle Figuren miteinander verbringen. Es beginnt mit dem Fund einer toten Möwe. Die Möwe ist nicht nur ein Symbol der Freiheit, sondern auch das Totem der Künstler. Somit beginnt alles mit dem Tod der Kunst und dem Niedergang der Künstler. Die Figuren leben sich auseinander und erzielen nicht den erwünschten Erfolg im Leben. Kostja steht dabei für den progressiven sowie depressiven Künstler, der es kaum schafft, die eigenen Gedanken zu ertragen. Nina ist die idealistische, aufstrebende Künstlerin, die sich vom Glanz der Künstlerwelt hat blenden lassen. Mascha trägt dabei das düsterste Schicksal. Er ist der Künstler, der es nicht schafft, Kunst zu machen. Heimlich ist er in Kostja verliebt. Diese Liebe verhilft ihm dazu, eine bewegende Rezension zu Kostjas Werk aufzunehmen, aber Sekunden, nachdem er fertig ist, löscht er die Rezension. Er ist in seiner jetzigen Rolle als Vater gefangen, ein künstlerischer Freigeist, der von seiner genormten Umwelt domestiziert wird. Es gibt nichts Bedeutsames mehr, was die neuen Künstler erzählen könnten, oder wie Kostja es ausdrückt: „Unsere Generation kann die Welt nur schlechter machen.“  

Alles endet mit Kostjas Suizid. Der Tod der Kunst ist damit behandelt, doch was ist denn nun das Danach? Für die Antwort auf diese Frage bezieht sich das Stück indirekt auf die Schriften des Dramatikers Friedrich Dürrenmatt, der ähnlich wie Kostja erkannte, dass die großen Geschichten bereits erzählt sind. Seine Folgerung: „Das Schicksal hat die Bühne verlassen, auf der gespielt wird, um hinter den Kulissen zu lauern, außerhalb der gültigen Dramaturgie“.  

Da ist sie nun, die finale Antwort. Was nämlich nach dem Tod der Kunst kommt, ist das Stück selbst. Es zeigt Künstler, während sie keine Kunst erschaffen, und findet die Kunst darin. Keine großen Botschaften sind mehr vorhanden. Doch die großen Themen der Kunst schimmern nichtsdestotrotz durch. Die Aufnahme eines Menschen in der Küche kündet vom Sinn des Lebens, in der Vorbereitung auf ein Casting liegt der letzte Hauch wahrer Liebe. 

Wer vorhat, sich beruflich oder zumindest geistig mit Kunst zu beschäftigen, dem ist dieses Stück empfohlen. Wer nach klassischer Unterhaltung sucht, der sei gewarnt. 

Die klassische Kunst ist tot. 
Die moderne Kunst ist tot. 
Die postmoderne Kunst ist tot. 
Die postmortem Kunst lebt! 

von Ben Leenen, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

About 

Förderung der jungen Schauspielkunst

Eine der vornehmsten Aufgaben der Akademie ist die Förderung des Theaternachwuchses. Mit der "Woche junger Schauspieler*innen", die seit 1996 in Bensheim stattfindet, bietet die Akademie - gemeinsam mit der Stadt Bensheim, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim, dem Land Hessen und weiteren Förderern - dem schauspielerischen Nachwuchs ein inzwischen begehrtes und vielbeachtetes Forum.

Vier bis sechs Inszenierungen sind im März im Parktheater Bensheim zu sehen. Seit 2003 wird der Bensheimer Theaterpreis für junge Schauspielerinnen und Schauspieler, dotiert mit € 3000.-, für herausragende schauspielerische Leistungen, an eine einzelne Darsteller*in oder ein ganzes Ensemble, verliehen. Die dreiköpfige Jury setzt sich zusammen aus einem Mitglied der Akademie, einem/r jungen, freien Theaterschaffenden und einer von der Stadt Bensheim berufenen Persönlichkeit. Zu Ehren des langjährigen Kurators der „Woche junger Schauspieler“ und Ehrenpräsidenten der Akademie wurde der Preis 2009 in Günther-Rühle-Preis umbenannt.
Auch das Bensheimer Publikum stimmt nach jeder Vorstellung über das Gesehene ab. Nach der letzten Vorstellung werden die Stimmzettel ausgewertet und das Stück, das die größte Zustimmung erhielt, bekannt gegeben.

Für 2022 wurde das Programm zusammengestellt von einer Jury unter dem Vorsitz von Dagmar Borrmann (Dramaturgin und Hochschullehrerin), Antonia Leitgeb (stellv. Leiterin Studiengang Dramaturgie Theaterakademie August Everding), Nicolas Matthews (Schauspieler am Staatstheater Hannover) und Florian Fischer (Regisseur und Künstler).

VERANSTALTER

  • Stadt Bensheim

  • Deutsche Akademie der Darstellende Künste

  • Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

  • Sparkasse Bensheim

Mit freundlicher UNTERSTÜTZUNG von

  • Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

  • Bergsträßer Anzeiger

Archiv

Vergangene Wochen junger Schauspieler*innen

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Resümee 

26. Woche junger Schauspieler*innen (13.-18.6.2021) – es wurde gestreamt, gelikt und gechattet was das Zeug hielt

Erstmals fand das Festival digital mit einem Live-Stream im Netz statt. Trotz Terminverschiebung vom Frühjahr in den Sommer war es corona-bedingt nicht möglich, die 5 ausgewählten Inszenierungen mit Live-Gastspielen nach Bensheim zu holen.
In Kooperation mit der Plattform Spectyou wurden die Stücke gestreamt und konnten 24h on Demand dem Publikum zur Verfügung gestellt werden. Alle eingeladenen Inszenierungen hatten aus diesem Anlass in eine filmische Fassung investiert, die z.T. von herausragender Qualität war. Nachgespräche mit den Teams führten die Jurymitglieder per Zoom, an denen sich Zuschauer über einen Chat beteiligen konnten. Es war ein konzentrierter und inhaltlich intensiver Austausch, trotz digitaler Distanz.

Aufgrund der mangelnden Vergleichbarkeit der digitalen Produktionen und der schwierigen Situation der Schauspieler*innen im Pandemiejahr, entschieden sich die Veranstalter, den diesjährigen „Günther-Rühle-Preis“ in einen Solidarpreis umzuwandeln, der an alle Schauspieler*innen zu gleichen Teilen geht. Dies wurde möglich durch die Erhöhung des Preisgeldes von 3.000 € auf 5.000 € - den Förderern sei Dank!

Zum Publikumspreis wurde mit 100% Zustimmung „Der Nazi & der Friseur“ vom Staatsschauspiel Dresden zur besten Inszenierung 2021 gewählt. Das Publikum würdigte das herausragende Spiel der beiden Darsteller Franziskus Claus, Daniel Séjourné.

Eine überaus engagierte Schülergruppe des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheim, die, unter Anleitung des Theaterpädagogen Raphael Kassner, der Journalistin und Bloggerin Lena Kettner und des Lehrers Florian Krumb, tief in das Handwerk des Kultur-Journalismus eintauchte, begleitete das Festival. Äußerst lesenswerte und fundierte Kritiken zu den Inszenierungen haben die Schüler*innen quasi über Nacht verfasst. Veröffentlicht wurden die Kritiken im Bergsträßer Anzeiger (online und print) sowie auf der Homepage der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und auf unserer Facebook-Seite.

Fazit: Wichtige Erfahrungen in puncto Digitalisierung, gute Reaktionen, eine Reichweite weit über Bensheim hinaus und Verjüngung des Publikums.
Und trotzdem:  Nicht nur von den  Juror*innen  wurde die Sehnsucht nach dem Live-Erlebnis im Parktheater bekundet, das kommendes Jahr hoffentlich wieder möglich sein wird.

Theater am Laptop

(Foto @ Lena Kettner)

13. bis 18. Juni 2021 

Die 26. Woche junger Schauspieler*innen ist online!

Das Programm

Um jeweils 19 Uhr startet der Livestream, danach stehen die Produktionen ab 22 Uhr 24h on demand zur Verfügung.
Kostenfreier Zugang!
Keine Anmeldung erforderlich!

Im Parktheater Bensheim findet ein Public Viewing auf großer Leinwand statt.
Die Anzahl der kostenfreien Tickets ist begrenzt. Bitte schreiben Sie eine e-mail an [email protected] unter Angabe ihrer Kontaktdaten und der gewünschten Kartenanzahl.

Grußwort der Veranstalter

Liebe Freundinnen und Freunde des jungen Theaters,

wir freuen uns außerordentlich, dass es in diesem Jahr gelungen ist, einen Weg zu finden, die beliebte und hochklassige Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler präsentieren zu können. Dieses Theaterfestival zumindest digital erleben zu dürfen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das reale Erlebnis mit allen Sinnen vor Ort im Theater ist sicher auch bald wieder möglich.
Lassen Sie uns gemeinsam eintauchen in das Beste, was das junge Theater in Deutschland zu bieten hat.

Auf inspirierende Stunden und hoffentlich sehr bald wieder auf persönliche Begegnungen im Theater,

Christine Klein / Bürgermeisterin Stadt Bensheim

Prof. Hans-Jürgen-Drescher / Präsident der Deutschen Akademieder Darstellenden Künste

Matthias Haupt / Geschäftsführer Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Manfred Vögtlin / Vorstand Sparkasse Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik

Zum 6. Mal wird die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste im Rahmen der Woche junger Schauspieler*innen das Schulprojekt Theaterkritik fortsetzen. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen. Begleitet werden sie dabei von Profis aus Theaterpädagogik und Journalismus.

Ihre Beiträge werden auf unserer Internetseite, unseren Social-Media-Kanälen und - in Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger - in einer Auswahl in dessen Printausgabe veröffentlicht.

Programm  13.06. bis 18.06.2021

13

Juni

2021

Auftaktveranstaltung

Die Juror*innen Dagmar Borrmann, Carola Hannusch, Antonia Leitgeb und Moritz Peters stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

13

Juni

2021

Tartuffe

von Moliére, dt. Fassung Wolfgang Wiens
Universität der Künste Berlin UdK; Ensembleprojekt des 3. Jhrg. Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild

Das Haus Orgon hat seine ausübende Macht in die Hände von Tartuffe gelegt – nun herrscht das Regime des Verbots, der Gewalt, der Lüge unter der Maske der Moral. Keiner erkennt das blanke Eigeninteresse des Hausfreundes, einzig das Hausmädchen Dorine durchschaut Tartuffes Machenschaften und versucht, zum Widerstand aufzurufen. Molières Phantasmagorie von der Machtergreifung eines Horrorclowns scheint 300 Jahre später politisch realer denn je. 

MIT Vito Sack, Nina Bruns, Robert Knorr, Teresa Annina Korfmacher, Servan Durmaz, Maximilian Diehle, Sarah Schmidt, Hêvîn Tekin / REGIE, BÜHNE Hermann Schmidt-Rahmer / KOSTÜM Viktoria Posavec
Szenenfotos © Daniel Nartschick

Schulprojekt Theaterkritik: Emely Behringer "Eigenwillige, kreative Inszenierung"

Bensheim. „Keinen Tarte Shape Tape Concealer, keine Urban Decay Eyeshadow Palette, keine Tangle Teezer…?“ Diese Wortwahl erwartet der Zuschauer nicht in einem Bühnenstück von Molière. Doch genau dies haucht der Inszenierung, unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer, eine gewisse Modernität ein. Die Woche junger Schauspieler startete am 13. Juni 2021 mit dem Stream des Stückes „Tartuffe“, verfasst von dem französischen Dichter Molière, welches am 12. Mai 1664 in Paris uraufgeführt wurde.

Die im Stream gezeigte Inszenierung von der Universität der Künste in Berlin wurde im Rahmen eines Ensembleprojekts des dritten Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild kreativ umgesetzt.

Im Hause Orgon schleicht sich ein scheinheiliger Betrüger ein: Tartuffe, der durch seine strengen Moralvorstellungen und religiösen Prinzipien die vollkommene Bewunderung des Familienvaters für sich gewinnen kann. Völlig geblendet von seiner Hingabe zu dem ungebetenen Gast, ignoriert Orgon die Widerstände und Anschuldigungen der restlichen Familie. Der Siegeszug Tartuffes scheint unaufhaltsam. Der Hausherr ist sogar bereit, Tartuffe die Hand seiner Tochter Mariane zu versprechen und ihm seinen ganzen Besitz zu überschreiben. Der Zuschauer muss Orgon dabei beobachten, wie er nicht mehr erkennen kann oder will, was um ihn herum Offensichtliches passiert oder wie es in der Inszenierung gesagt wird: „Er kann Wahrheit nicht mehr von Fake unterscheiden.“

Vor allem die Ausdrucksweise spielt in der Inszenierung der Berliner Universität eine wichtige Rolle, die Figuren wechselten zwischen einer „molièrischen“ Sprache aus dem Originaltext und der umgangssprachlichen Ausdrucksweise der heutigen Zeit. Dieser sprachliche Wechsel verlieh der Aufführung eine gewisse Dynamik. Nicht nur die Modernität der Sprache lässt sich auf die gegenwärtige Zeit beziehen, sondern auch das Thema, mit welchem sich das Stück befasst. Wie Machtergreifung und Beeinflussung die Wirklichkeit umformen kann, hat sich im Laufe der Weltgeschichte des Öfteren gezeigt. Auch das Frauenbild hat sich über die Jahrhunderte stark verändert, jedoch lassen sich bis heute noch Parallelen zu Molières Stück ziehen.

Die jungen Schauspieler überzeugten mit ihren darstellerischen Fähigkeiten. Besonders Sarah Schmidt, welche die redegewandte und sehr selbstbewusste Zofe Dorine verkörperte, beeindruckte durch ihre schauspielerische Leistung. Zweifelsohne im Mittelpunkt des Abends stand Maximilian Diehle, durch seine skurrile aber doch faszinierende Verkörperung des Tartuffes begeisterte er den Zuschauer. Die schauspielerische Leistung wurde durch das spartanische Bühnenbild, welches lediglich aus einem Stuhl bestand, noch einmal mehr betont. Zudem trug dies zum zeitlosen Charakter der Aufführung bei.

Die Bühne wurde mithilfe einer großen OSB-Platte verkleinert, wodurch ein schmaler Bühnenstreifen entstand. Hierdurch wurde die beengte und bedrückende Stimmung, die im Hause Orgon herrschte, unterstrichen. Die eigenwillige, aber kreative Inszenierung wurde auch durch die von Viktoria Posavec ausgewählten Kostüme unterstützt. Groteske und nicht zueinander passende Kleidungsstücke wurden bewusst gewählt und spiegelten das egozentrische Verhalten der einzelnen Figuren hervorragend wider. Teilweise war die Umsetzung jedoch etwas zu überspitzt, die zum Teil unnatürlichen Körperbewegungen oder die sehr freizügigen Auftritte finden vermutlich nicht jedermanns Zustimmung.

Ungeachtet dessen ist die Neuinterpretation des Stückes durchaus gelungen. Hermann Schmidt-Rahmer ist mit der Inszenierung der Komödie „Tartuffe“ von Molière ein unterhaltsamer und kurzweiliger Theaterband gelungen. Die Modernität und Aktualität des Stückes ist auch nach mehr als 300 Jahren zutreffender denn je. Eine klare Empfehlung für den nächsten Theaterbesuch.

Emely Behringer, Altes Kürfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Kristina Giere "Mit Witz und Frische"

Bensheim. Die Fassung von Molières „Tartuffe“ an diesem Abend wurde inszeniert von einem Ensemble der UdK Berlin unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer und im Rahmen der 26. Woche junger Schauspieler aufgeführt. Das Stück feierte bereits im Dezember vergangenen Jahres seine Premiere als Produktion des 3. Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild unter der Leitung von Viktoria Posavec.

Die Neuinterpretation der Komödie wurde auf Grund der aktuellen Pandemiesituation, wie alle Stücke der Veranstaltung, als Stream präsentiert.

Der vermeintlich fromme Tartuffe (Maximilian Diehle) nistet sich im wohlhabenden Hause Orgon ein und gewinnt dort die Oberhand. Er nimmt sich, was er will. Sohn Damis (Robert Knorr), Tochter Mariane (Teresa Annina Korfmacher) und Frau Elmire (Nina Bruns) haben nun ihm zu gehorchen und auf einmal ist alles Vergnügen verboten. Hochzeits-, Erb- und Vermögensangelegenheiten sind in seiner Gewalt.

Hausherr Orgon (Vito Sack) selber scheint von den bösen Absichten seines Hausgastes und dessen Interesse an Elmire nichts mitzubekommen, ganz im Gegenteil, er ist von der Frömmigkeit und Ausstrahlung Tartuffes fasziniert und für kein vernünftiges Argument zugänglich. Gefangen im Bann des Betrügers erfüllt er diesem jeden Wunsch und befolgt seine Ratschläge ohne zu zögern und überträgt ihm sogar seinen Besitz.

Nun bleibt es an der Hausangestellten Dorine (Sarah Schmidt), Widerstand zu leisten und die Familie aus den Fängen des Meisters der Verstellung und Verführung zu befreien.

Das Bühnenbild, das aus einer großen Holzplatte bestand, die einen schmalen Steg zum Spielen freigab, und einem einzelnen Stuhl, war passend gewählt. Durch den simplen Hintergrund und die wenigen Requisiten lag das Augenmerk des Zuschauers auf den skurrilen und auffälligen Kostümen sowie der äußerst expressiven Spielweise durch starke Mimik und große Gestik der Schauspieler. Die spielfreudige Gruppe zeigte Mut sowie großen physischen Einsatz und schreckte auch nicht vor Intimität zurück.

Mit musikalischen Einlagen untermalt, wirkten die schnell gedachten und gesprochenen Dialoge teilweise albern. Hinzu kamen übertrieben dargestellte Handlungen, die eine recht verstörende Wirkung beim Zuschauer erzielten.

Der Wechsel zwischen Auszügen des Originaltextes mit seiner formalen Sprache und der Alltagssprache, durchsetzt mit vulgären Ausdrücken, trug zum modernen Charakter der Inszenierung bei. Dieser Eindruck wurde unterstützt durch das kurzzeitige Verlassen der Rolle durch die Schauspieler auf Performance-Ebene. Die Videoaufzeichnung zeigte aus der Perspektive einer leichten Aufsicht abwechselnd die Totale der Bühne und Nahaufnahmen der Darsteller.

Mit Witz und Frische ließ das Ensemble den Zuschauer für 75 Minuten in seine Welt von Doppelmoral und Gutgläubigkeit eintauchen. Die Schreckensvision Molières von der Machtergreifung eines Blenders und der Unfähigkeit zum Widerstand scheint drei Jahrhunderte später immer noch hoch aktuell.

Die Theatergruppe der UdK Berlin bot mit ihrem Stück einen herrlich unterhaltsamen Abend und somit einen gelungenen Auftakt der Woche junger Schauspieler.

Kristina Giere, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Hannah Katzenmeier "Verstörende Anblicke"

Bensheim. „Ist die Absicht rein, so ist die Sünde nur halb so klein.“ Mit dieser Aussage rechtfertigt Tartuffe seine darauffolgenden Annäherungsversuche bei Elmire, einer bereits verheirateten Frau.

Das Stück „Tartuffe“, geschrieben von Molière im Jahre 1669, wurde von dem Ensemble des 3. Jahrgangs Schauspiel im Zusammenspiel mit dem Studiengang Kostümbild der Universität der Künste in Berlin nach der Version des Regisseurs Professor Hermann Schmidt-Rahmer neu inszeniert.

Tartuffe (Maximilian Diehle) ist ein Betrüger, welcher sich durch seine vorgespielte Frömmigkeit die Gunst Orgons sichert und nun bei ihm wohnt. Orgon ist so von Tartuffe überzeugt, dass er sogar seine Tochter Marianne (Teresa Annina Korfmacher) mit ihm verheiraten möchte. Marianne ist eigentlich schon mit Valère (Robert Knorr) verlobt, weshalb sie die Entscheidung ihres Vaters unglücklich macht, jedoch geht sie trotzdem nicht gegen die Entscheidung ihres Vaters vor. Die Initiative ergreifen allerdings die Dienerin Dorine (Sarah Schmidt), Damis (Mariannes Bruder; Robert Knorr) und Elmire (Stiefmutter, Frau Orgons; Nina Bruns), gemeinsam wollen sie die Heiratspläne zunichtemachen.

Zunächst wird Tartuffe von Dorine zurechtgewiesen. Doch schon im nächsten Moment startet er seine Annäherungsversuche bei Elmire, welche von ihrem Sohn Damis beobachtet werden. Jener berichtet Orgon davon, jedoch glaubt Orgon ihm nicht. Elmire will ihren Mann den Beweis liefern, dass Tartuffe versucht, sich ihr zu nähern. Orgon willigt daraufhin ein, sich im Raum zu verstecken. Als Elmire Tartuffe zu sich bittet und ihm vorspielt, sie würde seine Liebe erwidern, geht jener darauf ein. Bevor Tartuffe jedoch zu weit geht, schickt sie ihn unter einem Vorwand hinaus, was ihr die Zeit verschafft, sich mit ihrem Mann zu besprechen. Jener ist nun von Tartuffes heuchlerischer Art überzeugt, weshalb er ihn danach zur Rede stellt. Orgon will ihn aus dem Haus schmeißen, jedoch hatte er Tartuffe wichtige Papiere anvertraut, weshalb sich jener nun das Recht des Hausherrn herausnehmen will. Schon kurze Zeit später steht Tartuffe mit einem Polizeibeamten vor der Tür, welcher Orgon festnehmen soll. Die Familie wirft Tartuffe all seine Vergehen vor und anstelle des Vaters wird doch Tartuffe verhaftet, da der Polizist erkannt hat, das Tartuffe ein vielgesuchter Betrüger ist und die Familie Orgon im Recht ist.

Aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation fand die Veranstaltung zur Eröffnung der Woche junger Schauspieler online statt, ab 19 Uhr konnte man sich die Aufnahme des Stückes im Stream anschauen.

Das Bühnenbild bestand aus einem Laufsteg von der einen Bühnenseite zur anderen, dahinter war eine Holzwand, schlicht und einfach gehalten, der Fokus lag so völlig auf den Darstellern, ihre Gesten und Formulierungen kamen dadurch besonders gut zur Geltung.

Auch die überspitzte Art der Darstellung erzeugte eine gute Wirkung. Die Vermischung unserer heutigen Sprache mit der Sprache aus dem Originaltext ließ den Zuschauer aufhorchen und sich selbst reflektieren. Denn inwiefern lässt sich das Stück in unsere heutige Zeit übersetzen?

So wie damals sind auch noch heute die Moral unserer Gesellschaft, das Frauenbild und die Politik aktuelle und wichtige Themen. Orgon, der sich so leicht von Tartuffe beeinflussen lässt, zeigt den einzelnen Bürger, der sich schnell von etwas mitreißen lässt, das den Schein des Guten zu wahren versteht, ohne dass er selbst alle Seiten kennt. Dieses Phänomen findet sich heute nicht nur in der Politik, sondern vor allem auch in den Sozialen Medien, welche allerdings einen großen Einfluss auf die politische Meinungsbildung haben.

Teilweise kam es jedoch zu durchaus verstörenden Anblicken. Zwei fast völlig unbekleidete Männer, von denen einer auch noch seine Hand in die Unterwäsche des anderen gleiten ließ. Ein verstörender und abstoßender Anblick, den man sich gerne erspart hätte.

Insgesamt kann man somit sagen, dass es an den schauspielerischen Qualitäten auf keinen Fall mangelte, schade waren lediglich einige zu überspitzte Darstellungen, die den Zuschauer abschreckten und eine etwas verstörende Wirkung hervorriefen. Beachtet man jedoch die Aktualität des Stückes, lohnte es sich durchaus, es zu schauen, um sich so eine eigene Meinung zu dem Stück und den verhandelten Themen zu bilden.

Hannah Katzenmeier, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

14

Juni

2021

Der Nazi & der Friseur

nach dem Roman von Edgar Hilsenrath
Staatsschauspiel Dresden

Hochzeitstag von Friseur Itzig Finkelstein und seiner Frau Mira im neugegründeten Staat Israel unter Holocaustüberlebenden. Was niemand wissen darf: Iztig Finkelstein war nicht Gefangener im Konzentrationslager, er ist der SS-Mann und Massenmörder Max Schulz. Mit einem Beutel voller Goldzähne und einer gestohlenen jüdischen Identität reist er nach Palästina aus und macht sich im Kampf um den jüdischen Staat verdient. Eine groteske Geschichte, die vermag, mit Übertreibung und Zuspitzung den Unvorstellbarkeiten des Realen näher zu kommen, als es Realismus könnte.

MIT Franziskus Claus, Daniel Séjourné / REGIE Monique Hamelmann / BÜHNE, KOSTÜM Nadja Hensel / LICHT Olivia Walter / DRAMATURGIE Janny Fuchs

www.hilsenrath.de
By arrangement with Literarische Agentur Mertin Inh. Nicole Witt e. K., Frankfurt a. M, Germany
Szenenfotos © Sebastian Hoppe

Schulprojekt Theaterkritik: Tilman Arndt "Grotesk, aber berührend"

Bensheim. „Was bleibt einem schon übrig, als seine Identität so mühelos abzustreifen wie eine SS-Uniform?!“ Passend zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz hat ein junges Team des Staatsschauspiels Dresden unter der Regie von Monique Hamelmann und Dramaturgin Janny Fuchs im Februar 2020 „Der Nazi & der Friseur“ uraufgeführt.

Das Stück ist eine Bühnenadaption des gleichnamigen Romans von Edgar Hilsenrath, einem jüdischen Holocaust-Überlebenden. Im Rahmen der Woche junger Schauspieler konnte man am Montagabend im Stream die Aufzeichnung einer überarbeiteten Version erleben, die die klassischen Bühnenszenen durch Videoeinspieler und filmische Mittel bereicherte.

„Der Nazi & der Friseur“ erzählt die Lebensgeschichte des KZ-Wächters Max Schulz, der zur Rettung des eigenen Lebens am Ende des Krieges die Identität seines von ihm ermordeten jüdischen Jugendfreundes Itzig Finkelstein annimmt. Als „Startkapital“ für sein „neues Leben“ dient ihm eine Kiste voller Goldzähne - in der Inszenierung symbolisiert durch allgegenwärtiges Popcorn. Die verschiedenen Stationen seines Lebens werden hier in nicht streng chronologischer Reihenfolge dargestellt.

Max (alias Itzig) entwickelt sich dabei vom durchtriebenen, letztendlich gescheiterten Schwarzmarkthändler in West-Berlin über einen zionistischen Widerstandskämpfer in Palästina zum angepassten Friseur und Ehemann im neu gegründeten Staat Israel. Die Handlung mündet in eine fingierte Gerichtsverhandlung: Kann es für einen Massenmörder eine Strafe geben, die die Opfer oder ihre Hinterbliebenen zufriedenstellt? Wie auch der Roman, aus dem einzelne Passagen in der Aufführung rezitiert werden, so spielt auch die Inszenierung mit überzogenen Klischees, Vorurteilen und teils grotesken Übertreibungen.

Trotz der offensichtlich absurden Handlung gelingt es Daniel Séjourné, Max Schulz charakterliche Tiefe und Authentizität zu verleihen. Unterstützt wird er dabei von Franziskus Claus, der in beeindruckender Variabilität in Haltung, Sprache und Dialekt mit großer Spielfreude alle anderen Rollen übernimmt. Sparsam, aber gezielt eingesetzte Requisiten und ein einfaches aber variables Bühnenbild unterstützen die beiden harmonisch miteinander agierenden Schauspieler. Die Lebendigkeit der Inszenierung wird zusätzlich unterstützt durch den Wechsel der gezeigten Bildausschnitte - von der klassischen Theaterzuschauerperspektive bis hin zu gezoomten Detailaufnahmen.

Die zusätzlichen Möglichkeiten, die ein „Theater-Stream“ bietet, werden somit als bereichernde Unterstützung genutzt. Dennoch vermissen sicherlich nicht nur die Akteure den unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum. Auch als Zuschauer, der an diesem Abend zwischen Entsetzen über das Grauen des Berichteten und Lachen über teils komische Situationen schwankt, sehnt man sich nach einem „echten“ gemeinsamen Theatererlebnis.

Dem gesamten Team ist es mit „Der Nazi & der Friseur“ gelungen, die Thematik des Holocausts aus der Täterperspektive auf ungewöhnliche Weise lebendig und berührend zu beleuchten. Ein Theaterabend, der sicherlich bei vielen noch lange nachwirken wird!

Tilman Arndt, Altes Kurfürstliches Gymnasium BensheimB

15

Juni

2021

Das Gesetz der Schwerkraft

von Olivier Sylvestre
Staatstheater Kassel

Der Pfad zum Erwachsenwerden ist alles andere als gerade. Vor allem wenn man, wie Fred, ständig umzieht. Zum Glück trifft er Dom, der genau wie Fred vierzehn und trotzdem ganz anders ist. Dom verkleidet sich als Pop-Sängerin mit Schnurrbart, wäre auch gerne ein Kaktus oder eine Möwe. Auch Fred fühlt sich unwohl in seiner Haut. Als wäre es als Heranwachsender nicht schon schwer genug, müssen sich beide mit  Kommentaren auf ihren Profil-Seiten und im echten Leben herumschlagen. Wenn man wenigstens mit dem eigenen Spiegelbild nicht auf Kriegsfuß stehen würde … einfühlsam wird von den Unwägbarkeiten einer Welt erzählt, die zwischen männlich und weiblich nicht viel kennt.

MIT Marius Bistritzky, Tim Czerwonatis / REGIE Martina van Boxen / BÜHNE, KOSTÜM Sibylle Pfeiffer / KOMPOSITION Manuel Loos / ANIMATIONEN Katrin Nicklas / DRAMATURGIE Julia Hagen
Szenenfotos © Marina Sturm

Schulprojekt Theaterkritik: Paula Lucia Schulze "Sensibles Thema einfühlsam gespielt"

Bensheim. Dass „Das Gesetz der Schwerkraft“ mehr als nur Einsteins Relativitätstheorie und Planetenbewegung ist, beweist Olivier Sylvestre in seinem Stück. Denn damit hinterfragt der kanadische Autor die gesellschaftlichen Normen und setzt sich mit dem Wunsch nach Akzeptanz und Selbstfindung auseinander. Im Rahmen der Woche junger Schauspieler wurde das Stück online als Live-Stream präsentiert.

Die Coming-of-Age-Story wird aus der Perspektive des 14-jährigen Teenagers Fred (Marius Bistritzky) erzählt. Fred zieht oft um und hat Schwierigkeiten Anschluss zu finden, bis er in seiner neuen Heimatstadt den gleichaltrigen Dom (Tim Czerwonatis) kennenlernt.

Dom ist nicht so wie alle anderen Jugendlichen: Er verkleidet sich gerne, um in die Rollen anderer zu schlüpfen und um mal aus seiner Haut zu kommen. Seine Kostüme beinhalten Tiere, aber auch Gegenstände und Pop-Sängerinnen mit Schnurrbart.

Auch Fred fühlt sich in seinem Körper unwohl und weiß nicht so recht, wo sein Platz im Leben ist und wer er selbst überhaupt ist. Wenn wenigstens die Mitschüler die beiden in Ruhe lassen würden…

Vor der Vorstellung gab es ein kurzes Interview mit Sylvestre, welches trotz seiner französischen Muttersprache auf Deutsch geführt wurde. Hier erzählte der Autor von seiner Inspiration für das Stück: Es basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit und beschreibt die Geschichte von einem seiner Kollegen, der selbst eine Geschlechtsangleichung durchlebt hat.

Dass Sylvestre das Thema nicht willkürlich aufgreift, zeigt sich durch die realistischen Dialoge der Figuren, die teilweise mit etwas Witz gespickt sind, um die ernste Thematik nicht allzu düster zu gestalten. Zudem glänzen die beiden Schauspieler Czerwonatis und Bistritzky mit ihrer darstellerischen Leistung: Sie treten in ihren Rollen äußerst emotional auf, was an den ein oder anderen Stellen durchaus Gänsehaut auslösen konnte.

Das ungewohnte Online-Format offenbart uns eine neue Möglichkeiten, Theater kennenzulernen. Überraschenderweise wurde nicht nur in Normalansicht als „One Take“ gefilmt. Es gibt viele Schnitte und stellenweise auch Großaufnahmen von bestimmten Gesten oder dem gerade sprechenden Schauspieler. Dies unterstützt die Handlung sehr gut, erinnert aber eher an einen Film, der wie ein Theater gedreht wurde.

Das große Thema Homo- und Transsexualität bringt Martina van Boxen mit dem Jungen Staatstheater Kassel einfühlsam auf die Bühne, berichtet auch die Jury der Woche junger Schauspieler. Die Vielfalt der Sexualität ist immer noch ein empfindliches Thema und wird viel zu selten besprochen. Die Wenigsten wissen von mehr sexuellen Orientierungen als Hetero-, Homo- und Bisexualität. Und wenn dann auch noch von Gender-Identität und Gender-Ausdruck die Rede ist, trifft man oft nicht nur auf Unwissen, sondern auch auf Unverständnis.

Dabei bemerken die Betroffenen schon früh im Kindesalter, dass sie „anders“ sind, die gesellschaftlichen Erwartungen hingegen versuchen aber, sie in eine vorbestimmte Geschlechterschublade zu stecken.

Hat man eine Tochter, kauft man ihr Puppen und zieht ihr rosa Kleidchen an. So ist es halt, und wird es auch immer sein. Oder nicht?

Beim Thema Homosexualität wurde die letzten Jahre schon viel getan. Selbst der Papst hat sich inzwischen für eine Anerkennung ausgesprochen, dennoch steht Homosexualität immer noch in acht Staaten unter Todesstrafe und in vierzehn weiteren droht eine lebenslängliche Gefängnishaft.

Aber was hat das Ganze jetzt mit der Schwerkraft zu tun? Nun – mit diesem sensiblen Thema setzen sich Fred und Dom über bisher alle bekannten Gesetze hinweg, einschließlich den veralteten Gesellschaftsnormen.

Paula Lucia Schulze, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

Schulprojekt Theaterkritik: Lisa Gesue "Wir werden nie wie alle anderen"

Bensheim. Wer bin ich? Und wer darf ich sein? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Jugendstück „Das Gesetz der Schwerkraft“, welches im Rahmen der Woche junger Schauspieler:innen am 15. 06. 2021, allerdings nur als Online-Stream, vorgestellt wurde. Das Stück nimmt uns mit auf die Reise des Erwachsenwerdens und bricht mit Rollenklischees und Geschlechternormen.

Fred zieht oft um, was ihn zum Außenseiter macht. Aufgrund dessen ist er oft allein. Das ändert sich als er Dom trifft. Dom ist auch oft allein. Trotzdem ist er nicht wie Fred. Dom weiß nicht wer er ist oder wer er sein darf. So fühlt er sich unwohl in seiner Haut, er will manchmal gerne eine Möwe sein. Wenngleich er körperlich als Mädchen geboren wurde, wusste er eigentlich schon immer, dass er kein Mädchen ist. Deshalb hat Dom die Pronomen er/ihm angenommen, trägt ausschließlich maskuline Kleidung und trotzdem fühlt er sich nicht wie er selbst: „Ich will hin und herwechseln können, beides gleichzeitig sein oder weder das eine noch das andere, ganz nach Lust und Laune.“ Diese Gemeinsamkeit haben die beiden 14-jährigen Protagonisten dann doch: die Suche nach dem eigenen Selbst. Denn Fred schminkt sich und trägt gerne hautenge Hosen. „Das Gesetz der Schwerkraft“, geschrieben von dem kanadischem Autor Olivier Sylvestre, nimmt uns mit in die Welt zweier Jugendlicher und beschreibt zwei äußert vielschichtige Charaktere.

Das moderne Stück wurde zutiefst berührend und nachdenklich von Martina van Boxen, der Leiterin des jungen Staatstheaters Kassel, und ihrem Team inszeniert. Kreativ wird hier mit der Corona-Situation umgegangen und es ist ein Stück ganz für den digitalen Raum entstanden. Die Schauspieler interagieren mit der Kamera, es kommen Musik und Animation (Katrin Nicklas) zum Einsatz, hier balanciert man an der Grenze zwischen Film und Theater.

Leere, damit empfängt uns die Bühne. Eine Leere die uns das ganze Stück begleiten wird. Das Bühnenbild (Sibylle Pfeiffer) ist ganz in schwarz gehalten und lenkt damit den Blick auf die Schauspieler. Und das ist auch gut so, den Zuschauer:innen wird nicht viel Zeit für ein Nachdenken oder Innehalten gelassen. Gleich zu Beginn ist er:sie mitten im Geschehen und dennoch verliert das Publikum den roten Faden nicht. Und dies, trotz der diversen Themen, die das Stück abdeckt – Verlust, Drogenkonsum, Mobbing, Identität, Erste Liebe – beinah zu viel für ein Stück, so scheint es. Dabei bildet der Mittelpunkt der Inszenierung eine Brücke in einer kleinen Stadt. Hier begegnen sich Fred und Dom immer wieder, unterhalten sich, ziehen sich an und stoßen sich auch immer wieder ab. Realistisch wird hier eine bewegte Freundschaft beschrieben. Auch wenn es manchmal so wirkte, als würde das Stück in die Übertreibung abdriften, gehört jede Szene spürbar zu einem Gesamtbild. Die fast ausschließlich dialogische Inszenierung wird auf den Schultern von nur zwei Rollen getragen, das lässt Raum für Entwicklung und Tiefe, birgt aber auch eine Herausforderung für die Schauspieler. Diese Herausforderung meistern Marius Bistritzky (Fred) und Tim Czerwonatis (Dom) mit Bravour. Sie interagieren auf eine tief menschliche Art miteinander und scheinen mit ihrer Rolle zu verschmelzen. In knapp 65 Minuten erzählen Fred und Dom ihre Geschichten, die zu einem großen Ganzen gehören, nämlich zu der Frage, wie das gehen soll, dieses „normal sein“.

Oliver Sylvesters Jugendstück thematisiert eine Problematik, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene betrifft. Worte wie homosexuell, transgender, intersexuell oder LGBTQ+ fallen in dem Stück nicht. Subtil, sensibel und bei aller Übertreibung realistisch stellt „Das Gesetz der Schwerkraft“ nichts Geringeres, als unsere Gesellschaft in Frage.

Lisa Gesue, Ates Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

17

Juni

2021

Wer hat meinen Vater umgebracht

nach dem Roman von Édouard Louis
Theater Münster

Édouard Louis erzählt vom Heranwachsen in der französischen Provinz, gefangen in brutalen Verhältnissen, seiner Homosexualität und dem Wunsch, das enge Milieu zu verlassen – was schließlich zum Bruch mit der Familie führt. Nun versucht er das Verhältnis zum Vater aufzuarbeiten. Dessen Gesundheitszustand ist erschreckend desolat ebenso wie das politische System Frankreichs, was er zum Anlass nimmt zu schlussfolgern, dass die regierenden Eliten der letzten Jahrzehnte seinem Vater mit ihrer neoliberalen Politik und dem damit einhergehenden Sozialabbau das Rückgrat gebrochen hätten. Louis’ Abrechnung mit den Präsidenten und die gleichzeitige Aussöhnung mit seiner Familie ist eine provozierende Attacke gegen das politische System und ein aufwühlendes Vater-Sohn Drama.

MIT Joachim Foerster / REGIE Michael Letmathe / MUSIK Fabian Kuss / VIDEO Daniel Ortega Macke / DRAMATURGIE Sabrina Toyen

© 2018 Édouard Louis, all rights reserved; S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Szenenfotos © Oliver Berg

Schulprojekt Theaterkritik: Kim Endler "Fesselndes Vater-Sohn-Drama"

Fesselndes Vater-Sohn-Drama

Bensheim. „Wenn ich mich unserer Straße näherte, dann dachte ich jeden Tag an seinen Wagen und ich betete in meinem Kopf: Bitte lass ihn nicht da sein!“ Mit diesen Worten beschreibt Édouard Louis die Beziehung zu seinem Vater. Im Zuge der Woche junger Schauspieler präsentierte das Theater Münster die Inszenierung des autobiografischen Romans „Wer hat meinen Vater umgebracht“. Die Regie des Theaterstücks führte hierbei der junge Theaterregisseur und Dramaturg Michael Letmathe, welcher sich selbstsicher an den erst 2019 publizierten essayistischen Roman wagte.

„Wer hat meinen Vater umgebracht“ ist der letzte von drei Romanen, die sich mit Louis’ Leben befassen. Im finalen Teil kehrt der junge Ich-Erzähler zurück in seine Heimat und trifft dort auf seinen alten und kranken Vater. Durch seine Ausbildung gelingt es ihm, sich von der Unwissenheit, Gewalt und Homophobie loszulösen. Er beginnt nun, bei seiner Rückkehr die tiefe Verbitterung seines gebrochenen Vaters zu verarbeiten. Es stellt sich für ihn, durch die Reflexion seiner Kindheit, die Frage, wer seinen Vater umgebracht hat.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass sein Vater im falschen Leben gefangen ist, das durch die gesellschaftlichen Normen und politischen Einflüsse fremdbestimmt wurde. Das Vater-Sohn-Drama wird im Laufe der Inszenierung zu einer Anklageschrift gegen die französischen Regierungspräsidenten der vergangenen 15 Jahre.

Die Inszenierung von Michael Letmathe ist ein gelungener Monolog des Autors, der von Joachim Foerster sehr überzeugend verkörpert wird. Der junge Schauspieler schafft es, mit vielerlei Talenten zu überzeugen. Schauspiel, Gesang, Tanz – und das alles mit einer faszinierenden Sicherheit. Im gesamten Stück gelingt es ihm, die Zuschauer mit seinen Handlungen zu fesseln, ohne dabei jemals den Bezug zum Plot zu verlieren. Mit Leichtigkeit bringt er einem die Hassliebe zwischen Vater und Sohn nahe, indem er die Vielschichtigkeit dieser komplizierten Beziehung durch eine beeindruckende Variabilität der dargestellten Emotionen zeigt.

Zu Beginn der Inszenierung präsentiert er sich dem Publikum als schüchterner und verletzlicher Protagonist, im Verlauf des Stückes steigert er sich stückweise zu einer kochenden Aggressivität und Stärke. Diese nimmt im Laufe des Stückes immer mehr zu, als würde er an Selbstbewusstsein gewinnen. Obwohl das Theaterstück aufgrund der Corona-Situation als Online-Format stattfand, musste man als Theaterliebhaber auf nichts verzichten. Die gekonnte Kameraführung machte es möglich, das Geschehen aus mehreren Perspektiven zu verfolgen und sogar Gestik und Mimik des Schauspielers zu verdeutlichen. Die Inszenierung überzeugte besonders durch ihre Vielfalt, die zum einen aus Tanz und Gesang besteht, aber auch durch Bildschirme im Hintergrund der Bühne hergestellt wird. Auf den drei Bildschirmen ist der Schauspieler selbst zu sehen. Jeder dieser drei Bildschirme steht symbolisch für die Entwicklung der Hauptfigur in den drei Romanen. So stellt der Regisseur wunderbar die Entwicklung des Protagonisten dar, da jeder Bildschirm eine andere Emotion zum Ausdruck bringt.

Der emotionale und packende Plot zeigt im Laufe des Stückes auf beeindruckende und subtile Weise die gesellschaftlichen Probleme des Frankreichs der 2000er Jahre. Beispielsweise wurde der Protagonist , weil er „anders“ war, seit seiner Kindheit nicht von seinem Vater akzeptiert. Dieser empfand seinen Sohn als zu weich, zu weiblich, zu schwul. Lieber wäre ihm ein maskuliner Sohn mit anderen Interessen gewesen. In der Inszenierung wird dies durch eine immer wiederkehrende Szene deutlich. Bei einer Feierlichkeit im Elternhaus hat der junge Protagonist die Idee, mit den anwesenden jungen Kindern ein Musikvideo der Band Aqua nachzuspielen. Er selbst verliert sich förmlich in dieser Idee, überlegt sich eine aufwendige Choreografie und präsentiert das Ganze als Leadsängerin der Band den anwesenden Erwachsenen. Voller Stolz und Aufregung erhofft er sich positive Resonanz seines Vaters, doch auch nach mehreren Aufforderungen, sein Vater solle ihm doch zuschauen, wendet dieser sich ab, anstatt seinen Sohn zu unterstützen. Dieses prägende Erlebnis stellt den Erzähler immer wieder vor die Frage, was er falsch gemacht habe und weshalb sein Vater ihn nicht unterstützte.

Die Antwort ist leicht. Es ist nicht der kleine Junge, der einen Fehler gemacht hat, indem er seine Interessen auslebt, es ist der Vater, der, im falschen Leben gefangen, alles ablehnt, was nicht der gesellschaftlichen Norm der damaligen Zeit entspricht.

Dieses wiederkehrende Thema der misslungenen Aufführung aus der Kindheit zieht sich durch die gesamte Inszenierung. Immer wieder geht der Erzähler ans Klavier, spielt ein paar Takte und verwirft seinen Plan dann wieder, bis er den Mut geschöpft hat, die Aufführung seiner Kindheit, mit der durch die Jahre gewonnenen Reife, zu präsentieren. Und so gelingt es ihm, dem Publikum den wohl bekanntesten Aqua-Song „Barbie Girl“ vorzuspielen.

Diese bange Frage nach der eigenen Identität ist auch heute noch aktuell. Wie zeitgemäß sind diese Geschlechternormen wirklich noch? Machen weibliche Züge einen Mann wirklich unmännlich? Die Inszenierung zeigt uns auch hier, dass beidem nicht zuzustimmen ist. Der Schauspieler tanzt am Ende des Stückes in einem schwarzen Kleid mit offenem Rücken. Seine Bewegungen sind sanft und kontrolliert, er wirkt unnahbar. Trotz des weiblich konnotierten Kleidungsstückes wirkt er dennoch männlich. Denn Kleider machen weder Leute noch Geschlechter. Das lernen wir nach einem sehr gelungenen Theaterabend!

Kim Endler, Ates Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprojekt Theaterkritik: Felix Krampff "One-Man-Show voller Emotionen"

One-Man-Show voller Emotionen

Bensheim. Bezwingende Gewalt. Das ist nicht nur Stichwort für Michael Letmathes Inszenierung des Romans Édouard Louis’ „Wer hat meinen Vater umgebracht“, sondern besonders für die überwältigende schauspielerische Leistung von Joachim Foerster, der die Gedanken des Édouard Louis verkörpert und für den Zuschauer in allen Emotionen spürbar macht.

Die junge Romanvorlage erschien 2018, als Vollendung einer Trilogie, in welcher der Autor Édouard Louis sich den familiären Problemen seiner in ärmlichen Verhältnissen stattfindenden Jugend reflektierend stellt. Als stets kritischer Streitpunkt steht zwischen ihm und seinem konservativen Vater die Homosexualität. Gewalt, Homophobie und Rassismus bestimmen das Leben in Frankreichs sozial schwachen Gegenden. Sozialer Aufstieg ist aufgrund mangelnder Bildung auch nicht so leicht. Nach einem Arbeitsunfall des Vaters, der ihn einige Monate ans Bett fesselt, ist die Familie komplett auf soziale Transferzahlungen des Staates angewiesen. Stärker denn je merkt sie die Belastungen einer zunehmend neoklassischen französischen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Der Gesundheitszustand des Vaters steht für die fortschreitende Desozialisierung Frankreichs, die bis zum Rückgratbruch des Vaters führt. „Macron stiehlt meinem Vater das Essen vom Teller“, welches für den von der Politik beigeführten „verfrühten Tod“ sozial Schwacher sorgt.

Nach erfolgreichem Ausbruch, weg von seiner Familie, hinein in die Bildungselite, kam es zu einem versöhnenden Gespräch, welches durch Édouard Louis (Joachim Foerster) packend erzählt wird. Das Politikdrama, das tief in der Vater-Sohn-Beziehung verschlüsselt ist, wird spannenderweise lediglich von einem Schauspieler in einem Monolog dargestellt. Dabei wechselt der vielseitig gestaltete Monolog stets auf erfrischende Weise zwischen Sprache, Gesang, Musik und Tanz. Die Bühne ist ein weiter schwarzer Raum mit zwei stets lila bestrahlten Projektionsflächen. Dabei gibt die Farbprägung den eigentlichen Ort des Geschehens – die Psyche bzw. die Gedanken Édouard Louis’ wieder.

Gelungene Szenen, wie die Nachstellung einer Aufführung der Musikgruppe Aqua, die stets mit der Ablehnung des Vater wegen der vermittelten Homosexualität endete, stechen nicht nur durch die hervorragende Bildsprache heraus, welche hier durch gebrochene Akkorde (meist in Moll) die Gefühlswelt des vom Vater enttäuschten Jungen zeigt, sondern vor allem durch die ausdruckstarke Verkörperung, welche sich jede Emotion anmerken lässt, welche zur brutalen Glaubwürdigkeit führt und der Inszenierung Moderne und Realitätsnähe verleiht.

Im Verlauf der Darstellung werden zusätzlich zum physisch anwesenden Schauspieler noch zwei Videos vom Protagonisten auf die lila Projektionsflächen geworfen, was zu einer spannenden Erzählform führt. Möchte man dem Regisseur folgen, so stehen die zwei Projektionen jeweils für einen Erkenntnisgrad in dem Verlauf der Versöhnung mit seiner Familie, entsprechend den Vorläufer- Romanen. Dies ist für den unvorbereiteten Zuschauer nicht so einfach ersichtlich, viel eher vermittelt es das Bild eines kleinen Teufelchens, das stets von den negativen Gedanken berichtet.

Die Umsetzung des Livestream-Formates des Theater Münster wurde in den Belangen der Musik- und Perspektivengestaltung passend genutzt. Lediglich gab es kleine technisch verursachte Probleme, wie das stetige Pulsieren des Fokus der Kamera, gerade zu Anfang. Auch das Mikrofonrauschen hat man zum Vorteil der Zuschauer weitestgehend versucht zu entfernen. Dies hat leider dazu geführt, dass Tonspuren im Schnitt verrutscht sind und somit Asynchronitäten hervorgerufen haben.

Ich ziehe den Hut vor der ca. 1,5 stündigen One-Man-Show voller Emotionen und Authentizität. Auch jedem politisch Interessierten, besonders in Bezug auf die französische Gelbwesten-Bewegung, empfehle ich die Inszenierung. Sie bietet Einblicke in die Situation des Lebens der Schwächsten unserer Gesellschaft, die man sonst nicht bekommen hätte, welche, folgt man den Worten des am Ende veränderten und verständnisvollen Vaters, nur in einer Revolution überwunden werden kann.

Felix Krampff, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

18

Juni

2021

Werther

Nach J. W. von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, Fassung Brit Bartkowiak, Boris C. Motzki
Staatstheater Mainz

Werther verliebt sich in Lotte. Doch Lotte ist mit Albert verlobt, der angenehm, aber langweilig ist. Werther will sich nicht in die Beziehung einmischen, zumal er glaubt, Lotte ohnehin mit seinen heftigen Gefühlen überfordert zu haben. Er zieht sich zurück, kehrt aber wieder zurück und hofft auf einen Neuanfang mit Lotte –  doch sie ist inzwischen mit Albert verheiratet. Leidenschaftlich verliebt, drängt sich Werther erneut in Lottes Leben. Er kann die Ehe nicht akzeptieren, an der Lotte festhält – eine ebenso spannungsgeladene wie ausweglose Situation.

MIT Julian von Hansemann, Lisa Eder, Denis Larisch / REGIE Brit Bartkowiak / BÜHNE Hella Prokoph / KOSTÜM Carolin Schogs / MUSIK Ingo Schröder / VIDEO Kai Wido Meyer / LICHT Stefan Bauer / DRAMATURGIE Boris C. Motzki
Szenenfotos © Andreas Etter

Schulprojekt Theaterkritik: Erin Yildirim "Das Ende bleibt der Freitod"

Das Ende bleibt der Freitod

„Uuuhuu, nobody knows it“. Elton John als Teil eines Sturm und Drang-Stückes? Zwei Begriffe, die man für gewöhnlich nicht in Verbindung bringt. Das Staatstheater Mainz schafft es mit seiner online gestreamten Inszenierung des 1774 veröffentlichten Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe, Altes mit Neuem zu vereinen.
Unter der Regie von Brit Bartkowiak und der Dramaturgie von Boris C. Motzki gelingt dem Theater aus Mainz ein erfolgreicher Abschluss der Woche junger Schauspieler*innen in Bensheim.
Werther lernt Lotte an einem Tanzabend kennen und fühlt sich noch am selbigen zu ihr hingezogen. Sie tanzen und verstehen sich gut, bis Lotte ihm von ihrer Verlobung mit Albert erzählt. Kurzzeitig scheint die Beziehung zwischen den dreien zu funktionieren, bis es die ersten Konflikte gibt: Werther will Lotte für sich allein, erkennt jedoch die Aussichtslosigkeit seiner Situation und reist ab. Als er aus Sehnsucht zu Lotte zurückkehrt, erfährt er von der Heirat zwischen ihr und Albert. Werther sieht nur einen Ausweg aus dieser enttäuschten Liebe.
Die Inszenierung baut sich nach und nach auf. Der Zuschauer trifft anfangs auf ein scheinbar unfertiges Bühnenbild, an dem die drei Schauspieler Julian von Hansemann (Werther), Lisa Eder (Lotte) und Denis Larisch (Albert), ständige Veränderungen vornehmen. Die Atmosphäre eines Improvisations-Theaters wird kreiert. Die Darsteller sind noch keinen festen Figuren zugeordnet, haben Alltagskleidung statt Kostüme an, spielen Musik selbst ein, führen die Kamera und sorgen sogar für Effekte wie Nebel und Vogelgesang. Das Dreiergespann bietet dem Betrachter verschiedene Perspektiven. Sei es durch Zitieren aus dem Briefroman, durch subjektives Kommentieren am Original oder durch improvisiertes Schauspiel. In dieser modernen Fassung des Klassikers von Goethe mangelt es also nicht an Kreativität.

Während Denis Larisch noch eine Szene zuvor einen Monolog von Werther aus dem Jahr 1771 zitiert, sinniert er als Albert in der nächsten auf moderne Weise über Liebe und Treue: „Ich find dich schon sexy… aber das mach ich nicht, weil ich treu bin“.

Bartkowiaks Trio, von Hansemann, Eder und Larisch, gelingt die Umsetzung der modernen Bühnenadaption durch eine vielseitige schauspielerische Leistung. Besonders Julian von Hansemann, der im Verlauf der Handlung die Rolle des Werther annimmt, glänzt durch seine wandelnde Dynamik. Die inneren Konflikte und die stets wachsende Unzufriedenheit seiner Figur bringt er am Ende der Inszenierung glaubhaft zum Höhepunkt. Mit schwarzer Farbe beschmiert, entkleidet und hängend an einem imaginären Kreuz beendet Werther mit den Worten „Albert mach‘ den Engel glücklich“ sein Leben. Während das Licht zuvor die ganze Bühne beleuchtet, ist es in dieser Szene nur auf Julian von Hansemann gerichtet, was der Atmosphäre im Schlussakt mehr Dramatik verleiht.

Das Staatstheater Mainz präsentiert mit dieser aktuellen Fassung des Werther eine durchaus besondere Theateraufführung. Ein Musikmix aus Neuer Deutscher Welle und British Pop begleitet die Darbietung, die ständig wechselt zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert. Ein Einkaufswagen dient als Kutsche und die Schauspieler singen Karaoke zu Elton Johns „Don’t Go Breaking My Heart“.

Etwa genauso neuzeitlich wie Cosmea Spellekens außergewöhnliches „werther.live“, trotzdem ganz anders. Die Übersetzung des Briefromans von J. W. von Goethe in die Moderne lässt – fast 250 Jahre später – immer noch viel Raum für Interpretation.

Das Mainzer Ensemble um Brit Bartkowiak und Boris C. Motzki beendet somit die Woche junger Schauspieler*innen mit einer sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Version des Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“. Eine Ménage-à-trois, derer sich vermutlich noch viele Dramaturgen annehmen werden.

Erin Yildirim, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Schulprotjekt Theaterkritik: Ferhat Bawer Ertas "Vulkanausbruch aus sicherer Distanz"

Vulkanausbruch aus sicherer Distanz

„Don´t go breaking my heart” trällert das komische Trio als Karaoke-Song von einer Bühne, deren Bild ein bisschen „messy“ wirkt. Aber geht es in diesem Stück nicht um die „Leiden des jungen Werthers“, um Liebeskummer, um Herzschmerz, der durch das Lied von Elton John ganz schräg in unsere einsamen Zeiten tönt? Sollte es nicht Werther sein, der zu Lotte singt, ihm doch bitte nicht das Herz zu brechen?
Vielleicht lässt sich diese Frage beantworten, nachdem man den neuen Anstrich von Goethes Briefroman, frei nach der Regisseurin Brit Bartowiak und dem Dramaturgen Boris Motzki als Live-Stream bestaunt hat. Dieser wurde am Freitag, den 18.06.21 im Rahmen der 26. Woche Junger Schauspielerinnen und Schauspieler ganz ohne Publikum auf die Bühne gebracht. Gleich zu Beginn der Vorstellung stolpert ein Schauspieler tollpatschig auf die Bühne. Ganz verwirrt stottert er: „Vorstellung? Jetzt? Wir haben doch ne Probe angesetzt?“ Alles scheint unvorbereitet, die Kollegin und der Kollege tröpfeln erst später ein… Spontan müssen sie nun auch den Job der Regisseurin übernehmen, ihre Rollen festlegen und das Bühnenbild mehr oder weniger selbst gestalten? Improvisation ist jetzt angesagt! Dann geschieht die nächste „Panne“ - das Ende des Stücks wird „versehentlich“ als Filmszene auf eine große Leinwand projiziert… es wird also „gespoilt“ – doch die Schüler kannten es ohnehin bereits. Allmählich wird das Publikum – dank zahlreicher moderner, poppiger und flippiger Einlagen und Requisiten in die Gefühlswelt des zunächst himmelhochjauchzenden und später zu Tode betrübten Werthers geführt. Dieser hat sich unsterblich in seinen „Lotte-Engel“ verliebt, der aus einer weißen Wolke auf ihn zu schwebt. Ob die Verliebten bei ihren Dates im Einkaufwagen Pirouetten drehen, im Regen singen und tanzen oder Lotte von sich selber mit einer funkelnden Kamera Videos auf die große Leinwand projiziert…Ihr Gesicht ist nahezu allgegenwärtig und so darf das digitale Publikum einen Blick in Werthers Kopf werfen. Als die Bühne noch hell und lichtdurchflutet, die Stimmung noch heiter und die Kostüme freundlich erstrahlen, scheint plötzlich die Dreiecks-Beziehung eine Chance zu haben. Vielleicht macht es die moderne Welt erst möglich, dass die Liebe als ein großes Geschenk in eine riesige glitzernde Schleife eingewickelt auch zu Dritt genossen werden kann? Aber auch das „Happy Birthday“, dass Lotte und der doch nicht ganz so brave Albert für Werther singen, kann das aufkeimende Leid des einsamen Mannes nicht stillen. In einer „herzzerreißenden“ Mondscheinszene verabschiedet sich Werther von seinen Freunden, um ihrer Liebe nicht im Wege zu stehen.

Doch kurz nach Lottes Eiszeit wird es immer schwärzer – das Bühnenbild – sowie die Kostüme. Fernvon ihr nimmt der verzweifelt Verliebte eine trostlose Tätigkeit auf. Dabei tobt sich Werther künstlerisch aus. Mit schwarzer Farbe zeichnet er die Umrisse seiner verbotenen Liebe auf eine Leinwand. Doch als er auch den Schatten von Albert erkennt, beginnt er sich selbst zu bemalen - „Black Body Painting“ vom Feinsten. Als der Künstlernatur klar wird, dass die Gesellschaft nichts von ihm hält, beschließt er zu seiner Angebeteten zurückzukehren, obwohl er weiß, dass er in Lottes Leben immer nur die zweite Geige spielen wird. Die Bilder auf der Leinwand und auf seinem eigenen Körper sind Spiegel seines Liebeswahns, der im Suizid endet. Auch wenn das distanzierte Publikum noch kurz davor den falschen Eindruck erhält, dass Wertherseinen Konkurrenten auf brutale Weise um die Ecke bringt: Steht Albert von den Toten wieder auf? Werthers Redeanteile dominieren – doch Lotte kommt auch direkt zu Wort: Sie wehrt sich vehement dagegen, für Werther eine große Projektionsfläche zu sein und wirft ihm vor, sie nur besitzen zu wollen. Lisa Eder glänzt in ihrer Rolle der modernen Lotte genauso wie der expressive Julian von Hansemann.
Durch den Mix der poetischen Sprache Goethes mit den skurrilen, kitschigen Stilelementen aus unserer Zeit gelingt es dem Mainzer Ensemble die Gefühlswelt des Werthers so lebendig zu gestalten, dass man den Eindruck hat, einen Vulkanausbruch live mitzuerleben. Wer bestaunt diesen nicht am liebsten aus einer sicheren Distanz?

Ferhat Bawer Ertas, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

 

 

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WJS 2020 

Die Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler feiert ihr 25jähriges Jubiläum.

Vom 4. – 31.  März findet zum 25sten Mal die „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ im südhessischen Bensheim statt: Anlass für einen Rückblick und ein Resümee der zurückliegenden Jahre mit zwei zusätzlichen Veranstaltungsformaten. Zum einen wird eine Ausstellung im Foyer des Parktheaters Bensheim alle Vorstellungen und Gastspiele und ab 2003 auch ihre Preisträgerinnen in Erinnerung rufen. Eine gute Gelegenheit, die Schauspielerinnen zu entdecken, die in jungen Jahren als vielversprechender Nachwuchs bei der „Woche“ gastierten und einige Jahre später dann als Preisträger*innen für den Gertrud-Eysoldt-Ring nach Bensheim zurückkehrten. Zum anderen wird am 13. März eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Alleskönner oder Dienstleister? – Schauspielkunst im zeitgenössischen Theater“, mit jungen und erfahrenen Schauspielerinnen und Theatermacherinnen (darunter Dörte Lyssewski, Eysoldtring-Trägerin 2003 sowie der diesjährige Kurt-Hübner-Regiepreisträger Florian Fischer) die veränderten Anforderungen an den Schauspielberuf der letzten 25 Jahre erörtern.

Die Auftaktveranstaltung findet am 4. März im Gertrud-Eysoldt-Foyer des Parktheaters statt. Nach der Vorstellung des Programms werden Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a.M. zusammen mit Prof. Dr. Dagmar Borrmann (Ausbildungsdirektorin HfMdK Frankfurt) mit kurzen Spielszenen unterhaltsame und erhellende Einblicke in ihre Ausbildung gewähren.

Auch in diesem Jahr liegt der Fokus wieder ganz auf dem Können der jungen Darsteller*innen. Der mit 3.000 Euro dotierte „Günther-Rühle-Preis“, um den die fünf Gastspiele mit außergewöhnlichen Spielweisen konkurrieren, zeichnet die beste schauspielerische Leistung im Rahmen dieses Festivals aus.

WJS 2020 (Kunstuniversität Graz)

Malade oder woanders ist auch noch

Das Programm startet gleich mit zwei Hochschulinszenierungen aus Graz und Hamburg, gefolgt von drei in Bensheim mittlerweile gut bekannten Häusern, dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Badischen Staatstheater Karlsruhe und zum Abschluss dem Nationaltheater Mannheim.

Zusammengestellt wurde das Programm unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dagmar Borrmann, Marlene Anna Schäfer (freie Regisseurin) und Michael Letmathe (Schauspieldramaturg Theater Münster).

Veranstalter der „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ ist die Stadt Bensheim gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim und dem Land Hessen.

Schülerprojekt Theaterkritik 

Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen.

Zum fünften Mal wird die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste im Rahmen der Woche junger Schauspieler das Schülerprojekt Theaterkritik fortsetzen. Das Projekt richtet sich an junge Leute, die aktiv in das Festival eingebunden werden und die sich dem Schreiben eigener Theaterkritiken zu den Aufführungen des Festivals widmen.

Begleitet werden sie dabei von Profis aus Theaterpädagogik und Journalismus. Die Schüle*innen werden eigene Bewertungskriterien entwickeln, über die Gastspiele diskutieren und ihre Kritiken mit schlüssigen Argumenten formulieren. In Kooperation mit dem Bergsträßer Anzeiger werden Kritiken in dessen Printausgabe sowie online  veröffentlicht. Bei Facebook Instagram und auf einem Blog hat die Projektgruppe "bespielt"

Daneben wird es eine Jurygruppe geben, in der Schüler*innen verschiedener Schulen vertreten sein sollen. Am Ende der Woche junger Schauspieler entscheiden die SchülerInnen dann in einer Diskussion, welches Gastspiel eine lobende Erwähnung von ihnen bekommt. Über ihre Entscheidung informieren sie das Publikum und die Theaterschaffenden nach dem letzten Gastspiel im Rahmen der Bekanntgabe der Preisträger für den Günther- Rühle-Preis und des Publikumsvotums und verlesen ihre Begründung.

Programm  04.03. bis 31.03.2020

04

März

2020

19 Uhr Auftaktveranstaltung

Auftaktveranstaltung & Ein Einblick in die Schauspielausbildung heute / Gespräch und Szenen

Gertrud-Eysoldt-Foyer, Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Dagmar Borrmann,  Marlene Schäfer und Michael Letmathe stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Anschließend ca. 20.15 Uhr: Ein Einblick in die Schauspielausbildung heute / Gespräch und Szenen

Prof. Dr. Dagmar Borrmann erläutert gemeinsam mit Absolventinnen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt Aspekte der Ausbildung. Präsentation von Monologen und Szenen aus dem Abschlussprogramm der Absolventinnen.

09

März

2020

Malade oder woanders ist auch noch

Von Rebekka David, Frieder Langenberger, Mario Lopatta

Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Malade oder woanders ist auch noch (Kunstuniversität Graz)

15

März

2020

Besiegt am Feld des Lebens

Eine psychedelische Revue nach Daniil Charms

Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Besiegt am Feld des Lebens (Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater in Kooperation mit dem Thalia Theater)

19

März

2020

Antigone

Von Sophokles / Rap und Spoken-Word-Texte von Aylin Celik und Uğur Kepenek aka Busy Beast

Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr : Antigone (Düsseldorfer Schauspielhaus)

22

März

2020

How to Date a Feminist

Komödie von Samantha Ellis

Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: How to Date a Feminist (Badisches Staatstheater Karlsruhe)

31

März

2020

Liebe / Eine argumentative Übung & Preisverleihung

Von Sivan Ben Yishai

Parktheater Bensheim
19.00 Uhr: Einführung
19.30 Uhr: Liebe / Eine argumentative Übung (Nationaltheater Mannheim)

Von Sivan Ben Yishai

ca. 22.00: Bekanntgabe der Günther-Rühle-Preisträger, des Publikums- und des Schülervotums

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WJS 2019 

Jonas Steglich erhält für seine herausragende Darstellung, sein Improvisationstalent und sein feines und kluges Spiel den Günther-Rühle-Preis.

Im März 2019 fand zum 24sten Mal die „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ im südhessischen Bensheim statt. Das Festival, das 1996 vom Kuratorium der Ringebandstiftung gegründet wurde, ist ein Festival der Schauspielkunst und legt den Fokus ganz auf das Können der jungen Darsteller*innen.

Der mit 3.000,- EUR dotierte Günther-Rühle-Preis zeichnet die beste schauspielerische Leistung im Rahmen dieses Festivals aus und ging dieses Jahr an Jonas Steglich für seine herausragende Darstellung, sein Improvisationstalent und sein feines und kluges Spiel in All das Schöne vom Schauspiel Hannover.

All das Schöne überzeugte auch das Publikum - die Inszenierung aus Hannover erhielt die besten Bewertungen - und die Schülerjury, die den Abend mit ihrem Schokoladenpokal auszeichneten. Damit räumte das Gastspiel alle drei Preise ab.

Gewinner des Günther-Rühle-Preis, des Publikumspreises und des Schokoladenpokals

All das Schöne

Prof. Dr. Dagmar Borrmann (Ausbildungsdirektorin Schauspiel HfMDK,  Frankfurt), Carola Hannusch (Dramaturgin, Theater Essen) und Marlene Anna Schäfer (freie Regisseurin),  haben das Festivalprogramm zusammengestellt.

Veranstalter der „Woche junger Schauspielerinnen und Schauspieler“ ist die deutsche Akademie der Darstellenden Künste gemeinsam mit der Stadt Bensheim, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Bensheim und dem Land Hessen.

Programm  07.03. bis 29.03.2019

07

März

2019

Auftaktveranstaltung & Im Herzen der Gewalt

Von Édouard Louis

Gertrud-Eysoldt-Foyer, Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Dagmar Borrmann, Carola Hannusch und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit den Akteuren das Programm vor.

Anschließend ca. 20.15 Uhr: Im Herzen der Gewalt (Thalia Theater Hamburg)

09

März

2019

Jugend ohne Gott

Von Ödön von Horváth — in einer Fassung von Kristo Šagor

Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Jugend ohne Gott (Düsseldorfer Schauspielhaus)

13

März

2019

Michael Kohlhaas

Nach Heinrich von Kleist

Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Michael Kohlhaas (Deutsches Nationaltheater Weimar)

22

März

2019

Draußen vor der Tür

Von Wolfgang Borchert

Parktheater Bensheim
19.30 Uhr: Draußen vor der Tür (Theater Erlangen)

29

März

2019

All das Schöne

Von Duncan Macmillan – Mitarbeit Jonny Donahoe

19.30 Uhr: All das Schöne (Schauspiel Hannover)
ca. 21.30 Uhr: Bekanntgabe der Preisträger für den Günther-Rühle-Preis, des Publikums- und des Schülervotums

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WJS 2018 

Marina M. Blanke erhält für ihre ausgezeichnete schauspielerische Leistung den Günther-Rühle-Preis.

Der mit 3.000,- EUR dotierte „Günther-Rühle-Preis“ für eine ausgezeichnete schauspielerische Leistung ging an Marina M. Blanke für u.a. ihre Darstellung des als Hund wiedergeborenen Soldaten in der Stückentwicklung „Die Konsistenz der Wirklichkeit“ von Dimitrij Schaad und Ensemble an der Theaterakademie August Everding in München.

Gewinnerin des Günther-Rühle-Preises

Marina M. Blanke in „Die Konsistenz der Wirklichkeit“

„Marina M. Blanke gelingt eine sinnlich wie technisch herausragende Darstellung eines Hundes (...) Da werden Körper und Sprache zu einer erzählenden Kreatur, die durch den Abend führt und dabei mühelos in andere Figuren und Situationen schlüpft. (...) Mit Ihrer Verbindung von Leichtigkeit und Sinnlichkeit in der Kreatürlichkeit, Ihrem präzisen Hinübergleiten von scheinbar privater zu dargestellter Figur, fesselt sie uns und zeigt uns im besten Sinne die Fähigkeit der Verwandlung.“, so die Jury in ihrer Begründung, der in diesem Jahr Lina Zehelein (Leiterin der Abteilung und Vermittlung am Staatstheater Darmstadt), Boris C. Motzki (freischaffender Regisseur und Akademiemitglied) und Berthold Mäurer (Intendant des Parktheaters Bensheim) angehörten.

Gewinner des Schulprojektes „Theaterkritik“

Der gute Mensch von Sezuan

Die Jury des Schulprojektes „Theaterkritik“ verlieh ihren Preis der Inszenierung „Der gute Mensch von Sezuan“ von der Berliner Schaubühne in Zusammenarbeit mit der Schauspielschule Ernst-Busch Berlin.

Publikumspreis

Ellbogen

Der Publikumspreis ging an die Inszenierung der Romanadaption „Ellbogen“ vom Düsseldorfer Schauspielhaus.

Programm  05.03. bis 21.03.2018

05

März

2018

Auftaktveranstaltung & Grounded

Von George Brant, Deutsch von Henning Bochert

Parktheater Bensheim
19 Uhr: Auftaktveranstaltung

Hermann Beil und Marlene Schäfer stellen im Gespräch mit Regisseuren, Dramaturgen und Schauspielern die Gastspiele und das Programm vor

Im Anschluss (ca. 20.15 Uhr): „Grounded“ (Schauspiel Frankfurt)

Die Pilotin: Sarah Grunert / Regie: Anselm Weber / Kostüm: Irina Bartels / Bühne: Raimund Bauer / Video: Bibi Abel / Musik: Thomas Osterhoff / Sound-Design: Friedrich M. Dosch / Dramaturgie: Alexander Leiffheidt

06

März

2018

Die Konsistenz der Wirklichkeit

Stückentwicklung von Dimitrij Schaad und Ensemble

Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Die Konsistenz der Wirklichkeit“ (Theaterakademie August Everding, München)

Mit Maja Amme, Marina Blanke, Yasin Boynuince, Adi Hrustemovic,́ Pål Fredrik Kvale, Thea Rinderli, Ricarda Seifried, Cem Lukas Yeginer / Regie: Dimitrij Schaad / Bühne: Jana Boenisch / Kostüme: Anna Maria Schories / Dramaturgie: Alex Schaad und Lüder Wilcke

07

März

2018

Rost

Von Christian Kühne

Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Rost“ (theater der sprachfehler, Wien)

Mann: Thomas Gerber / Frau: Ina Maria Jaich/ Junger Mann: Sascha Jähnert / Regie: Andreas Jähnert / Videodesign & Licht: Christoph Skofic / Bühne: Michael Mayer / Maske: Annette Hock

11

März

2018

Der gute Mensch von Sezuan

Von Bertolt Brecht, Musik von Paul Dessau

Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Der gute Mensch von Sezuan“ (Schaubühne Berlin / Eine Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin)

Besetzung: Shen Te/Shui Ta: Laura Balzer, Yang Sun/Bruder Wung: Jan Bülow, Erster Gott/Die Witwe Shin/Nichte: Mayla Häuser, Wang/Schwangere Schwägerin: Jan Meeno Jürgens, Zweiter Gott/Hausbesitzerin Mi Tzü/Kind: Tiffany Köberich, Barbier Shu Fu/Neffe: Jan Eric Meier, Dritter Gott/Frau Yang/Mutter: Lea Ostrovskiy, Lin To/Bonze/Großvater: Frederik Rauscher, Arbeitsloser/Polizist: Leander Senghas, Erzähler/Kellner/Vater: Lukas Walcher / Regie: Peter Kleinert / Bühne: Céline Demars / Kostüme: Susanne Uhl / Musik: Hans-Jürgen Osmers / Dramaturgie: Nils Haarmann

20

März

2018

Ellbogen

Nach dem Roman von Fatma Aydemir

Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Ellbogen“ (Düsseldorfer Schauspielhaus)

Besetzung: Hazal: Cennet Rüya Voß; Elma/Hazalia: Lou Strenger; Gül/Hazalia: Florenze Schüssler; Ebru/Semra/Hazalia: Tabea Bettin / Regie Jan Gehler / Bühne Sabrina Rox / Kostüm Claudia Irro / Komposition Vredeber Albrecht / Dramaturgie Frederik Tidén

21

März

2018

Selbstbezichtigung

Von Peter Handke

Parktheater Bensheim
20 Uhr: „Selbstbezichtigung“ (Berliner Ensemble)

Mit Stephanie Rheinsperger / Regie und Bühne: Dušan David Pařízek / Kostüme: Kamila Polívková / Licht: Stefan Pfeistlinger / Dramaturgie: Roland Koberg

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